Artikel | Zahlen und Fakten | Studium und Schule | Veranstaltungen | Publikationen | Glossar |
 
Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Langlebige Eltern, langlebige Kinder?

Druckansicht

Zu den vielfältigen Faktoren, die unsere Chancen auf ein langes Leben beeinflussen, zählen auch genetische Anlagen. Kinder langlebiger Eltern wären demnach vermutlich im Vorteil. Tatsächlich lässt sich statistisch ein positiver Zusammenhang zwischen der Lebensspanne der Eltern und der physischen und psychischen Verfassung ihrer Nachkommen im fortgeschrittenen Alter nachweisen. Zu diesem Ergebnis kommt James Vaupel, Direktor des Rostocker MPIDF, gemeinsam mit Kollegen der Universitäten Odense (Dänemark) und Minnesota (USA) bei der Auswertung von Bevölkerungsdaten aus Dänemark.

Bild

Körperliche und geistige Funktionstüchtigkeit sind zentrale Voraussetzungen, um „erfolgreich“ zu altern. Neben unseren persönlichen Lebensumständen, z.B. Bildung, Einkommen, Sport- und Ernährungs- gewohnheiten, bestimmen möglicherweise auch genetische Faktoren mit darüber, wie fit wir mit 60, 70 oder 80 Jahren noch sind. Frühere Studien weisen bereits deutlich auf eine genetische Komponente bei verbreiteten Alterskrankheiten hin, etwa bei Diabetes, Darm- und Prostatakrebs sowie bei Herzgefäßerkrankungen.

 

Leben die Kinder langlebiger Eltern also länger? Im Hinblick auf diese Frage wertet die vorliegende Untersuchung Daten aus drei landesweiten, dänischen Bevölkerungsstudien aus. Für Teilnehmer aller drei Studien liegen neben Angaben über das Todesalter der Eltern auch zuverlässige Informationen über den physischen und kognitiven Funktionsgrad und bereits diagnostizierte Krankheiten vor. Die körperliche Fitness wird dabei anhand der Kraft des Handgriffs abgelesen (wissenschaftlich anerkanntes Maß für die allgemeine Muskelkraft), die kognitive Leistung leitet sich aus dem Abschneiden der Probanden bei vier Kurztests ab. Abhängig vom erreichten Alter der Eltern wurden die Teilnehmer in fünf Gruppen unterteilt (Eltern bei Tod jünger als 54 Jahre, zwischen 55 und 64, 65 und 74, 75 und 85 sowie über 85 Jahre). Da in der jüngsten Gruppe der Tod häufig durch Unfälle und Selbsttötungen verursacht war, schieden diese Probanden aus, die anderen Gruppen wurden im Hinblick auf ihren körperlichen und geistigen Zustand verglichen.


Fazit: Ein positiver, wenn auch schwacher Zusammenhang zwischen der Lebensspanne der Eltern und der körperlichen und geistigen Funktionstüchtigkeit der Kinder im fortgeschrittenen Alter besteht offenbar. Nachzuweisen ist er allerdings lediglich für die mittlere Altersgruppe (Durchschnittsalter Mitte 70). In jüngeren Altersklassen sind altersbedingte Unterschiede in der Fitness möglicherweise noch nicht ausgeprägt genug, um den schwachen genetischen Einfluss nachzuweisen. In Gruppen, die bereits erfolgreich ein sehr hohes Alter erreicht haben (älter als 90 Jahre), verlieren die körperliche und geistige Verfassung als Indikatoren für die Chance auf ein langes Leben dagegen zwangsläufig an Bedeutung.

KvE


Autoren: Kaare Christensen, Henrik Frederiksen, Matt McGue, James W. Vaupel et al.

Quelle: Henrik Frederiksen, Matt McGue, Bernard Jeune, David Gaist, Hanne Nybo, Axel Skytthe, James W. Vaupel, Kaare Christensen, 2002: Do children of long-lived parents age more successfully? Epidemiology, May 2002, Vol. 13, No. 3, S. 334-339.



Sie sind hier: ZDWA > Artikel > Alter > Lebenserwartung
DemoData
 
  Zum Dateninformationssystem gelangen Sie hier

Geburtenmonitor
 
 
Weitere saisonale Daten und Ergebnisse des Geburtenmonitors zu Fertilitätstrends finden Sie hier