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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Marc Luy

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Senior Scientist am Vienna Institute of Demography der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Wien (seit 2008)

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Stationen

  • Geboren 1971
  • Studium der Geographie mit den Nebenfächern Demografie, Urbanistik und Sozialplanung an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg (Diplom 1998)
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Demografie und Ökonometrie an der Universität Rostock
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock, Abteilung Alterung und Langlebigkeit
  • Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden und Gastdozent an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main und an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz
  • Forschungsaufenthalt an der Universität „La Sapienza“ in Rom
  • Steering Fellow of the EAPS Working Group on Health, Morbidity and Mortality und seit 8/2005 Junior Fellow of the Max Planck International Research Network on Aging (MaxnetAging) (seit 2004)
  • 2004 Dr. rer. pol. im Fach Demografie an der Universität Rostock
  • Juniorprofessur für Demografie und ihre Anwendungsgebiete an der Universität Rostock und Gastwissenschaftler am Max-Planck-Institut für demografische Forschung in Rostock (2004 bis 2008)

Forschungsgebiete

  • Differentielle Mortalität
  • Demografische Analysemethoden
  • Historische Demografie

Forschungsschwerpunkte am Max-Planck-Institut für demografische Forschung

  • Geschlechtsspezifische Sterblichkeitsunterschiede
  • Sozioökonomische Sterblichkeitsdifferenzen
  • Sterblichkeitsunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland
  • Regionale Sterblichkeitsunterschiede in Deutschland und Italien
  • Analyse von Tempo-Effekten in demografischen Periodenmaßen

Marc Luy:

Leben Frauen länger oder sterben Männer früher?

Die unterschiedliche Lebenserwartung von Frauen und Männern gehört zu den bekanntesten demografischen Phänomenen. Das liegt vermutlich daran, dass die Geschlechterunterschiede in der Lebensdauer außerordentlich groß sind. In Deutschland beträgt er gegenwärtig ganze sechs Lebensjahre. Allerdings handelt es sich dabei nicht um einen unveränderlichen Wert. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren die Unterschiede deutlich geringer und lagen bei etwa drei Jahren zugunsten der Frauen. Zur damaligen Zeit waren Infektionskrankheiten, vor allem Tuberkulose, die dominante Todesursache, für die junge Frauen besonders anfällig waren. Hinzu kam eine sehr hohe Müttersterblichkeit. Historiker gehen davon aus, dass diese Faktoren bis zum 18. Jahrhundert sogar zu einer insgesamt geringeren Lebenserwartung der Frauen im Vergleich zu den Männern führten. Heute sind diese Todesursachen in der entwickelten Welt nahezu ausgelöscht und die meisten Sterbefälle sind auf Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen zurückzuführen. Dieser Wandel in der Todesursachenstruktur hatte einen kontinuierlichen Anstieg der Lebenserwartung zur Folge. Da sich dieser jedoch rascher bei den Frauen als bei den Männern vollzog, vergrößerten sich auch die Geschlechterunterschiede in Deutschland schrittweise bis auf ein Maximum von rund sieben Jahre Mitte der 1980er Jahre. Dass sich diese Differenz seither wieder langsam verringert liegt daran, dass seit knapp 20 Jahren die Lebenserwartung der Männer etwas stärker ansteigt als die der Frauen.

Generell wird die längere Lebenserwartung der Frauen durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren bedingt. Diese lassen sich grob in zwei Kategorien unterteilen: biologische und die nicht-biologische Faktoren. Zu ersteren gehören vor allem die genetischen und hormonellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So sind Frauen vor allem durch das zweite X-Chromosom vor bestimmten Krankheiten besser geschützt als die Männer, die nur ein X-Chromosom besitzen. Selbst im Säuglingsalter und sogar schon vor der Geburt weisen Mädchen eine geringere Sterblichkeit als Jungen auf und auch im Tierreich lässt sich bei fast allen Arten eine „männliche Übersterblichkeit“ beobachten. Neben diesem biologischen Nachteil der Männer wird ihre höhere Sterblichkeit aber auch noch durch nicht-biologische Faktoren verursacht. Vor allem ungesunde Verhaltensweisen wie Zigaretten- und Alkoholkonsum, eine überhöhte Unfallsterblichkeit sowie mit dem Berufsleben in Verbindung stehende Stressfaktoren, die zu einer erhöhten Anfälligkeit für Herz- und Kreislauferkrankungen führen, gehören typischerweise zur Lebenswelt der Männer. Allerdings gleichen sich die Verhältnisse in jüngster Zeit an. Vieles deutet darauf hin, dass hier die Ursache für die seit etwa zwei Jahrzehnten stattfindende Verringerung der Geschlechterdifferenz in der Lebenserwartung liegt.

Der Unterschied in der Lebenserwartung von Frauen und Männern ist jedoch nicht überall auf der Welt gleich hoch. Am geringsten ist er in der Dritten Welt, wo es sogar einige Länder wie z. B. Simbabwe, Afghanistan oder Bangladesch gibt, in denen die Männer eine höhere Lebenserwartung als die Frauen aufweisen. Dies sind jedoch Ausnahmen, die vor allem aus einer sehr hohen Mütter- und Mädchensterblichkeit resultieren. Das andere Extrem der Geschlechterunterschiede in der Lebenserwartung zeigt sich in den Nachfolgestaaten der ehemaligen UdSSR, wo die Lebenserwartung der Frauen jene der Männer um bis zu zwölf Jahre übersteigt. Das Ausmaß der Geschlechterunterschiede in der Lebenserwartung ist also auch international erheblichen Schwankungen unterworfen. Aber selbst innerhalb Deutschlands sind heute große regionale Unterschiede festzustellen. Die geringsten Differenzen zeigen sich in einigen Gebieten Süddeutschlands wie z. B. der Stadt München, wo die durchschnittliche Lebenserwartung der Frauen die der Männer um lediglich vier Jahre übersteigt. Die größten Unterschiede findet man dagegen in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Unterschiede im gesamten Land über acht und in den Kreisen Uecker-Randow und Demmin sogar fast neun Jahre zugunsten der Frauen betragen.

Diese großen Unterschiede in der Höhe des weiblichen Überlebensvorteils zeigen, dass vor allem die nicht-biologischen Faktoren für das Ausmaß der Unterschiede in der Lebenserwartung verantwortlich sein müssen. Besonders deutlich wird das aus einem Vergleich der Lebenserwartung von Nonnen und Mönchen, die sich in ihren Lebensumständen, Verhaltensweisen und Berufsrisiken nicht voneinander unterscheiden. Während Nonnen die gleiche Lebenserwartung wie alle Frauen aufweisen, leben Mönche im Schnitt um fünf Jahre länger als Männer der Allgemeinbevölkerung. Es ist also offensichtlich die Sterblichkeit der Männer, die das Ausmaß der Geschlechterunterschiede bestimmt. Dies spiegelt sich auch in dem Fall Mecklenburg-Vorpommerns wider. Während die Lebenserwartung für Frauen um nicht einmal ein Jahr unter dem Bundesdurchschnitt liegt, beträgt dieser Unterschied bei den Männern ganze drei Lebensjahre. Tiefer gehende Analysen zeigen, dass die geringere Lebenserwartung der Männer Mecklenburg-Vorpommerns vor allem durch eine sehr hohe Sterblichkeit in den jungen und mittleren Erwachsenenaltern hervorgerufen wird, und zwar überwiegend im Zusammenhang mit Todesursachen, die mit Verkehrsunfällen und überhöhtem Alkoholkonsum in Verbindung stehen. Diese Beispiele machen deutlich, dass in unserer Gesellschaft die Frauen zwar etwas länger leben, aber vor allem die Männer früher sterben.

Dieser Artikel erschien im Juni 2005 in Norddeutsche Neueste Nachrichten im Rahmen einer Serie von Expertenbeiträgen zum Demografischen Wandel.


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