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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Rente

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Die Auswirkungen einer alternden Gesellschaft auf die Rentenpolitik sind besonders offensichtlich. Deshalb wurde hier im Vergleich zu anderen Politikbereichen der Einfluss des Demografischen Wandels schon relativ frühzeitig diskutiert. Während im Jahr 1980 nur rund 37 über 60-jährige Personen auf 100 Personen zwischen 20 und 59 Jahren entfielen, wird im Jahr 2030 das Verhältnis etwa 71:100 betragen. Gegenwärtig liegt dieser so genannte Altenquotient bei 40:100. Es verwundert daher nicht, dass das Vertrauen in die gesetzliche Rente gering ist. Nur wenige Bundesbürger glauben, im Alter mit der gesetzlichen Rente ihren Lebensstandard halten zu können.


Demografischer Wandel und Rentenversicherung

In Deutschland wird die Rente über das so genannte Umlageverfahren finanziert. Dabei kommen die Erwerbstätigen durch ihre Beitragszahlungen zur Rentenversicherung für die laufenden Zahlungen an die Rentnergeneration auf (Generationenvertrag). Ein auf dem Umlageverfahren basierendes Rentensystem ist besonders anfällig für demografische Verschiebungen, die sich aus einer sinkenden Geburtenrate und zunehmender Lebenserwartung ergeben: Wenn immer weniger Beitragszahler für immer mehr Rentner aufkommen müssen, sinken die Einnahmen der Rentenkasse bei gleichzeitig steigenden Ausgaben. Bisher sind die Belastungen durch die zunehmende Rentenbezugsdauer entstanden. Ein früher Eintritt in die Rente und eine steigende Lebenserwartung haben dazu geführt, dass die durchschnittliche Rentenbezugsdauer zwischen 1960 und heute von circa zehn auf über 14 Jahre bei Männern und 18 Jahre bei Frauen gestiegen ist. In Zukunft werden auch die geringen Geburtenzahlen seit Ende der 1960er Jahre dazu beitragen, dass die Zahl der Beitragszahler in Relation zu den Rentenempfängern abnimmt.

Bereits zum jetzigen Zeitpunkt reichen die Einnahmen aus den Beiträgen der Versicherten nicht, um die Ausgaben der gesetzlichen Rentenversicherung in Deutschland zu decken. Deshalb bezuschusst der Staat die Rentenkasse aus Steuermitteln. Im Jahr 2005 waren dies rund 80 Milliarden Euro. Allerdings ist die heutige schwierige Situation des Rentensystems auch auf nicht-demografische Faktoren zurückzuführen: eine schwache Konjunktur, die Einbeziehung versicherungsfremder Leistungen und den staatlich gesetzten Anreiz zur Frühverrentung. Die eigentlichen Herausforderungen durch den Demografischen Wandel werden erst nach und nach vollständig zum Tragen kommen.

In den vergangenen Rentenreformen wurde bereits versucht, den demografischen Entwicklungen Rechnung zu tragen: Beispielsweise soll das Rentenniveau des idealtypischen „Eckrentners“ (45 Jahre sozialversicherungspflichtig beschäftigt) durch die Einführung eines „Nachhaltigkeitsfaktors“ von 70% des letzten Nettolohnes auf 67% sinken. Um die entstehenden Versorgungslücken schließen zu helfen, wurde zudem mit der Riester-Rente eine zusätzliche, kapitalgedeckte Säule der Altersversorgung eingeführt. Beim Kapitaldeckungsverfahren werden die Beitragszahlungen auf einem individuellen Konto verwaltet und kommen später dem Beitragszahler selbst in Form von Rentenzahlungen zu Gute. Langfristig soll also auch in Deutschland wie beispielsweise in Dänemark, der Schweiz oder den Niederlanden das Rentensystem auf einem breiteren Fundament stehen: Der Generationenvertrag wird verstärkt um die private und betriebliche Altersversorgung ergänzt.


Ein Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter?


Die durchgeführten Maßnahmen der Rentenpolitik werden in der Zukunft bei Weitem nicht ausreichen, ein Gleichgewicht von Einnahmen und Ausgaben in der Rentenversicherung zu erreichen. Es existieren drei mögliche Strategien, mit denen die Rentenpolitik auf die demografischen Veränderungen reagieren kann: Das Niveau der Rentenzahlungen sinkt, die Beiträge zur Rentenversicherung steigen oder die Zahl der Beitragszahler nimmt zu. Wenn der Anteil der berufstätigen Bevölkerung wieder steigt, erhöhen sich auch die Einnahmen aus den Beitragszahlungen. Eine Möglichkeit dabei ist, dass sich die Lebensarbeitszeit verlängert. Die bisherigen Anreize der Frühverrentung wird es dann nicht mehr geben können. Es ist bereits abzusehen, dass das Renteneintrittsalter angehoben wird, um der demografischen Entwicklung Rechnung zu tragen. Das bedeutet, dass sich gleichzeitig die Zahl der Beitragszahler erhöhen wird und die Zahl der Empfänger sinkt. Die Durchführbarkeit dieser Maßnahme bleibt allerdings abzuwarten, da die Arbeitsmarktbeteiligung Älterer verhältnismäßig gering ist und das durchschnittliche Rentenalter mit ca. 62 Jahren gegenwärtig weit unter 65 liegt. Die Auswirkungen einer Anhebung des Renteneintrittsalters werden in voller Konsequenz wahrscheinlich nur die Generation der heute unter 35-Jährigen treffen. Doch auch die heutigen und zukünftigen Rentner werden vermutlich durch eine Stagnation des Rentenniveaus oder eine Erhöhung der Sozialabgaben betroffen sein.
 
Die Belastungen, vor die uns die demografische Entwicklung stellt, können nur getragen werden, wenn sie auf viele Schultern verteilt werden. Bei all den Diskussionen über Beitragssätze, Rente mit 67 oder später und sonstige materielle Aspekte einer Rentenreform darf außerdem nicht vergessen werden, dass Rentenpolitik nur Hand in Hand mit einer entsprechenden Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik gehen kann. Auf lange Sicht – aber nicht auf die lange Bank geschoben – kann sie außerdem nur auf der Basis einer innovativen und schlagkräftigen Familienpolitik Bestand haben.

Katharina Frosch


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