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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Daten der Deutschen Rentenstatistik zeigen soziale Unterschiede in der Lebenserwartung

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Leben Menschen länger, wenn sie über mehr Geld verfügen? Neue Auswertungen von erstmalig zur Verfügung gestellten Daten legen eine positive Beziehung zwischen finanziellem Status und Lebensdauer nahe, lassen aber keine einfachen Erklärungen zu.

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Für Deutschland konnte die Frage, ob Menschen mit höherem Erwerbseinkommen eine längere Lebenserwartung haben, bisher vor allem aufgrund strenger Datenschutzvoraussetzungen nicht gezielt untersucht werden. Doch seit kurzem stellt das Forschungsdatenzentrum der gesetzlichen Rentenversicherung anonymisiertes Zahlenmaterial bereit. Aus zwei Gründen sind diese Versicherungsdaten deutscher Rentner von großem Interesse für Studien über einen möglichen Zusammenhang zwischen Wohlstand und Sterberisiko. Erstens ist die Größe des Datensatzes beachtlich: Mit Ausnahme vieler Beamter und Selbständiger führen die meisten Deutschen während ihres Erwerbslebens Beiträge an die Deutsche Rentenversicherung ab, und mehr als 90 Prozent der deutschen Männer über 65 Jahre bezieht gesetzliche Rente. Das heißt, Angaben von über 5,2 Millionen männlichen Rentnern können erfasst werden. Zweitens ermöglicht die Rentenstatistik, das Sterberisiko in Abhängigkeit von der persönlichen Einkommenssituation zu bestimmen. Zum einen kann die durchschnittliche Lebenserwartung verlässlich aus Informationen zur maximalen Rentenbezugsdauer errechnet werden, da ein Todesfall den Versicherungsanspruch beendet und gemeldet wird. Zum anderen ist die Höhe der Rente ein ungefähres Maß für die wirtschaftliche Lage des Versicherten; je mehr ein Erwerbstätiger im Laufe seines Lebens verdient hat, umso höher sind seine Altersbezüge. In Deutschland, wo die traditionelle Rolle des Mannes als Ernährer der Familie erst langsam schwindet, sind allerdings nur die Angaben der männlichen Bevölkerung aussagekräftig. Viele Frauen der heutigen Rentengeneration waren nur wenige Jahre berufstätig und wenn, häufig nur teilzeitbeschäftigt, so dass die Beitragszahlungen keinen Rückschluss auf ihren sozialen Status zulassen.

Aktuelle Auswertungen der Versicherungsdaten aus dem Jahr 2003 durch Rembrandt Scholz vom MPIDF und seine Kollegen bestätigen für Deutschland einen positiven Zusammenhang zwischen Arbeitseinkommen und Lebenserwartung: männliche Rentner leben umso länger, je mehr sie während ihres Erwerbslebens in die Rentenkasse eingezahlt haben. Anschaulich werden die Unterschiede in der Sterblichkeit bei einem Vergleich der Extremgruppen, also von Männern, die eine besonders gute oder geringe Altersversorgung haben. So stirbt ein Rentner mit einem ehemals niedrigen Einkommen, je nach Art der Analyse, durchschnittlich vier bis sechs Jahre früher als ein Mann mit sehr hohen Rentenbezügen. Auch andere Faktoren spielen eine Rolle: Ein Angestellter hat im Durchschnitt eine um zwei Jahre höhere Lebenserwartung als ein Arbeiter, und Rentner mit privater Krankenversicherung leben fast drei Jahre länger als Pflichtversicherte.

 

Nach Ansicht der Wissenschaftler liefert das Datenmaterial der Deutschen Rentenstatistik deutliche Hinweise auf ein soziales Gefälle bei der Sterblichkeit. Weit weniger eindeutig, so betonen die Forscher jedoch, seien die möglichen Ursachen, die diesen auch in anderen Industrienationen gefundenen Zusammenhang erklären könnten. Versicherte mit höherem Einkommen haben eine bessere Bildung und ernähren sich bewusster, was das Sterberisiko senke, lautet die geläufigste Erklärung. Andererseits ist nicht auszuschließen, dass Menschen, die bereits in jungen Jahren unter Krankheiten leiden, seltener Zugang zu gut bezahlter Arbeit haben, und damit auch in geringerem Maße fürs Alter vorsorgen können. Aber auch Faktoren, wie genetische Anlagen, Begabung, soziale Kompetenz, Erziehung, und die finanzielle Situation im Elternhaus müssten untersucht werden, da sie für beides, ein gutes Einkommen und eine gute Gesundheit, und damit für ein langes Leben, verantwortlich sein könnten.

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Autoren: Vladimir M. Shkolnikov, Rembrandt D. Scholz, Hans-Martin von Gaudecker, Michael Stegmann, Dimitri Jdanov

Quellen: Von Gaudecker, H.-M. & Scholz, R.D. (2006). “Lifetime earnings and life expectancy“. MPIDR Working Paper WP 2006-008.

 

Vortrag: Scholz, R.D. (2006). “Social mortality differences of 5.2 million German men aged 65 and older: evidence from the German Union of Pension Systems (Verband Deutscher Rentenversicherungsträger – VDR) dataset”, 18th REVES conference, Amsterdam, Holland, 29.-31 Mai 2006.

 

Vortrag: Scholz, R.D. (2006). “Differentielle Sterblichkeit in Deutschland”, 3. Konferenz für Sozial- und Wirtschaftsdaten, Wiesbaden, 11.-12. Mai 2006.

 

Poster: Shkolnikov, V., Scholz, R.D., Jdanov, D.A., Stegmann, M. & von Gaudecker, H.-M. (2006). "Zusammenhang von Lebenserwartung und Rentenhöhe bei Männern in Deutschland", Symposium "Herausforderungen 'Alternde Gesellschaft' - Wie kann die Demografie zu einer neuen Perspektive beitragen?" aus Anlass des 10jährigen Bestehens des MPIDR, Rostock, 17. Oktober 2006. 

 

Himmelreicher, R.K., von Gaudecker, H.-M. & Scholz, R.D. (2006). “Nutzungsmöglichkeiten von Daten der gesetzlichen Rentenversicherung über das Forschungsdatenzentrum der Rentenversicherung (FDZ-RV)”. MPIDR Working Paper WP 2006-018.



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