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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Alterung und Schrumpfung in Mecklenburg-Vorpommern – eine Bevölkerungsprognose des Rostocker Zentrums bis 2030

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Viele Menschen haben in der Vergangenheit das strukturarme Bundesland Mecklenburg-Vorpommern verlassen. Wissenschaftler des Rostocker Zentrums prognostizieren, dass sich dieser Trend auch zukünftig fortsetzen wird. Während einige Städte dieser Entwicklung voraussichtlich positiv entgegenwirken können, zeigen die Prognoseergebnisse, dass vor allem einige Landkreise stark schrumpfen werden. In den meisten Regionen geht damit entsprechend den Ergebnissen eine starke Alterung einher. Politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger müssen frühzeitig Strategien entwickeln um diese Entwicklungen vor Ort auffangen zu können.

Schon in naher Zukunft wird laut Prognose die Bevölkerung in Mecklenburg-Vorpommern stark schrumpfen. Bis 2012 ist ein jährlicher Rückgang zwischen 0,7 und 0,8 Prozent anzunehmen, wie in Abbildung 1 zu sehen. In den darauf folgenden Jahren wird sich dieser Trend voraussichtlich wandeln: Der Bevölkerungsverlust nimmt stark ab, kehrt sich aber nie zu einem Bevölkerungsgewinn um. Die geringere Schrumpfung lässt sich durch zwei Faktoren erklären. Zum einen ist sie den Annahmen der Prognose geschuldet, bei der die Wissenschaftler davon ausgehen, dass die Zahl der Menschen, die in ein anderes Bundesland abwandern, bis 2020 um 50 Prozent schrumpft, während die Zuzüge aus Deutschland annahmegemäß nur um 10 Prozent abnehmen. Außerdem wird der Rückgang der Abwanderungen zwischen 2013 und 2015 durch die Zusammensetzung der Population in dieser Periode verursacht: In diesen Jahren kommen die geburtenschwachen Jahrgänge der 90er Jahre ins wanderungsfähige Alter: Die potentiellen Abwanderer bilden zahlenmäßig eine kleine Gruppe, demzufolge fallen auch die Fortzüge aus Mecklenburg-Vorpommern sehr gering aus.
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Abbildung 1: Bevölkerungsverlust in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 2005 und 2030, Quelle: Prognose Rostocker Zentrum
Für die Periode 2018 bis 2025 zeigt die Prognose einen erneuten Anstieg des Bevölkerungsverlustes, der durch die hohe Zahl der Sterbefälle in den Baby-Boom-Kohorten hervorgerufen wird: Die geburtenstarken Jahrgänge erreichen ein Alter, in dem die Sterbewahrscheinlichkeit hohe Werte annimmt. Dies führt dazu, dass das Geburtendefizit für das gesamte Bundesland stark ansteigt.
In den kreisfreien Städten und Landkreisen des Landes werden über den gesamten Prognosezeitraum hinweg gewichtige Unterschiede in der Bevölkerungsentwicklung ersichtlich: In vier kreisfreien Städten kehrt sich laut Prognose der noch 2005 existierende Schrumpfungsprozess in einen Wachstumsprozess um: Rostock und Greifswald verzeichnen danach bereits 2020 einen positiven Wanderungssaldo und weisen 2030 eine gestiegene Bevölkerung auf. In Stralsund und Wismar setzt die positive Entwicklung etwas später ein. Die beiden Städte können nach einem anfänglichen Verlust an Einwohnern in 2030 den ungefähren Stand von 2005 wieder erreichen. Zwischen 2015 und 2030 könnten entsprechend den Vorausberechnungen alle vier Städte eine positive Bevölkerungsentwicklung aufweisen (siehe Abbildung 2b). In der Landeshauptstadt setzt sich der Schrumpfungsprozess fort (siehe Abbildung 2a), wird aber zum Ende des Prognosezeitraums leicht abgeschwächt. Für die Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg zeigen die Prognoseergebnisse bis 2030 den größten Verlust an Stadtpopulation, auch wenn dieser Verlust bis  2030 etwas geringer ausfällt, als noch bis 2015.
Ursächlich für die Unterschiede zwischen den Städten sind die heterogenen Alterstrukturen und der unterschiedliche Bevölkerungsgewinn durch Migration. Die Universitätsstädte Greifswald und Rostock locken Studenten an, die die Städte immer wieder verjüngen und auch auffüllen.  Die Städte sind Anziehungspunkte für Menschen auf der Suche nach Erwerbsarbeit. Sie bieten einen hohen Anreiz für Personen aller Altersklassen, aus den Landkreisen in die heimatnächste Stadt zu ziehen, um dort den Lebensunterhalt zu verdienen, ohne weit weg vom gewohnten Umfeld leben zu müssen.
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Abbildung 2a: 2005 bis 2015, Quelle: Prognose: Rostocker Zentrum
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Abbildung 2b: 2015 - 2030 Quelle: Prognose: Rostocker Zentrum
Insbesondere die Arbeitsmarktsituation führt dazu, dass die Bevölkerungsentwicklung in den Landkreisen wesentlich negativer verläuft als in den Städten. Die Landkreise verlieren bis 2030 einen großen Teil ihrer Bevölkerung, auch wenn der Einwohnerverlust nach 2015 etwas moderater ausfällt. Die größte relative Abnahme wird im Landkreis Uecker-Randow mit -29,9 Prozent erwartet. Hier macht sich das ungleiche Verhältnis zwischen Frauen und Männern bemerkbar: Zu Beginn des Prognosezeitraums gab es im gesamten Bundesland in der Altersgruppe 25 bis 35 Jahre ein Übergewicht an Männern, dass sich bis ins Jahr 2030 in höhere Altersgruppen verschieben wird. Die fehlenden Geburten aufgrund abgewanderter junger Frauen zeigen sich dann in 2030 in einer geringen Anzahl junger Einwohner. Demgegenüber steht Bad Doberan als einziger Landkreis, für den ein Wachstum an Einwohnern prognostiziert (+12,1 Prozent) werden kann, wie Abbildung 2b zeigt. Die Nähe zu Rostock und somit zu Arbeitsplätzen, wird einen positiven Wanderungssaldo für diesen Landkreis begründen können. Auch andere Landkreise könnten durch die geografisch nahe Lage zu Großstädten profitieren: Ostvorpommern von Greifswald, Ludwigslust von Hamburg oder der Müritzkreis von Berlin. Jedoch reichen die Effekte der Großstädte den Prognosen zufolge nicht aus, um auch in diesen Landkreisen ein Bevölkerungswachstum zu bewirken.
Trotz der schon prognostizierten positiven Wanderungssalden für gesamt Mecklenburg-Vorpommern ab 2015, die auch positiv auf die Landkreise wirken, wird die Population der Landkreise (Ausnahme: Bad Doberan) nicht wachsen: Das im Prognosezeitraum ansteigende Geburtendefizit kann durch den Überschuss der Zuzüge, entsprechend den Annahmen, nicht annähernd ausgeglichen werden.
Neben der Schrumpfung wird auch die Alterung vor Mecklenburg-Vorpommern nicht Halt machen. Die Wissenschaftler kommen in ihren Prognosen zu dem Ergebnis, dass das Durchschnittsalter Mecklenburg-Vorpommerns zwischen 2005 und 2030 für Männer um 8,8 Jahre und für Frauen um 7,6 Jahre ansteigen wird. In 2030 werden die Mecklenburger und Vorpommern demnach durchschnittlich 51,5 Jahre alt sein. 2005 waren es noch 43,2 Jahre.
Der Anteil der 0- bis 14-Jährigen an der Gesamtbevölkerung zeigt im Prognosezeitraum einen konstanten Verlauf, während der Anteil der 15- bis 49-Jährigen kontinuierlich abschmilzt (siehe Abbildung 3). Letzteres bedeutet: Personen, die potentiell Kinder zur Welt bringen können, gehören zu einer immer kleiner werdenden Bevölkerungsgruppe, so dass auch die 0- bis 14-Jährigen zahlenmäßig an Gewicht verlieren werden.
Bei der älteren Bevölkerung weisen die Prognosen einen entgegengesetzten Trend auf: Sowohl die Anzahl der jungen Alten (50+), der Senioren (65+) als auch der Hochbetagten (80+) wächst absolut und auch relativ über den gesamten Prognosezeitraum an. Während die Anteile der jungen Alten bis 2030 um 17 Prozent und der der Senioren um 16 Prozent zunehmen, verdoppelt sich der Anteil der Hochbetagten von 4 auf 10 Prozent. Für die zukünftig benötigte Infrastruktur und die medizinischen Versorgungskapazitäten sind diese Projektionen ein Hinweis auf nötige Veränderungspotenziale und Anpassungsaktivitäten.
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Abbildung 3: Entwicklung der Anteile der Altersgruppen an der Gesamtbevölkerung in MV in Prozent, Quelle: Prognose Rostocker Zentrum
Wie die prognostizierten Bevölkerungszahlen der Städte im Vergleich zur Gesamtentwicklung des Bundeslandes positivere Werte aufweisen, so stellen sich auch das Durchschnittsalter und die Anzahl der Personen im mittleren Alter in Zukunft positiver dar, besonders in Greifswald und Rostock. Ab 2013/2014 setzt im gesamten Bundesland ein Wandel ein: die Zuwanderungen dominieren die Abwanderungen. Dies hat zur Folge, dass das Durchschnittsalter nicht mehr weiter ansteigt, für Greifswald kann sogar ein fallender Trend angenommen werden, da der Anteil der Studenten an der Bevölkerung in dieser Stadt besonders hoch ist. Das Durchschnittsalter aller Städte liegt am Ende des Prognosezeitraums unter dem Landesdurchschnittsalter von 51,5 Jahren in 2030 und ist im Vergleich zu 2005 um 4,5 Jahre auf 47,9 angestiegen.
Der Seniorenanteil unterschreitet im Verlauf des Prognosezeitraums in allen Städten außer Neubrandenburg den durchschnittlichen Anteil der Senioren im gesamten Bundesland (siehe Abbildung 4a). In Neubrandenburg schrumpft die Zahl der Einwohner um 10,5 Prozent, während der Seniorenanteil um 18,1 Prozent wächst: Die absolute Anzahl der Senioren steigt damit um 77,2 auf 36,5 Prozent. Den geringsten Anteil an Senioren weisen in 2030 Rostock (28,2 Prozent) und Greifswald (25,4 Prozent) auf.
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Abbildung 4a: Entwicklung der absoluten und relativen Werte von Senioren- und Hochbetagten in ausgewählten Städten, Quelle: Prognose: Rostocker Zentrum
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Abbildung 4b: Entwicklung der absoluten und relativen Werte von Senioren- und Hochbetagten in ausgewählten Städten, Quelle: Prognose: Rostocker Zentrum
Wesentlich deutlicher als der Anteil der Senioren steigt in der Prognose der Anteil der Hochbetagten bis 2030, wie Abbildung 4b zeigt. Um 2025 setzt der Anstieg kurz aus: Zu diesem Zeitpunkt kommen die geburtenschwachen Jahrgänge des zweiten Weltkrieges in die hohen Alterstufen. In den darauf folgenden Jahren steigt der Anteil wieder, da die Baby-Boom-Kohorten der 50er und 60er Jahre in die hohen Alter kommen. Dies führt dazu, dass gleichzeitig auch ein Anstieg der absoluten Zahl von Personen über 79 Jahren in den Städten prognostiziert wird.
Die Landkreise müssen sich nach der Prognose noch verstärkt auf eine Alterung ihrer Einwohnerschaft einstellen: Das Durchschnittsalter aller Landkreise steigt demnach um 10,5 Jahre (Städte +4,5 Jahre), dabei nimmt Nordvorpommern mit 56,9 Jahren in 2030 die Spitzenreiterrolle ein und Bad Doberan behält mit einem Durchschnittsalter von 51,1 Jahren die Außenseiterrolle inne.
Zugleich wird die Zahl der Senioren relativ anwachsen wie in Abbildung 5a zu sehen ist. Bad Doberan kann sich auf den geringsten anteiligen Zuwachs an Senioren einstellen (+18,1 Prozent), während jedoch der absolute Zuwachs an über 64-Jährigen in diesem Landkreis sehr hoch ausfallen wird. Im Jahr 2030 weisen alle Landkreise außer Bad Doberan und dem Müritzkreis höhere Seniorenanteile auf als das gesamte Bundesland.
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Abbildung 5a: Entwicklung des Anteils der Senioren in den Landkreisen zwischen 2005 und 2030
Stetig wird die Zahl der Hochbetagten bis 2020 zunehmen, wie in Abbildung 5b für ausgewählte Landkreise zu erkennen ist. In den darauf folgenden Jahren kommt es zu einem Einbruch des Anstiegs. Auch hier werden die geburtenschwachen und –starken Jahrgänge aus der Mitte des letzten Jahrhunderts die Bevölkerungsalterung den Prognosen zufolge stark mitbestimmen.
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Abbildung 5b: Entwicklung des Anteils der Hochbetagten in den Landkreisen zwischen 2005 und 2030

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Autoren: Rembrandt Scholz, Felix Rößger, Daniel Kreft, Juliane Steinberg, Gabriele Doblhammer-Reiter


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