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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Generationengerechtigkeit

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Unter Generationengerechtigkeit ist die „gerechte“ Aufteilung der Lasten und Gewinne einer Gesellschaft unter ihren verschiedenen Altersgenerationen zu verstehen. Die zentrale Idee ist, dass eine Generation nicht „auf Kosten“ der anderen leben und wirtschaften soll. Dabei kann es sich um materielle Güter (z.B. finanzielle Mittel) aber auch andere Werte wie etwa eine saubere Umwelt handeln. So wurde in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Diskussion um Generationengerechtigkeit von der Überlegung geprägt, ein stärkeres ökologisches Bewusstsein in der Gesellschaft zu etablieren, damit nachkommende Generationen eine möglichst intakte Umwelt vorfinden. Der Begriff der Generationengerechtigkeit ist somit stark mit jenem der Nachhaltigkeit verbunden.

 

Der Demografische Wandel verändert das zahlenmäßige Verhältnis der verschiedenen Altersgruppen und Generationen in Deutschland erheblich. Aufgrund der steigenden Lebenserwartung wird die Gruppe der älteren Menschen größer, während die Anzahl an Kindern und – in der Folge – Personen mittleren Alters zurückgeht. Wie wird sich die veränderte Altersstruktur der deutschen Gesellschaft auf die Beziehungen zwischen den Generationen auswirken?

 

In der aktuellen Debatte um Generationengerechtigkeit geht es vor allem um die Nachhaltigkeit der sozialen Sicherungssysteme, die in Deutschland immer noch hauptsächlich als Umlagesysteme konzipiert sind, sowie die hohe Verschuldung des Landes. Zum einen wird argumentiert, dass beispielsweise das Rentensystem über Gebühr die jüngeren Generationen belastet: das relativ hohe Niveau der Bezüge einer immer größer werdenden Anzahl von Rentnern kann nur auf Kosten immer weiter steigender Rentenbeiträge erbracht werden. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass diejenigen, die heute einzahlen, in Zukunft immer weniger aus dem System erhalten werden, wenn sie selber in Ruhestand gehen. Aufgrund geringerer Staatseinnahmen wegen hoher Arbeitslosigkeit und schwachen Wirtschaftswachstums steigt zudem die (Neu-)Verschuldung des Landes, für die die nachfolgenden Generationen aufzukommen haben werden.

 

Auf den ersten Blick scheint es gerecht, eine Kürzung der Renten vorzuschlagen, um die Lasten der heute Erwerbstätigen sowie der zukünftigen Generationen zu senken. Manche gehen sogar soweit und möchten die solidarische Finanzierung teurer medizinischer Leistungen für Menschen ab einem gewissen Alter einschränken oder ganz streichen. Gegen den ersten Vorschlag könnte der Einwand erhoben werden, dass die meisten der heutigen Rentner ihren Beitrag zum Erhalt der Systeme geleistet haben, und das in zweierlei Hinsicht: Sie haben mit ihren Kindern für nachfolgende Beitragszahler gesorgt und gleichzeitig in die Systeme Beiträge einbezahlt. Im Hinblick auf den zweiten Vorschlag ergibt sich eine Reihe von ethischen Fragen, etwa inwieweit solche Maßnahmen die Menschenwürde Hochaltriger verletzen würde. Diese beiden kurzen Beispiele machen deutlich, wie kompliziert und vielschichtig das Thema Generationengerechtigkeit ist.

Harald Wilkoszewski


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