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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Steigt oder sinkt die Zahl der Arbeitslosen? –Arbeitsmarktsituation in Zeiten des Demografischen Wandels

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Beitrag zum Workshop „Arbeitsmarkt und Demografischer Wandel


Die Erwerbsbevölkerung vieler Industrienationen wird immer älter. Von Land zu Land unterschiedlich ist jedoch, wie sich die demografischen Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt auswirken. So werden Schweden und Spanien aufgrund des steigenden Anteils älterer Erwerbspersonen wahrscheinlich von einem Beschäftigungszuwachs profitieren können, in Frankreich und Japan hingegen führt die Alterung eher zu einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Der Demografische Wandel stellt den Arbeitsmarkt vor große Herausforderungen. Nicht nur die Gesamtbevölkerung, auch die Erwerbsbevölkerung– also die Personen, die eine Beschäftigung haben (Erwerbstätige) oder eine suchen (Arbeitslose) - altert. Bis in die 1980er Jahre noch wurde das Erwerbspersonenpotenzial eher jünger, auch weil die geburtenstarken Jahrgänge der 50er und 60er Jahre nach und nach ins erwerbsfähige Alter kamen. Seither sind junge Generationen aufgrund zurückgehender Geburtenzahlen zahlenmäßig immer schwächer besetzt, die Baby-Boomer kommen nach und nach in die Jahre und lassen den Anteil älterer Erwerbsfähiger anwachsen. Besonders auffällig ist diese Entwicklung in der Gruppe der Arbeitslosen (Abbildung 1).

Bild
Abb.1 – Verhältnis Arbeitsloser unter 40 Jahren zu Arbeitslosen über 40 Jahren in verschiedenen Industrienationen, Zeitraum 1978 bis 2004

Doch wie wird sich die Höhe der Arbeitslosigkeit entwickeln, wenn die Erwerbsbevölkerung weiter altert? Eine gemeinsame Arbeit der Universität Rostock und des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels hilft zu verstehen, welchen Einfluss der Demografische Wandel auf die Arbeitsmarktbilanz einzelner Länder haben wird.


Aus vielerlei Gründen spielt das Alter eines Arbeitnehmers für die Analyse der Beschäftigungssituation eine wichtige Rolle. Ältere und Jüngere verhalten sich auf dem Arbeitsmarkt anders, suchen beispielsweise unterschiedlich intensiv nach neuen Beschäftigungsmöglichkeiten. Auch sind sie unter Umständen nicht gleich produktiv, oder sie verursachen bei Unternehmen unterschiedliche Lohnkosten oder Ausgaben für Weiterbildungsmaßnahmen. Diese Faktoren können dazu führen, dass ältere oder jüngere Menschen häufiger den Job verlieren oder schwieriger eine neue Beschäftigung finden.


Zwei Fragen stehen bei der vorliegenden Studie im Vordergrund: Wie wirkt sich ein steigender Anteil Älterer auf die Bereitschaft der Unternehmen aus, neue Stellen zu schaffen? Und wie erfolgreich können Arbeitssuchende auf offene Stellen vermittelt werden?


Erwarten Unternehmen zum Beispiel, dass eine Stellenbesetzung mit einem älteren Beschäftigten weniger ertragreich ist, wird die Zahl der offenen Stellen bei einem alternden Arbeitskräftepotential zurückgehen. Auf der anderen Seite gelten ältere Beschäftigte als unternehmenstreuer: Erfolgreiche Verbindungen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden seltener gelöst. Wächst der Anteil älterer Erwerbsfähiger, geht die Zahl der Arbeitssuchenden auf dem Arbeitsmarkt zurück; eine Entwicklung, die bei der Arbeitsvermittlung durch positivere Statistiken zu Buche schlägt.

 
Veränderung in der Stellenvermittlung
Veränderung des Einstellungsverhaltens
geschätzter Gesamteffekt
Australien + + +
Deutschland + - -
Finnland - - -
Frankreich + + +
Japan + + +
Kanada - + -
Niederlande + - -
Norwegen + - 0
Portugal
+ + +
Schweden - - -
Spanien - - -
USA - + -

Tab.1 – Auswirkungen der Alterung auf die Arbeitslosigkeit. +, Anstieg der Arbeitslosigkeit; -, Rückgang der Arbeitslosigkeit; 0, keine Veränderung. Der geschätzte Gesamteffekt berechnet sich aus der Größe der Einzeleffekte.

 

Modellrechnungen zeigen, dass theoretisch sowohl ein Anstieg als auch ein Sinken der Arbeitslosigkeit möglich ist, wenn das Altern der Erwerbsbevölkerung weiter voranschreitet. Und tatsächlich finden sich auch beide Ergebnisse bei einem Vergleich von zwölf OECD Ländern (Tabelle 1): In Australien, Frankreich, Japan und Portugal ist mit einer Zunahme der Arbeitslosigkeit zu rechnen, weil sowohl weniger Stellen geschaffen werden als auch die Vermittlungseffizienz abnimmt. Im Gegensatz dazu wird in Finnland, Schweden und Spanien ein eindeutig positiver Effekt für die zu prognostizierte Beschäftigungsentwicklung erwartet. In den anderen untersuchten Ländern, wie beispielsweise in Deutschland, sind die Auswirkungen weniger eindeutig. Es bleibt eine kleine Hoffnung, dass eher ein Rückgang der Arbeitslosigkeit erfolgen wird.

ph


Autoren: Pascal Hetze und Carsten Ochsen

Quelle: Hetze, P. und Ochsen, C. (2005). How Aging of the Labor Force Affects Equilibrium Unemplyoment, Thünen-Reihe Angewandter Volkswirtschaftstheorie, working paper No: 57.

http://www.wiwi.uni-rostock.de/~geld/RePEc/pdf/wp57thuenen.pdf

Hetze, P. und Ochsen, C. (2006). Age Effects on Equilibrium Unemployment. Rostock Center – Discussion Paper n°1.


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