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Frauen verfügen in Deutschland über eine wesentlich geringere eigenständige Alterssicherung als Männer. Wie könnte die klaffende Rentenlücke zwischen Frauen und Männern in der Gesetzlichen Rentenversicherung verringert werden? Eine Analyse des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung zeigt, dass Reformalternativen aus Schweden und der Schweiz die Rentenlücke nicht schmälern können. Das Problem der niedrigen Renten von Frauen sollte vielmehr dort gelöst werden, wo es entsteht – am deutschen Arbeitsmarkt.
Die gesetzliche Rente hat in Deutschland weiterhin die größte Bedeutung für das Alterseinkommen – für Frauen gilt dies in noch stärkerem Maße als für Männer. Andererseits führen gerade bei Frauen längere Unterbrechungen der Erwerbstätigkeit sowie Phasen der Teilzeitarbeit oder der geringfügigen Beschäftigung zu niedrigen Renten. Frauen unterbrechen ihre Erwerbstätigkeit häufiger wegen der Geburt oder der Erziehung von Kindern und leisten mehr Pflege für hilfsbedürftige ältere Familienangehörige. Noch immer ziehen sich viele Frauen nach der Familiengründung aus dem Erwerbsleben zurück, auch unterstützt durch das Ehegattensplitting. Das wirkt sich nicht nur auf die Erwerbsbeteiligung der Frauen sondern wegen der Erwerbszentriertheit des deutschen Rentensystems auch auf ihre Alterssicherung aus. Der so genannte Eckrentner, der ununterbrochen 45 Jahre lang ein Durchschnittseinkommen bezogen sowie Rentenversicherungsbeiträge abgeführt hat und eine Rente von 1.074 Euro monatlich bezieht (2004), ist weder für Frauen in Ost- noch in Westdeutschland repräsentativ (s. Tab. 1): Ostdeutsche Frauen erhalten im Durchschnitt etwa 70 Prozent der Rente der Männer, westdeutsche sogar nur knapp 50 Prozent. In Zeiten, da einheitliche, ununterbrochene Erwerbsbiografien eher Ausnahmen sind, da die Frauenerwerbsquote steigt, die Familienformen sich pluralisieren und die Zahl der Alleinerziehenden wächst, hat die Frage der eigenständigen Alterssicherung der Frau an Bedeutung gewonnen.
Tab. 1: Mittelwerte der monatlichen Rentenzahlbeträge. (Quelle: Forschungsdatenzentrum der Deutschen Rentenversicherung, Rentenzugang 2003; eigene Berechnungen). Um zu untersuchen, inwiefern Reformen am Rentensystem die Situation von Rentnerinnen verbessern könnten, wurden die als vorbildlich geltenden schwedischen und schweizerischen Rentensysteme hinsichtlich ihrer Leistungen für Frauen mit dem deutschen System verglichen. Die Reformmaßnahmen wurden dabei für vier unterschiedliche Biografietypen simuliert, die Frauen der Jahrgänge 1936 bis 1940 charakterisieren. In dieser Altersgruppe weichen die Erwerbsbiografien ost- und westdeutscher Frauen stark voneinander ab. Die westdeutschen Frauen bilden eine heterogenere Gruppe, in der drei Biografieprofile hervorstechen: Erstens die familienorientierte Frau, die mit ihrem alleinverdienenden Ehemann eine konsequente Arbeitsteilung trifft und sich aus dem Erwerbsleben zurück zieht, zweitens die hinzuverdienende Frau, die in geringem Maße zum Familieneinkommen beiträgt und drittens die erwerbsorientierte Frau westdeutschen Typs. Letztere ist durchgängig erwerbstätig, tauscht jedoch nach der Geburt des ersten Kindes ihre Vollzeit- gegen eine Teilzeitbeschäftigung ein, um dann, wenn die Kinder älter sind, wieder Vollzeit zu arbeiten. Für ostdeutsche Frauen ist ein Biografietyp prägend: Die erwerbstätige Frau ostdeutschen Typs, die überwiegend in Vollzeit beschäftigt ist.
Abb. 1: Rentenzahlbeträge für Witwen der Erwerbsbiografietypen nach den Rentenmodellen aus Deutschland (D-real) und der Schweiz (CH-hypothetisch); eigene Berechnungen.
Keines der beiden Reformmodelle kann die eigenständige Alterssicherung der Frauen in Deutschland somit substanziell erhöhen und könnte eins zu eins übernommen werden. Reformstrategien müssen vielmehr maßgeschneidert für die deutsche Situation entworfen werden. Das deutsche System bietet innerhalb der finanzierbaren Möglichkeiten etwa mit der Anrechnung von Kindererziehungszeiten und der Hinterbliebenenrente bereits Ansätze, die Unterschiede in den Erwerbsverläufen von Frauen und Männern zu berücksichtigen und die eigenständige Alterssicherung von Frauen im Nachhinein zu erhöhen. Jede weitere Reform, die versucht, die Rentenlücke zu dem Zeitpunkt des Renteneintritts zu schließen, wird zwangsläufig kostspielig sein. Das Problem der geringen eigenständigen Alterssicherung von Frauen liegt vielmehr daran, dass sie deutlich weniger in die Rentenkasse einzahlen – die Erwerbstätigkeit von Frauen zu fördern wäre der wirkungsvollste Weg, um die niedrigen Renten der Frauen nachhaltig zu erhöhen. kgk Autoren: Anika Rasner Quelle: Rasner, Anika (2007) Wege aus der Rentenlücke in Deutschland. Demografische Forschung aus erster Hand 1/2007, Seite 3
Rasner, Anika (2006) Mind the gap! Einbeziehung internationaler Benchmarks bei der Beurteilung der geschlechtsspezifischen Rentenlücke in Deutschland. Deutsche Rentenversicherung 61:11-12, 737-754.
Rasner, Anika (2007) Das Konzept der geschlechtsspezifischen Rentenlücke. Deutsche Rentenversicherung, 62. |
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