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Bedarfsprognosen zeigen einen Anstieg häuslichen Pflegepotentials in Deutschland bis 2030
Die zunehmende Lebenserwartung der Menschen in den westlichen Industriestaaten stellt neue Herausforderungen an das derzeitige Pflegesystem. Das EU-Projekt FELICIE (Future Elderly LIving Conditions in Europe) berechnet Prognosen über die Zusammensetzung der zukünftigen pflegebedürftigen Bevölkerungsgruppen und diskutiert mögliche sozialpolitische Konsequenzen und Handlungsoptionen. Alter ist der größte Risikofaktor für Pflegebedürftigkeit. So steigt die Wahrscheinlichkeit pflegebedürftig zu werden mit dem Alter 80 rapide: Im Jahr 2003 waren in Deutschland 34 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen über 85 Jahre pflegebedürftig im Sinne von Leistungsbezügen aus der gesetzlichen Pflegeversicherung.
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Abb. 1: Prognostizierter Pflegebedarf in Deutschland bis 2030 nach zwei Pflegeszenarien
In Deutschland werden Pflegeleistungen häufig von der Familie übernommen. Im Jahr 2003 waren etwa zwei Millionen Personen (2,5 Prozent der Bevölkerung) pflegebedürftig, davon 68 Prozent Frauen. Daten des Mikrozensus zeigen, dass von den Pflegebedürftigen zwei Drittel zu Hause gepflegt wurden und nur ein Drittel in Institutionen. 69 Prozent der Pflegeleistungen für diejenigen, die zu Hause gepflegt werden, übernehmen ausschließlich Familienangehörige, 31 Prozent greifen zusätzlich auf Angebote mobiler Pflegedienste zurück.
Abb. 2: Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland nach Familienform in den Jahren 2000 und 2030
Künftige sozialpolitische Maßnahmen müssen darauf abzielen, die Familie bei der Pflege zu unterstützen. Generell wird zwischen Inzidenz und Intensität von Pflege unterschieden. Die Inzidenz reflektiert, ob Pflege angeboten wird, während die Intensität Aussagen über Dauer des Pflegeangebots macht. Die FELICIE-Prognosen zeigen, dass in Zukunft die Familie vermehrt als potenzieller Pflegegeber vorhanden sein wird. Der Fokus der Politik muss sich daher auf die Intensität der Pflege richten, zum Beispiel durch den Ausbau mobiler Pflegedienste. Erfahrungen in den skandinavischen Ländern zeigen, dass eine Inanspruchnahme eines Pflegedienstes die innerhalb der Familie erbrachten Pflegeleistungen nicht senkt, sondern im Gegenteil die Pflege in der Familie gestärkt wird. In Ländern hingegen, in denen die Familien eine sehr hohe Pflegeleistung (Intensität) erbringen, sinkt die Häufigkeit (Inzidenz) der Pflegeleistung durch Familien. Dies ist zum Beispiel in Südeuropa der Fall. Zusätzlich müssen Arbeitsmärkte flexibler gestaltet und Pflegeleistungen besser anerkannt und honoriert werden, indem beispielsweise Pflegeleistungen bei späteren Rentenansprüchen berücksichtigt werden. Ferner muss noch mehr Gewicht auf die Forschung in diesem Bereich gelegt werden, vor allem auf Menschen, die in Institutionen leben. Autoren: Gabriele Doblhammer, Christina Westphal und Uta Ziegler Quelle: Doblhammer G. (2006), Pflegende Angehörige brauchen mehr Unterstützung, DFAEH 4/2006.
Doblhammer G., Ziegler U. (2006), Future Elderly Living Conditions in Europe: Demographic Insights. In: Backes G. M., Lasch V., Reimann K. (eds.), Gender, Health and Ageing: European Perspectives. VS Verlag, Wiesbaden.
www.felicie.org. Weitere Artikel zur Lebenserwartung:
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