Warum arbeiten die Älteren in den USA immer mehr?
Dass immer mehr alte Menschen arbeiten, erklären Wirtschaftswissenschaftler mit einer Reihe von Gründen. Zunächst einmal besteht ein wachsender Bedarf an Arbeitskräften, da es der US-Wirtschaft seit 1985 generell besser geht als zuvor. Darüber hinaus hatten möglicherweise auch die Richtlinien und Leistungen des Sozialversicherungssystems einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Entwicklungen des Arbeitsmarktes. Durch die 1977 und 1983 erfolgten Zusätze zum US-amerikanischen Sozialversicherungsgesetz wurde das Mindestalter für die Vollrente ab dem Jahr 2000 in Schritten von 65 auf 67 Jahre heraufgesetzt und es wurden weitere Neuerungen eingeführt, die einen späteren Eintritt in den Ruhestand attraktiver machen. Zudem wurden die Beschränkungen der Beträge, die Arbeitnehmer nach Vollendung des 65. Lebensjahres bei gleichzeitigem Rentenbezug verdienen können, im Jahr 2000 abgeschafft (die Beobachtung, dass der Zuwachs der Vollzeitbeschäftigung bei Arbeitnehmern im Alter von 65 und älter größer ist als bei Arbeitnehmern im Alter zwischen 55 und 64, zeigt die Wirksamkeit dieser Gesetzesänderung auf).
Andere Gründe für den Trend sind:
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Durch den Age Discrimination Act von 1986 (Altersdiskriminierungsgesetz) wurde in den USA die Zwangspensionierung abgeschafft, so dass Arbeitnehmer länger erwerbstätig bleiben können.
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Mitte der 1980er Jahre traten die beitragsorientierten Rentenpläne (defined-contribution), die in erster Linie von den Arbeitnehmern selbst angelegt und verwaltet werden und Anreize für eine lange Erwerbstätigkeit bieten, nach und nach an die Stelle der leistungsorientierten Rentenpläne (defined-benefit), die in der Regel Anreize für eine frühzeitige Pensionierung bieten. Als Folge treten Arbeitnehmer mit beitragsorientierten Rentenplänen später in den Ruhestand ein als Arbeitnehmer mit leistungsorientierten Rentenplänen. Mittlerweile decken beitragsorientierte Rentenpläne die Altersversorgung für die große Mehrheit der Beschäftigten in den USA ab. Dies stellt gerade für Frauen, die eine höhere
Lebenserwartung haben als Männer, eine besonders große Belastung dar.
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Die öffentlichen Diskussionen über die gefährdete Liquidität des Sozialversicherungssystems und die weit verbreiteten Berichte über den Konkurs zahlreicher Körperschaften mit leistungsorientierten Rentenplänen in den 1980er und 1990er Jahren (insbesondere in der Stahlindustrie, bei Fluglinien und in der Autoindustrie) könnten zu einer allgemeinen Verunsicherung bezüglich der Rentenfonds geführt und zahlreiche Arbeitnehmer dazu veranlasst haben, lieber auf unbestimmte Zeit weiter in Vollzeit zu arbeiten.
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Der extrem schnelle Anstieg der Kosten im Gesundheitswesen hat zu einem Rückgang der Arbeitgeberbeiträge zur Rentenversicherung geführt. Dadurch ist ein zusätzlicher Anreiz für Arbeitnehmer entstanden, weiter Vollzeit zu arbeiten.
Was bedeutet es, wenn mehr Ältere einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen?
Die im vorhergehenden Abschnitt beschriebenen Veränderungen und Herausforderungen des amerikanischen Arbeitsmarktes werden wahrscheinlich zu einem weiteren Anstieg der Erwerbsquote und der Vollzeitbeschäftigung bei älteren Arbeitnehmern führen. Das genaue Ausmaß des Zugewinns ist allerdings schwer zu beurteilen.
Sicher ist jedoch, dass eine zunehmende Beteiligung älterer Menschen am Arbeitsmarkt das derzeit für die USA prognostizierten Schrumpfen der Gesamterwerbsbevölkerung abmildern würde. Das Wachstum der Erwerbsbevölkerung ist von einem Jahresdurchschnitt von 2,1 Prozent in den 1970er und 1980er Jahren auf ungefähr 1,2 Prozent zwischen 1990 und 2003 zurückgegangen. Bis zum Jahr 2014, wenn die geburtenschwachen die geburtenstarken Jahrgänge auf dem Arbeitsmarkt ablösen, wird ein weiterer Rückgang auf ein durchschnittliches Jahreswachstum von 0,9 Prozent vorausgesagt. Doch sollte der aktuelle Anstieg der Erwerbsquote und der Vollzeitbeschäftigung bei älteren Arbeitnehmern andauern, könnte der Rückgang der Zuwachsquote beim Erwerbspersonenpotential abschwächen.
Die Auswirkungen auf die Zahlungsfähigkeit des Sozialversicherungssystems sind eher ungewiss. Dadurch dass mehr alte Menschen erwerbstätig sind, fällt das Verhältnis von Beitragszahlern zu Leistungsempfängern grundsätzlich günstiger aus und der Zeitraum des Ruhestands nach der Erwerbstätigkeit wird verkürzt. Jedoch lassen die Daten darauf schließen, dass ältere Arbeitnehmer nicht erst bei ihrem endgültigen Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt Rentenleistungen aus dem Sozialversicherungssystem beziehen: das Durchschnittsalter beim erstmaligen Bezug von Rentenzahlungen aus dem Sozialversicherungssystem schwankt seit 1985 nur leicht im Bereich eines Werts von 63,5. Folglich scheint in den USA der Anstieg der Erwerbsquote und der Vollzeitbeschäftigung bei älteren Arbeitnehmern mit einer Zunahme an Leistungsempfängern, die gleichzeitig erwerbstätig sind, verbunden zu sein.
Insbesondere Arbeitnehmer nahe des Renteneintrittsalters sorgen sich, ob ihre Rentenbezüge ausreichen werden, um während des Ruhestands, der mehrere Jahrzehnte andauern kann, ihre Rechnungen bezahlen zu können —besonders für die medizinische Versorgung und gegebenenfalls für die Langzeitpflege. Als Reaktion auf diese Überlegungen raten viele Finanzberater dazu, den Eintritt in den Ruhestand zumindest um ein paar Jahre nach hinten zu verschieben. Der oben näher erläuterte Anstieg der Erwerbsquote und der Vollzeitbeschäftigung scheint darauf hinzudeuten, dass dieser Rat von immer mehr älteren Arbeitnehmern befolgt wird.