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Fertilität in Zeiten des Umbruchs – der bulgarische Weg

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Vor den gesellschaftlichen und politischen Umbrüchen 1989 war das Geburtenver-halten in Bulgarien durch eine hohe Stabilität geprägt: Die jungen Paare bekamen früh ihre Kinder, lebten überwiegend in einer ehelich verbundenen Zwei-Kind-Familie und nicht eheliche Geburten waren selten. Die zusammengefasste Geburtenziffer (engl. total fertility rate, TFR) lag nahe dem Bestands-erhaltungsniveau. Die politische Instabilität und ökonomische Krise lösten jedoch eine Trendwende in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens aus: Das Geburtenverhalten und die sozialen Bindungen waren von den Unsicherheiten stark beeinflusst, wie ein Studie des MPIDF zeigt.

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Seit Mitte der 80er Jahre schrumpft die bulgarische Bevölkerung: Dies ist in geringerem Ausmaß auf Abwanderung, zu einem sehr viel größeren Teil auf eine sinkende Fertilität zurückzuführen. Die TFR der bulgarischen Frauen ist mit Beginn des Transformationsprozesses stark abgefallen. Das niedrigste Niveau erreichte sie 1997 zur Zeit der Hyperinflation mit 1,09 Kindern pro Frau. Seit 2002 ist wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen.

 

Viele junge Frauen bekamen ihre Kinder nicht – insbesondere das zweite Kind blieb aus - und das vorherrschende Muster der Zwei-Kind-Familie brach ein. Die Wissenschaftler des MPIDF vermuten, dass die jungen Paare die Geburt ihres ersten Kindes zeitlich nach hinten verschoben, in der Hoffnung auf sicherere Zeiten, und das zweite Kind gar nicht mehr eingeplant wurde. Dabei fällt auf, dass in 2003 mehr als 90 Prozent der Frauen vor Beendigung ihrer reproduktiven Phase ein Kind hatten: Freiwillige Kinderlosigkeit ist in Bulgarien somit noch immer ein seltenes Phänomen – auch wenn sie in den letzten Jahren geringfügig gestiegen ist. Allerdings bleibt es oft bei nur einem Kind.

Gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter bei Geburt: Bis zum Beginn der 90er Jahre lag es um 22 Jahre. In 2003 bekamen die Frauen ihre Kinder im Durchschnitt mit 24,3 Jahren. Da dies im Vergleich zu anderen Staaten immer noch ein sehr niedriges Alter ist, erwarten die Wissenschaftler einen weiteren Anstieg. Heute gilt: Je jünger die Kohorten, umso höher liegt das durchschnittliche Gebäralter und desto geringer ist die allgemeine Fertilität. Ob die jüngeren Kohorten die Geburten nachholen w

Seit Mitte der 80er Jahre schrumpft die bulgarische Bevölkerung: Dies ist in geringerem Ausmaß auf Abwanderung, zu einem sehr viel größeren Teil auf eine sinkende Fertilität zurückzuführen. Die TFR der bulgarischen Frauen ist mit Beginn des Transformationsprozesses stark abgefallen. Das niedrigste Niveau erreichte sie 1997 zur Zeit der Hyperinflation mit 1,09 Kindern pro Frau. Seit 2002 ist wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen.

 

Viele junge Frauen bekamen ihre Kinder nicht – insbesondere das zweite Kind blieb aus - und das vorherrschende Muster der Zwei-Kind-Familie brach ein. Die Wissenschaftler des MPIDF vermuten, dass die jungen Paare die Geburt ihres ersten Kindes zeitlich nach hinten verschoben, in der Hoffnung auf sicherere Zeiten, und das zweite Kind gar nicht mehr eingeplant wurde. Dabei fällt auf, dass in 2003 mehr als 90 Prozent der Frauen vor Beendigung ihrer reproduktiven Phase ein Kind hatten: Freiwillige Kinderlosigkeit ist in Bulgarien somit noch immer ein seltenes Phänomen – auch wenn sie in den letzten Jahren geringfügig gestiegen ist. Allerdings bleibt es oft bei nur einem Kind.

Gleichzeitig stieg das Durchschnittsalter bei Geburt: Bis zum Beginn der 90er Jahre lag es um 22 Jahre. In 2003 bekamen die Frauen ihre Kinder im Durchschnitt mit 24,3 Jahren. Da dies im Vergleich zu anderen Staaten immer noch ein sehr niedriges Alter ist, erwarten die Wissenschaftler einen weiteren Anstieg. Heute gilt: Je jünger die Kohorten, umso höher liegt das durchschnittliche Gebäralter und desto geringer ist die allgemeine Fertilität. Ob die jüngeren Kohorten die Geburten nachholen erden, kann heute noch nicht gesagt werden – dieser Tempoeffekt könnte die heutige zusammengefasste Geburtenziffer jedoch stark nach unten verzerren und sich später durch ein Nachholen der Geburten positiv auswirken.

Nach Einsetzen der Transformation sind die Zahlen der nicht ehelichen Geburten relativ zu ehelichen Geburten gewachsen. Dies geht mit dem Auftreten einer neuen Lebensform einher: Nicht eheliche Lebensgemeinschaften wurden von den jungen Menschen – überwiegend in den Städten – als neue Form des Zusammenlebens entdeckt. Es wird erwartet, dass diese partnerschaftliche Lebensform neben der Ehe in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen wird.

Junge, sehr gut ausgebildete Bulgarinnen sind heute jedoch größtenteils verheiratet. Der Grund ist ein rein ökonomisch-rationaler: Diese Frauen verfügen über gute Zukunftsperspektiven und sind auf dem Heiratsmarkt attraktiver als geringer gebildete Frauen. Geringer gebildete Frauen leben eher in weniger bindenden Lebensgemeinschaften. Auch das Geburtenverhalten scheint nicht unabhängig vom Bildungsstand der Frauen zu sein: Seit 1990 steigt die Zahl der Frauen mit einer akademischen Ausbildung an. Viele von ihnen weisen eine geringere Wahrscheinlichkeit auf ein erstes Kind zu bekommen als Frauen ohne akademischen Hintergrund. Zugleich bekommen sie ihre Kinder später und auch die Abstände zwischen dem ersten und zweiten Kind sind bei höher gebildeten Frauen angewachsen. Dies spricht für eine vorsichtigere Familienplanung und Abwägung.

Heute wird die Familienplanung vermehrt durch den Einsatz von Verhütungsmitteln gewährleistet als früher - insbesondere bei jungen Frauen in urbanen Gegenden. Über Jahrzehnte bildete, trotz staatlicher Restriktionen ab den 70er Jahren, der Schwangerschaftsabbruch das am häufigsten eingesetzte Mittel zur Kontrolle der Familiengröße: Im Jahr 2000 lag die Schwangerschaftsabbruchquote in Bulgarien erstmalig unter der Lebendgeborenenquote. Die Wissenschaftler erwarten jedoch eine weitere Reduktion der Schwangerschaftsabbruchszahlen und ein stärkeres Durchsetzen von Kontrazeptiva.

Die gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen haben sich in Bulgarien langsamer durchgesetzt als in anderen Transformationsstaaten, daher erwarten die Wissenschaftler, trotz einer gewissen Verbesserung und Stabilisierung der Lebensumstände, eine Fortsetzung der beschriebenen Trends in den nächsten Jahren. Neue Werte und Normen haben sich etabliert, die ökonomischen Rahmenbedingungen haben sich verbessert und auf dieser Grundlage werden auch die zukünftigen familienpolitischen Instrumente fußen: Wie diese Entwicklungen auf das Geburtenverhalten wirken werden, ist nicht vorauszusagen. Die Wissenschaftler vermuten dennoch, dass die jungen Menschen ihre Entscheidung für oder gegen ein Kind insbesondere auf dem Potential qualitativer Lebensumstände aufbauen werden.

js


Autoren: Elena Koytcheva, Dimiter Philipov


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