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Bis 2006 lag der Anteil der Männer an allen Personen, die Erziehungsgeld empfangen haben, deutschlandweit bei maximal drei Prozent. Esther Geisler und Michaela Kreyenfeld vom MPIDF sind diesem Phänomen nun in einer Studie nachgegangen. Die Frage, ob es eher ökonomische oder kulturelle Faktoren sind, die die Betreuungsentscheidung von Männern beeinflussen, stand dabei im Mittelpunkt. Es zeigte sich, dass Männer eher Elternzeit nehmen, wenn ihre Partnerinnen einen höheren Bildungsgrad aufweisen oder älter sind als sie selbst. Auch ökonomische Unsicherheitsfaktoren scheinen auf die Entscheidung für oder gegen eine Elternzeit zu wirken.
Vor Einführung des Elterngeldes haben sich die deutschen Männer bei der Betreuung ihrer neugeborenen Kinder eher zurückgehalten. Wissenschaftlerinnen des MPIDF haben nun in einer Studie erforscht, welche Gründe hinter der Zurückhaltung der 18- bis 45-jährigen Männer zwischen 1999 und 2005 vermutet werden können.
Dabei stehen zwei wissen-schaftliche Hypothesen im Raum, die die Beteiligung der Männer an der Elternzeit zu begründen versuchen. Die Ressourcenhypothese fragt, wie relative ökonomische Ressourcen, wie das Bildungsverhältnis zwischen den Partnern und die Rahmenbedingungen der Erwerbsarbeit, die Entscheidung von Männern, eine Elternzeit zu nehmen, beeinflussen. Vor dem Hintergrund ökonomischer Anreizwirkungen wird davon ausgegangen, dass Männer, die geringere Ressourcen als ihre Partnerinnen aufweisen – gemessenen in Bildungsniveau oder Alter – wahrscheinlicher in Elternzeit gehen als Männer, die älter oder höher gebildet sind als ihre Partnerinnen.
Nach der Wertewandelhypothese sind normative Verhaltensweisen, die in der Gesellschaft die Aufgaben von Männern und Frauen definieren, maßgeblich für die Entscheidung von Männern, eine Auszeit von der Erwerbsarbeit zugunsten der Betreuung ihrer Kleinkinder zu nehmen. Entsprechend dieser Hypothese wird vermutet, dass höher gebildete Väter, die in urbanen Gebieten wohnen und in nichtehelichen Partnerschaften leben, als Vorreiter für eine neue Idee der elterlichen Arbeitsteilung gelten könnten. Denn diese zeigen in früheren empirischen Studien eine größere Offenheit für eine egalitäre Aufgabenteilung zwischen den Geschlechtern. Die Ergebnisse der MPIDF-Studie bestätigen die Hypothese der relativen Ressourcen und zeigen, dass Männer mit geringerem Bildungsniveau und Väter, die jünger sind als ihre Partnerinnen, eher Elternzeit nehmen als Männer, die älter sind als ihre Partnerinnen oder eine höhere Ausbildung vorweisen. Gestützt wird die ökonomische These weiterhin dadurch, dass auch die Erwerbssituation, in der sich die jungen Väter befinden, bedeutsam für die Inanspruchnahme von Elternzeit ist: Sowohl Männer, die im öffentlichen Sektor tätig sind als auch Männer, deren Anstellung auf einem zeitlich unbefristeten Vertrag beruht, zeigen eine höhere Neigung zur Elternzeitaufnahme. Die ökonomische Sicherheit ist daher, so die Wissenschaftlerinnen, ein dominierender Anreizfaktor bei der Betreuungsentscheidung. Für oder gegen die Hypothese des Wertewandels konnten anhand der Daten in dieser Studie keine eindeutigen Erkenntnisse gewonnen werden. Jedoch kann – wie vermutet – bestätigt werden, dass Väter, die in urbanen Räumen wohnen, und dass Männer, die in nichtehelichen Partnerschaften leben, die Erwerbsarbeit zugunsten der Betreuung ihrer Kleinkinder zu einer höheren Wahrscheinlichkeit aufgeben. Mit der Einführung des Elterngeldes in 2007 wurde den Männern die Entscheidung für eine Elternzeit erleichtert. Zum einen wurden die so genannten Vätermonate eingeführt. Zum anderen sind die Elterngeldbeträge für Hochverdiener stark angestiegen. Diese neuen ökonomischen Rahmenbedingungen könnten zukünftig dazu führen, dass hoch gebildete Männer ihre tatsächlichen Einstellungen zur Rollenverteilung von Männern und Frauen faktisch leben können und stärker an der Elternzeit beteiligt sind als bisher, so die Wissenschaftlerinnen. Autoren: Esther Geisler, Michaela Kreyenfeld |
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