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Weltweit sind Wissenschaftler dem Geheimnis eines immer längeren Lebens auf der Spur. Bekannt ist: Ein gesunder Lebensstil, Zugang zu guten hygienischen und medizinischen Bedingungen oder eine ausgewogene Ernährung beeinflussen die Lebensspanne positiv. Demografen erfahren dies aus Studien der Lebenserwartungen und Sterberisiken der Population Mensch. Biologen beobachten die Population der Zellen und deren Interaktion. Trotz der ungleichen Perspektiven sind Demografen und Biologen aber auf der Suche nach Antworten auf ähnliche Fragen: Was ist altern? Was beeinflusst die Langlebigkeit? Und kann der Mensch ewig leben und altern? Wenn Zellen graue Haare kriegen – Die Erforschung des biologischen Alterns braucht einen neuen Denkansatz – und noch viel Zeit
Vortrag von Olaf Wolkenhauer
Der Mensch lebt heute länger als jemals zuvor. Doch warum lebt er so lange? Und was passiert in einem alternden und immer älter werdenden menschlichen Körper, seinen Organen, seinen Zellen?
Einige Wissenschaftler glauben, die Antwort darauf in bestimmten „Methusalemgenen“ zu finden – der falsche Ansatz! Denn der menschliche Körper ist mehr: Er ist eine sehr große und dabei sehr organisierte Population von in Raum und Zeit interagierenden Zellen, die koordiniert ihre Funktion als Teil eines Ganzen realisieren. Will der Mensch das Altern verstehen, muss er die Dynamik und Regulation zellulärer Prozesse verstehen. Das biologische Altern – viel Wissen und noch mehr Nichtwissen
Jeden Tag sind unser Körper, unsere Gewebe und Zellen massivem Stress und Zerfall ausgesetzt: Beispielsweise verursacht die Sonneneinstrahlung täglich Mutationen in den Hautzellen, die repariert werden müssen, um das Gewebe gesund zu halten. Aber nicht nur die DNA muss vor Fehlern geschützt werden, die Gewebe unseres Körpers werden durch Stammzellen regeneriert. Ein beeindruckendes Beispiel ist der Dickdarm, dessen Schleimhaut sich etwa einmal pro Woche erneuert, da täglich chemotoxische Stressoren die inneren Darmzellen zerstören oder angreifen. Altern hängt somit von der Funktionsfähigkeit einzelner Zellen ab, aber auch von der Regenerationsfähigkeit großer Zellverbünde die Gewebe bilden.
Unser Wissen über Zellen gleicht einer Revolution und dennoch ist es nur die Spitze des Eisbergs. Im Unbekannten – unter der Oberfläche – liegen noch immer unentdeckt die Regeln und Gesetzmäßigkeiten mit denen zelluläre Prozesse reguliert werden. Komplexität erkennen und verstehen Publikationen von und mit Olaf Wolkenhauer
Wolkenhauer, O., Fell, D., De Meyts, P., Bluthgen,N., Herzel, H., Le Novere, N., Hofer, T., Schurrle, K., van Leeuwen, I. (2009): Advancing systems biology for medical applications. IET Syst. Biol., Vol 3 (3):131–136.
Wolkenhauer, O., Shibata, D., Mesarovic, M.D. (2011): A stem cell niche dominance theorem. BMC Syst. Biol. 5:4.
Wolkenhauer, O., Wellstead, P., Cho, K.H .(eds.) (2008): Systems Biology. Portland Press (Essays in Biochemistry Series).
Wolkenhauer, O., Hofmeyr, J.H. (2007): An abstract cell model that demonstrates the self-organisation of cell function in living systems. Journal of Theoretical Biology 246.
Wolkenhauer, O. (2007): Engineering Approaches: What can we learn from it in systems biology?. European Science Foundation Forward Look Report, Systems Biology: A Grand Challenge for Europe: 19-21.
Demografie der Langlebigkeit
Vortrag von James W. Vaupel
Gegen das Altern ist kein Kraut gewachsen. Doch weiß man heute: Das Altern ist nicht unveränderlich. Die Lebenserwartung steigt immer weiter an. Seit 170 Jahren nimmt sie pro Jahr um circa drei Monate zu, das heißt, wir gewinnen pro Tag sechs Stunden Lebenszeit – und ein Ende des Anstiegs ist nicht in Sicht. Weltweit führen die japanischen Frauen seit ungefähr einem Jahrzehnt die Rekordliste der Lebenserwartung an. Heute beträgt diese etwas mehr als 86 Jahre.
Altern ist beeinflussbar
Die verbleibende Lebenszeit nach dem 80. Geburtstag steigt also immer weiter und die Ursache liegt vor allem darin, dass dieses hohe Alter in einem besseren Gesundheitszustand erreicht wird. Während ab dem Jugendalter die Sterbewahrscheinlichkeit mit jedem Lebensjahr zunimmt, ist in den Altersjahren über 110 eine Besonderheit zu beobachten: Die Wahrscheinlichkeit zu Sterben liegt durchgängig auf einem gleich bleibend hohem Niveau von 50 Prozent, steigt jedoch mit dem Alter nicht weiter an. Immer mehr Hochaltrige
Im Großen und im Kleinen forschen
Die Entwicklung von blutplättchengroßen Nanobots, die unbegrenzt durch den menschlichen Körper auf die Reise geschickt werden können, wird außerdem von großem Nutzen sein, um den Alterungsprozess besser zu verstehen. Zudem kann der Mensch von anderen Spezies, wie beispielsweise der nicht alternden Hydra, einem Süßwasserpolypen, lernen. Dies alles verlangt viele kleinteilige Forschungsanstrengungen, bis in die kleinste Ebene der Zellen. Welche Fortschritte bereits erreicht wurden, sieht man jedoch am besten, wenn man mit Abstand, über die Ebenen der Zelle, der Gewebe und des Individuums auf die Population Mensch blickt und die Gewinne an Lebensjahren betrachtet.
Publikationen von und mit James W. Vaupel
Christensen, K., Vaupel, J.W. (2011): Genetic factors and adult mortality. In: International handbook of adult mortality. In: International handbook of adult mortality, (Eds.) R. G. Rogers, R.G., Crimmins, E.M.. Springer, Dordrecht [et al.]: 399-410 (International handbooks of population; 2).
Maier, H., Gampe, J., Vaupel, J.W. (2011): Auf der Suche nach dem modernen Methusalem: neues Wissen über Sterblichkeit im Alter über 110. Demografische Forschung Aus Erster Hand 8(1), 1-2.
Vaupel, J. W. (2010): Biodemography of human ageing. Nature 464(7288): 536-542.
Christensen, K., Doblhammer, G., Rau, R., Vaupel, J.W. (2009): Ageing populations: the challenges ahead. Lancet 374, 9696, 1196-1208.
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