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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Gesundheitspolitik und Demografischer Wandel

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Heute erreichen rund die Hälfte aller Frauen und rund ein Viertel aller Männer das 85. Lebensjahr, vor 100 Jahren waren es nur 5 Prozent der Frauen und 3 Prozent der Männer. Diese Erfolgsgeschichte scheint allerdings mit hohen Kosten insbesondere durch die Behandlung von Multimorbidität verbunden. Die Kostenexplosion im Gesundheitswesen wird daher häufig auf die demografische Entwicklung zurückgeführt. Für das Jahr 2020 werden Beitragssätze der gesetzlichen Krankenversicherung bis zu 20 Prozent erwartet, die dann bis zum Jahr 2050 je nach Szenario auf Werte zwischen 23 und 40 Prozent ansteigen.

Allerdings führt die demografische Entwicklung, für sich genommen, zu einer weitaus moderateren Erhöhung der Beitragssätze. Die Differenz lässt sich dem medizinischen Fortschritt zuschreiben, der immer bessere, aber eben auch immer teurere Behandlungen eröffnet. Hier besteht ein Handlungsspielraum für gesundheitspolitische Maßnahmen, dessen Ausnutzung allerdings weit reichende Entscheidungen über Angebot oder Rationierung bestimmter medizinischer Leistungen (z.B. der intensivmedizinischen Betreuung Hochbetagter) mit sich bringt.

Die Zahl der Pflegebedürftigen dürfte sich nach aktuellen Prognosen bis zum Jahr 2050 fast verdoppeln. Heute werden mehr als zwei Drittel aller Pflegebedürftigen zu Hause versorgt; selbst von den relativ stark Pflegebedürftigen im Alter von über 85 Jahren sind es noch rund 60 Prozent. Es bleibt zu sehen, ob Pflege in Zukunft stärker in Heimen stattfindet, weil jüngere Familienangehörige immer weniger als informelle Pfleger zur Verfügung stehen. Gesundheitspolitischer Handlungsbedarf besteht hier bei der institutionellen Ausgestaltung des Pflegeangebotes sowie bei der Sicherstellung einer ausreichenden Kapazität und Finanzierung; dies unter Gesichtspunkten der Effizienz, der sozialen Gerechtigkeit und der Nachhaltigkeit angesichts des Demografischen Wandels.

 

Michael Kuhn


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