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Trotz der unterschiedlichen politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen, die in Polen und Österreich seit 1945 vorherrschten, weist das Geburtenverhalten in den beiden Staaten viele Ähnlichkeiten auf: Die Menschen in Polen und Österreich bekommen ihre Kinder lieber auf dem Land oder in kleineren Städten als in Großstädten. Bei Wohnortwechsel entscheiden sich Neuzugezogene vor allem im ländlichen Raum und in kleineren Städten eher für ein Kind als die dort Ansässigen. Menschen, die in Großstädte umziehen, verschieben die Familiengründung zeitlich nach hinten. Die Analyse von Hill Kulu vom MPIDF wertet Daten von Frauen aus, die zwischen Anfang der 1940er bis Mitte der 1970er Jahre geboren sind, und unterscheidet drei mögliche Wohnorte: den ländlichen Raum sowie kleine und größere Städte, letztere mit mehr als 100.000 Einwohnern. Das Geburtenverhalten ändert sich je nach Siedlungsgröße. Ansässige in urbanen Räumen, insbesondere in den großen Städten Polens und Österreichs, zeigen eine deutlich geringere Neigung für ein Kind als Landbewohner. Verschiedene Gründe könnten diese Beobachtung erklären. Zum einen ist vermutlich von Bedeutung, dass sich Art und Größe des Wohnraums unterscheiden: Stadtwohnungen bieten weniger Platz als die in ländlichen Gebieten weit verbreiteten Einfamilienhäuser. Zum anderen ist das Leben mit Kind in der Stadt teurer als auf dem Land, vor allem in Staaten mit einer freien Marktwirtschaft wie Österreich. Auch könnte das Empfinden, mit einem Kind auf andere Dinge im Leben verzichten zu müssen, bei Stadtmenschen ausgeprägter sein, da oftmals das Freizeitangebot und die beruflichen Möglichkeiten in urbanen Gebieten vielfältiger sind. Letztlich ist der Traditions- und Familiengedanke auf dem Land stärker ausgeprägt, und könnte somit zu einer vergleichsweise höheren Geburtenrate beitragen.
Die gesellschaftliche, politische und wirtschaftliche Entwicklung Polens und Österreichs verlief nach Ende des Zweiten Weltkriegs sehr unterschiedlich. Doch zeigen sich deutliche Parallelen beim Geburtenverhalten, auch im Zusammenhang eines Wohnortwechsels innerhalb der Landesgrenzen. Mit Ausnahme von Österreichern, die in die Großstadt ziehen, haben Binnen-wanderer in beiden Ländern in den ersten Jahren nach ihrem Umzug eine höhere Wahrscheinlichkeit, ein erstes Kind zu bekommen. Vor allem in ländlichen Räumen und kleinen urbanen Landstrichen bekommen die Zugewanderten mehr Kinder als die Ansässigen. Zu erklären ist diese Beobachtung vor allem damit, dass Menschen, die der Stadt den Rücken kehren und in ländliche Gebiete abwandern, eine Familie gründen wollen und für sich und die Kinder das ruhigere Leben auf dem Land bevorzugen.
Neben den Gemeinsamkeiten, die beide Bevölkerungen aufweisen, existieren auch Unterschiede im polnischen und österreichischen Geburtenverhalten. So ist in Polen die Wahrscheinlichkeit für ein zweites oder drittes Kind stärker durch die Siedlungsgröße beeinflusst als die für das erste Kind: Polnische Frauen bringen in ländlichen Gebieten mehr zweite und dritte Kinder auf die Welt als in Großstädten. Hingegen hängt in Österreich die Erstgeburtenrate wesentlich stärker von der Siedlungsgröße ab – die Wahrscheinlichkeit, ein erstes Kind zu bekommen, ist für Österreicherinnen in ländlichen Gebieten deutlich ausgeprägter als in größeren Städten.
Autoren: Hill Kulu Weitere Artikel zum Zusammenhang von Migration und Fertilität:
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