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Makroökonomische Rahmenbedingen der ersten Lebenswochen wirken auf den Gesundheitsstatus und die Sterblichkeit bis ins hohe Alter. Menschen, die in Rezessionsjahren geboren wurden, tragen ein höheres Risiko, an Herz-Kreislauf-Erkankungen zu sterben. Das fanden Wissenschaftler des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) und des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels heraus. Ursachen könnten in der Ernährung und der medizinhygienischen Versorgung zu Beginn des Lebens liegen. Eine Fülle von Studien gibt Hinweise darauf, dass sozioökonomische Bedingungen die Gesundheit und Lebenserwartung eines Menschen stark beeinflussen. Aber inwieweit können auch schon wirtschaftliche Rahmenbedingungen in den ersten Lebenswochen die Aussicht auf ein langes, gesundes Leben prägen? Und welche konkreten Faktoren sind dafür maßgeblich? Diesen Fragen ging eine Forschergruppe um den IZA-Direktor van den Berg nach, indem sie sehr gut dokumentierte Daten zu Todesursachen von dänischen Zwillingspaaren auswerteten, die um das Jahr 1900 geboren wurden. Die Ergebnisse zeigen: Menschen, die in Rezessionszeiten geboren wurden, sterben früher als diejenigen, die unter besseren wirtschaftlichen Bedingungen zur Welt kamen. Für Menschen die ein Alter von mindestens 40 Jahren erreichen, kann gezeigt werden: Die Lebenserwartung von in Krisenzeiten Geborenen ist um etwa 11 Monate kürzer als bei denen, die in wirtschaftlichen Boomzeiten das Licht der Welt erblickten. In einem substantiellen Ausmaß ist dieser Effekt auf ein erhöhtes Risiko, tödliche Herz-Kreislauferkrankungen zu erleiden, zurückzuführen: Die Wahrscheinlichkeit an diesen Krankheiten zu sterben, ist für die in Rezessionsjahren Geborenen um 12 Prozent erhöht. Bei der krebsbedingten Sterblichkeit war eine derartige Spätwirkung nicht auszumachen. Auffällig ist zudem, dass sich der Unterschied in der Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen erst in hohem Alter bemerkbar macht (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Sterblichkeit aufgrund von Herz-Kreislauferkrankungen in Abhängigkeit vom Konjunkturverlauf (Bandbreite 3 Jahre)
Die Untersuchung der Daten von Zwillingen ließ einen weiteren Zusammenhang sichtbar werden: Zwillinge, die in wirtschaftlich schlechten Zeiten geboren wurden, zeigten auffällige Ähnlichkeiten im Gesundheitszustand. Die Wissenschaftler schließen daraus, dass genetische Faktoren sowie extern beeinflussende Faktoren bei den in ökonomisch schlechten Zeiten Geborenen stärker wirken als individualspezifische Faktoren. Menschen, die in Boomzeiten geboren wurden, konnten ihre individuellen Gesundheitscharakteristika besser gegen die Krankheiten einsetzen. Insbesondere die Kombination aus unzureichender Ernährung und einer fehlenden medizinischen Infrastruktur in den ersten Lebenswochen sehen die Wissenschaftler als ursächlich für den Zusammenhang zwischen den ökonomischen Bedingungen am Start des Lebens und dem erhöhten Risiko, im Alter früher an Herz oder Kreislauferkrankungen zu sterben: Sofern gute hygienische und gesundheitliche Bedingungen zum Zeitpunkt der Geburt gegeben sind, fällt das Einkommen eines Haushalts für diesen Langzeiteffekt nicht so stark ins Gewicht. Gleichzeitig vermuten die Wissenschaftler, dass aber der Stress, dem ein Elternpaar in Rezessionszeiten ausgesetzt sein kann, auf die Kinder übertragen wird und somit das Sterberisiko erhöht ist. Heute, ein Jahrhundert später, ist für fast alle Menschen in der westlichen Welt der Zugang zu medizinischen Einrichtungen und einem hohen Maß an Hygiene vom ersten Atemzug an gewährleistet. Dennoch lassen sich politikrelevante Schlussfolgerungen aus den Ergebnissen der Studie ziehen. Denn Risikofaktoren wie eine ungesunde Ernährung oder eine mangelnde medizinische Versorgung im frühen Kindesalter können ein erhöhtes Sterberisiko durch Herz-Kreislauf-Krankheiten bewirken. Um dem vorzugreifen, sollte in Rezessionszeiten ein besonderes Augenmerk auf die Ernährung und medizinische Versorgung im Kindesalter gelegt werden. Autoren: Gerard J. van den Berg, Gabriele Doblhammer-Reiter, Kaare Christensen Quelle: Van den Berg, Gerard J., Doblhammer-Reiter, Gabriele, Christensen, Kaare (2008): Being born under adverse economic conditions leads to a higher cardiovascular mortality rate later in life – evidence based on individuals born at different stages of the business cycle, IZA Discussion Paper No. 3635, Bonn: August 2008.
Van den Berg, Gerard J., Doblhammer-Reiter, Gabriele, Christensen, Kaare (2008): Exogenous determinants of early-life conditions, and mortality later in life. MPIDF Working Paper, Rostock: April 2008.
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