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Späte Mutterschaft in Schweden – Entwicklungen seit Ende des 19. Jahrhunderts

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Über 40-jährige Frauen, die Mutter werden, sind heutzutage in den westlichen Industriestaaten keine Seltenheit. Dieses Phänomen ist jedoch nicht neu. Wissenschaftler des MPIDF können anhand von Lebensereignisdaten zeigen, dass in Schweden auch schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schwangerschaft von Frauen in höheren Altern Normalität war. Verändert hat sich jedoch, wie viele Kinder die Frauen vor einer solchen Spätgeburt bereits haben und welche Höchstalter bei Geburt erreicht werden.
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Im Jahr 1900 lag in Schweden der Anteil der Geburten von Frauen im Alter 40 Jahre und älter an den gesamten Geburten bei 11,6 Prozent. Dieser Anteil sank bis in die zweite Hälfte der 1970er Jahre jedoch ab. Das Minimum erreichten die Geburtenziffern 1977, als nur noch 0,9 Prozent der Kinder von 40- jährigen und älteren Frauen auf die Welt gebracht wurden. Eine Trendwende setzte in den 1980er Jahren ein. Der Anteil der Spätgeburten wuchs langsam, aber stetig wieder an, so dass 2005 3,4 Prozent der Mütter von Neugeborenen älter als 39 Jahre alt waren.

Späte Mutterschaft war auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts offensichtlich keine Ausnahme, doch das zugrunde liegende Geburtenverhalten weist bedeutende Unterschiede auf. So bekamen über 40-Jährige um die Jahrhundertwende häufig bereits ihr neuntes oder zehntes Kind. Dass die Geburtenzahlen bei älteren Müttern im Anschluss zurückgegangen sind, erklärt sich insbesondere durch den einsetzenden Trend zu einer niedrigeren durchschnittlichen Kinderzahl.
Den erneuten, mäßigen Anstieg in den vergangenen Jahrzehnten erklären die Wissenschaftler damit, dass Frauen eine Geburt aus persönlichen Gründen, wie zum Beispiel das berufliche Weiterkommen oder die finanzielle Absicherung, zeitlich nach hinten verschieben. So bringen Frauen heutzutage ihr erstes oder zweites Kind mit langsam wachsendem Trend erst mit 40 Jahren und älter zur Welt. Diese allgemeine Beobachtung konnten die Wissenschaftler auch in den schwedischen Ergebnissen wieder finden: Die Erstgeburten bei 40- und 41-Jährigen haben sich seit Ende der 1970er Jahre bis 2000 mehr als verdoppelt, befinden sich damit aber trotzdem noch auf einem sehr geringen Niveau. In 2005 waren 50 Prozent der Geburten von Frauen zwischen 40 und 44 Jahren Erst- oder Zweitgeburten, in den 1960er Jahren waren es nur 37 Prozent.
Für Frauen im Alter 45 und älter blieben die Erstgeburtsraten hingegen fast unverändert sehr gering. Nach Meinung der Wissenschaftler ist dies entweder dadurch zu erklären, dass sie sich endgültig gegen Kinder entschieden haben oder dass die biologischen Grenzen eine Schwangerschaft ohne den Einsatz von Reproduktionstechnologien unmöglich machen.
Denn mit steigendem Alter nimmt die Wahrscheinlichkeit einer Unfruchtbarkeit zu. Schon ab dem 30. Lebensjahr sinkt die Fruchtbarkeit einer Frau. Lange Wartezeiten bis zu einer eintretenden Schwangerschaft sowie eine steigende Unsicherheit, ob das Kind gesund zur Welt kommt, müssen in Kauf genommen werden. Die Daten der schwedischen Frauen zeigen, dass ein Kinderwunsch nach dem 51. Geburtstag einer Frau nur noch unter Zuhilfenahme von Reproduktionstechnologien erfüllt werden konnte. So können die Altersgrenzen teilweise überwunden werden.
Die schwedischen Daten zum Höchstalter von Müttern bei Geburt sprechen dafür, dass diese Altersgrenzen auf neue Extremwerte zusteuern. Während das Höchstalter im ersten Drittel des Jahrhunderts im Fünfjahresdurchschnitt um die 51 Jahre schwankte, sank es bis in die späten 1970er Jahre zusammen mit der Anzahl der Spätgeburten ab. Anfang der 1980er setzte auch hier eine Kehrtwende ein und das Höchstalter pendelte sich im Durchschnitt wieder bei 51 Jahren ein. In den vergangenen 15 Jahren gab es jedoch zwei Geburten, bei denen die Mütter bereits im Alter von 57 Jahren waren.
Im Zeitraum von 1986 bis 2000 bekamen vier über 52-jährige Frauen ein Kind. Diese Konstellation gab es zwischen 1900 und 1986 nur zweimal, obwohl Geburten bei älteren Frauen zu Beginn des letzten Jahrhunderts insgesamt viel häufiger registriert wurden.
js

Autoren: Francesco C. Billari, Hans-Peter Kohler, Gunnar Andersson, Hans Lundström
Quelle: Billari, Francesco C.; Kohler, Hans-Peter; Andersson, Gunnar; Lundström, Hans (2007): Approaching the limit: long-term trends in late and very late fertility, Population and Development Review, 33:1 (March 2007).

Billari, Francesco C.; Kohler, Hans-Peter; Andersson, Gunnar; Lundström, Hans (2007): Pushing the limit: long-term trends in late fertility in Sweden. MPIDR Working Paper WP-2007-004.

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