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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Ungleiche Lebenserwartung innerhalb Deutschlands - Geschlecht und soziale Herkunft sind noch immer von Bedeutung

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Seit 100 Jahren steigt die Lebenserwartung in Deutschland stetig an. Doch die Sterblichkeit im Land ist ungleichmäßig verteilt: So leben Frauen trotz zunehmender Angleichung zwischen den Geschlechtern nach wie vor länger als Männer. Sozioökonomische Faktoren können die Lebenserwartung ebenfalls bestimmen. Hingegen gleichen sich die Ost-West-Unterschiede in der Sterblichkeit seit der Wiedervereinigung wieder an.

Derzeit leben Frauen insgesamt durchschnittlich knapp 5,5 Jahre länger als Männer. Männer haben bei Geburt eine Lebenserwartung von rund 76,6 Jahren, Frauen leben hingegen im Durchschnitt 82,1 Jahre. Diese Differenz verringert sich kontinuierlich seit Anfang der 1980er Jahre. Zu diesem Zeitpunkt betrug der Unterschied noch etwa sieben Jahre zugunsten der Frauen. Einzelne Alterstufen tragen in unterschiedlicher Weise zum Gesamtunterschied in der Sterblichkeit zwischen den Geschlechtern bei (Abbildung 1). So hat die Gruppe der 60- bis 80-Jährigen von allen Altersgruppen den höchsten Anteil: Seit 1970 macht ihr Beitrag mit insgesamt rund drei Altersjahren etwa die Hälfte der gesamten männlichen Übersterblichkeit aus. Dafür, dass Männer deutlich früher sterben, sind laut Meinung der Forscher vermutlich weniger biologische Faktoren ausschlaggebend, sondern vor allem eine ungesündere Lebensweise der Männer.

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Abb. 1: Frauen-Männer-Differenz in der durchschnittlichen Lebenserwartung bei Geburt und absoluter Beitrag der einzelnen Altersstufen zur Gesamtdifferenz (Werte in der rechten Skala größer 0 = höhere Lebenserwartung der Frauen in den entsprechenden Altersstufen), Westdeutschland 1950-2000
Quelle: Luy, Di Giulio 2005.
Die demografische Forschung beschäftigt sich ebenfalls mit regionalen Unterschieden in der Sterblichkeit. So entwickelte sich die Lebenserwartung in den seit Kriegsende geteilten deutschen Staaten seit den 1970er Jahren stark unterschiedlich: In der früheren BRD reduzierte sich die Sterblichkeit für beide Geschlechter wesentlich schneller als es in der DDR der Fall war. Dass die Überlebensbedingungen im Westen günstiger waren, wird hauptsächlich durch die unterschiedlichen sozialen und ökonomischen Bedingungen in den beiden Staaten erklärt. Seit der Wiedervereinigung 1990 glichen sich die Sterblichkeitsunterschiede zwischen den alten und den neuen Bundesländern, insbesondere aufgrund eines raschen Anstiegs der Lebenserwartung im Osten, jedoch wieder weitgehend an.
Größere Differenzen hinsichtlich der Sterblichkeit bestehen weiterhin zwischen sozialen Schichten. Schätzungen anhand von Daten des Lebenserwartungssurveys des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung zeigen, dass vor allem Männer mit niedriger beruflicher Stellung sowie geringem Einkommen und Bildungsstand eine kürzere Lebenserwartung haben als Personen mit hoher Berufs-, Einkommens- und Bildungsposition. Während nur 69,8 Prozent der 45-jährigen Arbeiter das gegenwärtig offizielle Renteneintrittsalter von 65 Jahren erleben, sind es bei den Beamten 86,2 Prozent. Der Unterschied in der durchschnittlichen Lebenserwartung zwischen diesen Berufsgruppen beträgt im Alter 45 rund sechs Jahre. Und 45-jährige männliche Personen mit Abitur leben durchschnittlich noch 32,3 Jahre, wohingegen Männer dieses Alters mit Hauptschul- oder keinem Schulabschluss noch eine restliche Lebenserwartung von 27,0 Jahren haben.

Die Ursachen, die zu sozioökonomischen Unterschieden in der Sterblichkeit führen, sind komplex. Ob eine gute Gesundheit eine bessere Ausbildung und damit auch ein höheres Einkommen ermöglicht, oder umgekehrt, eine allgemein schlechtere soziale Lage ursächlich zu einem schlechteren Gesundheitszustand und damit einer niedrigerer Lebenserwartung führt, ist beispielsweise umstritten. Zudem ist die Bedeutung unterschiedlicher Lebensverhältnisse, insbesondere hinsichtlich des Wohnorts, des Lebensstandards und der Arbeitsbedingungen, zu untersuchen.
Eine hohe Lebenserwartung, wie sie für die deutsche Bevölkerung insgesamt besteht, deutet grundsätzlich auf ein gut funktionierendes Gesundheitssystem im Land hin. Dass jedoch nicht alle Teile der Bevölkerung gleichermaßen davon profitieren, kann Folgen haben. So beeinflussen die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der Lebenserwartung das Geschlechterverhältnis der zukünftigen älteren Bevölkerung, und damit die Anzahl Alleinstehender oder mit Partner lebender älterer Personen. Und in welcher Lebenssituation sich die ältere Bevölkerung befindet, hat wiederum Auswirkungen darauf, wie Krankenversicherungen, Rentenzahlungen und Pflegedienstleistungen zukünftig in Anspruch genommen werden.
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Autor: Marc Luy

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