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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Wie lange leben Rentner? Und wie lange Pensionäre? – Die Antwort gibt das Lebensarbeitseinkommen

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Menschen verfügen über verschiedene Bildungsabschlüsse, arbeiten und verdienen in ihrem Leben unterschiedlich viel und erhalten bei Eintritt ins Rentenalter daran gemessene Altersbezüge. Je höher diese ausfallen, desto mehr verbleibende Lebensjahre haben 65-jährige Rentner und Pensionäre zudem zu erwarten. Pensionäre leben jedoch im Durchschnitt noch ein paar Jahre länger als Rentenbezieher. In den vergangenen Jahren ist die Lebenserwartung für beide Bevölkerungsgruppen parallel gestiegen – von einer Reduzierung gesundheitlicher und sozialer Ungleichheiten bei der Lebenserwartung kann somit nicht gesprochen werden.

Die schulische und berufliche Bildung, die Lebensführung, der Gesundheitszustand sowie die Höhe von Gehalt und Arbeitslohn sind Faktoren, die das Gesamteinkommen eines Menschen über dessen Lebensarbeitszeit bestimmen. Dieses Lebensarbeitseinkommen wiederum beeinflusst die Höhe der Rente oder der Pensionszahlungen im Alter. Gleichzeitig stehen diese Faktoren im Zusammenhang mit der Anzahl der Lebensjahre, die ein Mensch zu erwarten hat, wie Wissenschaftler des Rostocker Zentrums und des Forschungsdatenzentrums der Rentenversicherung in der vorliegenden Studie vergleichend für Rentner und Pensionäre berechneten.

Schon frühere Untersuchungen zeigten, dass die Höhe der Rente - als Indikator für das Lebensarbeitseinkommen - mit der Lebenserwartung im Zusammenhang steht: Je höher die Bezüge, umso länger leben die Rentner. Die neue Studie erfasst nun mit Rentnern und Pensionären erstmals nahezu alle in Deutschland lebenden über 64-jährigen Männer. Zu den Rentnern werden alle in ihrem Erwerbsleben überwiegend sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gezählt, deren Lebensarbeitseinkommen an den über die Lebensarbeitszeit gesammelten persönlichen Entgeltpunkten gemessen wird. Grundlage der Berechnungen sind die Daten der Deutschen Rentenversicherung, die über ihr Forschungsdatenzentrum verfügbar sind. Zu den Pensionären gehören ehemalige Beamte, Berufssoldaten, Richter und Dienstordnungsangestellte, die ein Ruhegehalt auf Basis des letzten Grundgehalts erhalten und deren Lebensarbeitseinkommen unmittelbar von der gewählten Laufbahn (einfache, mittlere, gehobene, höhere) mitbestimmt wird. Die Daten basieren auf Sonderauswertungen des Statistischen Bundesamtes über das Personal und die Versorgungsempfänger des öffentlichen Dienstes.

Im Durchschnitt leben Pensionäre zwei Jahre länger: Wie in Abbildung 1 dargestellt, beläuft sich ihre fernere Lebenserwartung im Alter 65 auf 17,8 Jahre, während die der Rentner 15,8 Jahre beträgt. Als Ursache vermuten die Wissenschaftler einen Selektionseffekt: Vor der Verbeamtung wird ein obligatorischer Gesundheitstest durchgeführt, so dass eine Auswahl der Gesünderen stattfindet. Zudem trägt die Arbeitsplatzsicherheit vermutlich dazu bei, dass sich Verbeamtete nicht mit existenziellen Problemen auseinandersetzen müssen. Sie können im Alltag anderen Aspekten, wie einer gesunden Lebensführung, mehr Gewicht beimessen und erhöhen damit ihre Lebenserwartung.

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Abbildung 1: Durchschnittliche Lebenserwartung von Rentnern und Pensionären in Deutschland, Quelle: Himmelreicher et al. (2008)

Innerhalb beider Gruppen leben die besser Verdienenden länger: Die Lebenserwartung von Pensionären der einfachen Laufbahn liegt bei 15,8 Jahren. Jene, die auf ein Arbeitsleben in der höheren Laufbahn zurückblicken, können hingegen mit 65 Jahren noch durchschnittlich 19,6, also etwa vier zusätzliche, Lebensjahre erwarten (siehe Abbildung 1). Zwischen der höchsten und der niedrigsten Entgeltpunkteklasse der Rentner beträgt der Unterschied in der Lebenserwartung im Vergleich nur drei Jahre.
Dies ist für die Wissenschaftler ein Indiz dafür, dass insbesondere Laufbahngruppen in sich homogen sind. Beamte einer bestimmten Laufbahn verfügen über einen sehr ähnlichen Ausbildungsgrad und sozialen Status und grenzen sich gegenüber anderen Laufbahnen ab. So sind Beamte im höheren Dienst vornehmlich Akademiker und in ihrer Tätigkeit besonders geringen physischen Belastungen ausgesetzt. Rentner mit einer vergleichbaren Anzahl an Entgeltpunkten können aber verschiedene Arbeits- und Lebensstile praktiziert haben: Rentner mit niedrigen Bezügen waren in ihrem Erwerbsleben oft in körperlich belastenden sowie von Arbeitslosigkeit bedrohten Berufen tätig. Eine kleine Rente bezieht aber auch, wer zwar kaum sozialversicherungspflichtig beschäftigt war, gleichzeitig aber den Hauptteil seines Erwerbslebens als Selbständiger oder Freiberufler gearbeitet, privat vorgesorgt sowie einen gehobenen und gesunden Lebensstil geführt hat. Diese heterogene Zusammensetzung der Rentnerpopulation führt dazu, dass Unterschiede in der Lebenserwartung zwischen Niedrig- und Höchstrentenbeziehern weniger ausgeprägt sind.

In den Jahren von 1999 bis 2003 ist die Lebenserwartung insgesamt gestiegen: Für Pensionäre aller Laufbahnen um zweieinhalb, für Rentner aller Entgeltpunkteklassen um drei Monate. Die Unterschiede zwischen den Gruppen blieben jedoch konstant. Eine Reduzierung der gesundheitlichen oder sozialen Ungleichheit in der Lebenserwartung ist somit nicht zu beobachten. Für diese Ungleichheit muss ein öffentliches Problembewusstsein erwachsen, so dass konkrete und umfassende politische Strategien erdacht werden.
js


Autoren: Ralf K. Himmelreicher, Daniela Sewöster, Rembrandt Scholz, Anne Schulz


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