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Es gibt im Leben nur wenige Ereignisse, die den Lebensverlauf so stark verändern können, wie die Geburt eines Kindes. Doch unverhofft kommt oft: Jede dritte Schwangerschaft, die in Deutschland ausgetragen wird, ist ungeplant. Zudem unterscheiden sich Frauen je nach Alter, Bildungsstand oder auch regionaler Herkunft darin, wie bewusst sie die Familienplanung angehen.
Michaela Kreyenfeld und Marei Rieback nutzen in ihrer Studie Daten des Sozio-Oekonomischen Panels (SOEP), um mehr über die Hintergründe ungeplanter Elternschaften zu erfahren. Sie werteten die Befragungen von 1039 Frauen aus, die zwischen 2003 und 2006 Nachwuchs bekommen haben.
Die Ergebnisse zeigen, dass insbesondere junge Frauen einen hohen Anteil ungeplanter Geburten aufweisen: So wurden drei Viertel der 16- bis 19-Jährigen ungeplant Mutter, bei den 20- bis 24-Jährigen sind es noch knapp die Hälfte (Abbildung 1). Eine noch nicht abgeschlossene Ausbildungsphase und weniger gefestigte Beziehungen werden als Gründe für den eigentlich noch nicht vorhandenen Kinderwunsch angeführt. Bemerkenswert ist der mit 40 Prozent relativ hohe Anteil ungeplanter Geburten bei Frauen im Alter 40+ - dies ist möglicherweise auch dadurch bedingt, dass Frauen in diesem Alter seltener auf sichere Verhütungsmethoden zurückgreifen.
Die Mehrheit der Paare in Deutschland wünscht sich zwei Kinder. So haben die meisten Eltern ihre Familienplanung nach dem zweiten Kind gedanklich abgeschlossen. In diesem Zusammenhang ist es nicht verwunderlich, dass die Wahrscheinlichkeit einer ungeplanten Geburt beim dritten und jedem weiteren Kind steigt. In Zahlen heißt dies: Bei knapp 70 Prozent der Befragten folgte die Geburt des vierten und fünften Kindes keiner konkreten Planung.
Weiterhin lassen sich je nach Bildungsniveau Unterschiede ausmachen. Die Anteile ungeplanter Geburten sinken mit zunehmender Bildung. Es ist davon auszugehen, dass gut qualifizierte Frauen, die beruflich eine weitergehende Karriere anstreben, die Familienplanung seltener dem Zufall überlassen, da ein Kind sie in einer möglichen Aufsteiger-Phase aus dem Arbeitsmarkt herauslösen könnte.
Auf den ersten Blick ergeben sich auch für Ost- und Westdeutschland erhebliche Unterschiede: Während 47 Prozent der Frauen aus den neuen Ländern von einer ungeplanten Schwangerschaft berichten, wurden nur 29 Prozent der westdeutschen Frauen von diesem Ereignis überrascht. Die Wissenschaftlerinnen führen dies auf regionalspezifische Familienbildungsmuster zurück: Die Mehrheit der Frauen aus den alten Bundesländern heiratet und beginnt dann mit der Familiengründung. Ostdeutsche Frauen sind bei der Geburt größtenteils noch ledig. Letzteres kann eine eher lose Beziehung zum Partner implizieren, die seltener mit einem realen Kinderwunsch verbunden ist. Wird hingegen die Familienplanung verheirateter ost- und westdeutscher Frauen verglichen, reduzieren sich die beschriebenen Abweichungen.
Haben ungeplante Geburten für die Mutter oder für das Kind langfristige Konsequenzen? Eine im Allgemeinen schlechtere physische und mentale Anfangsphase der Schwangerschaft bei Frauen ohne konkreten Kinderwunsch könnte durch das empfundene Glück nach der Geburt aufgehoben werden, so erste Erkenntnisse der Studie. Nach den Berichten der Mütter lassen sich auch für die weitere Kindsentwicklung keine eindeutigen Unterschiede zwischen geplantem und ungeplantem Nachwuchs ausmachen. hs Autoren: Marei Rieback, Michaela Kreyenfeld Quelle: Rieback, M., Kreyenfeld, M. (2009): Ungeplantes Glück. Deutsche Hebammenzeitschrift 9: 72-74. |
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