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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Schnelle Geburtenfolge in Schweden durch „Geschwindigkeitsprämie“ - aber nicht alle Eltern partizipieren gleichermaßen

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Ein besonderes Element der schwedischen Familienpolitik ist die so genannte „Speed-Premium“, die Geschwindigkeitsprämie. Diese familienpolitische Leistung soll Frauen vor Verlusten beim Elterngeldanspruch schützen, wenn sie aufgrund eines ersten Kindes bereits ihre Erwerbstätigkeit reduziert haben. Jedoch zeigt eine Studie des MPIDF, dass die nationale Herkunft der Mutter für die Nutzung der Prämie entscheidend ist.

Schwedische Eltern erhalten, wenn sie nach der Geburt eines Kindes Elternzeit nehmen, 80 Prozent des vor der Geburt verdienten Einkommens. Bei einem folgenden Geschwisterkind kann die Geschwindigkeitsprämie greifen: Wenn der Abstand zwischen den Geburten der Kinder 30 Monate nicht überschreitet, sieht diese Regelung vor, dass dem erziehenden Elternteil der gleiche Betrag an Elterngeld zusteht wie beim zuvor geborenen Kind. Begründet wird die Leistung damit, dass viele  schwedische Frauen nach der Elternzeit ihre Erwerbstätigkeit von Voll- auf Teilzeit reduzieren und in Folge beim nächsten Kind einen Nachteil beim Elterngeldbezug hinnehmen müssten.

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Nehmen alle Eltern in Schweden die Geschwindigkeitsprämie an und bekommen ihre Kinder in kürzeren Abständen? In einer Studie des MPIDF wurde nun untersucht, inwieweit die nationale Herkunft der Mutter und die Bildungsabschlüsse der Eltern einen Einfluss auf den Gebrauch der „Speed-Premium“ haben. Betrachtet wurde insbesondere der Zeitraum nach 1986, in dem das Geburtenintervall für den Leistungsanspruch von 24 auf 30 Monate erhöht und damit die Möglichkeit der Inanspruchnahme erleichtert wurde.

Unterschiede beim Bildungsgrad der Eltern, mit daraus folgenden Einkommensdifferenzen, könnten einen ungleichen Nutzungsgrad der „Speed-Premium“ vermuten lassen. Für in Schweden geborene Mütter und Väter zeigt sich jedoch, dass gering- und hochqualifizierte Eltern nach 1986 in gleichem Maße den Geburtenabstand bei ihren Kindern verringert haben und somit die Vorteile der Geschwindigkeitsprämie in Anspruch nehmen. Hier spiegelt sich, so schlussfolgern die Wissenschaftler, die Homogenität der schwedischen Gesellschaft wider.

Weniger einheitlich wird die Geschwindigkeitsprämie von Müttern mit unterschiedlicher nationaler Herkunft genutzt. Gebürtige schwedische Mütter sowie aus Island, Dänemark, Norwegen und Finnland immigrierte Frauen bringen zu einem großen Teil und in steigender Zahl ihre Kinder eher in geringen Abständen zur Welt. Besonders nach 1986 wurde eine Anpassung des Geburtenverhaltens beim zweiten sowie beim dritten Kind in beiden Bevölkerungsgruppen festgestellt.


Immigrantinnen aus nicht-skandinavischen Staaten folgen diesem Trend jedoch nicht: Sie haben ihre Geburtenabstände nicht nachweislich verringert. Verschiedene Erklärungsansätze, die aber alle auf ein gewisses Maß an sozialer Ungleichheit in Schweden hindeuten, sind nach Aussagen der Wissenschaftler möglich: Zum einen könnte es sein, dass diese Frauen von der Prämie kaum profitieren, da sie vor der ersten Geburt seltener oder nur teilweise einer Beschäftigung nachgehen. Zum anderen könnten Frauen nicht-nordischer Herkunft weniger bereit sein, ihr Geburtenverhalten an familienpolitische Maßnahmen des schwedischen Staates anzupassen. Nicht auszuschließen sei auch, dass diese Bevölkerungsgruppen bereits im Vorfeld weniger über die Geschwindigkeitsprämie informiert sind und sie deshalb kaum in ihre Familienplanung einbeziehen. Eine andere Studie zum Geburtenverhalten in Schweden zeigt hingegen, dass Immigrantinnen sich bereits an familienpolitische Rahmenbedingungen angepasst haben. So entscheiden sie sich – wie auch die einheimische Bevölkerung – eher für ein Kind, wenn sie einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

js


Autoren: Gunnar Andersson, Jan M. Hoem, Ann-Zofie Duvander



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