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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Demografischer Wandel in Deutschland – ein Überblick

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Wir leben in Zeiten des Demografischen Wandels - die Bevölkerung Deutschlands altert. Immer mehr ältere Menschen stehen immer weniger jüngeren Menschen gegenüber.  Wie ist es dazu gekommen? Was sind die Ursachen für diese geänderte Altersstruktur? Und wie wird sich diese Entwicklung auf den Lebenslauf jedes Einzelnen, auf das gesellschaftliche Miteinander, auf die Wirtschaft, auf Systeme sozialstaatlicher Umverteilung und auf die Politik auswirken? Welches Bild zeichnen Demografen von der Bevölkerung in den kommenden Jahrzehnten, und wie haben wir uns darauf vorzubereiten? Wie steht Deutschland im Vergleich zu den anderen Ländern Europas da? Der folgende Artikel gibt Antworten und erklärt Zusammenhänge. 

Seit den 1970er Jahren verharrt die durchschnittliche Zahl der pro Frau geborenen Kinder auf einem niedrigen Niveau von 1,4 (TFR). Mit 8,6 Lebendgeborenen pro 1000 Einwohner hat Deutschland in der EU die niedrigste Geburtenziffer bezogen auf die Gesamtbevölkerung. Es werden immer weniger Kinder geboren und wir werden immer älter. Standen vor 50 Jahren noch 30 Über-60-Jährige 100 erwerbsfähigen Menschen zwischen 20 und 59 Jahren gegenüber, so sind es heute bereits 45 und im Jahr 2030 werden es mehr als 70 Über-60-Jährige sein. Die Bevölkerungspyramide, welche die Altersstruktur einer Bevölkerung auf einen Blick darstellt, weist schon lange keine typische Pyramidenform - mit breiter Basis und zulaufender Spitze - mehr auf: Die Pyramide hat sich zu einer Zwiebelform mit schmaler Basis verändert (siehe Abbildung 1). Den Bauchwulst bildet die Generation der „Babyboomer“, die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre, die sich in den kommenden Jahren an die Renteneintrittsgrenze bewegen.

 


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Abb.1 - Altersstruktur in Deutschland; Vergleich 1910 und 2003.

Demografischer Wandel in Deutschland: Wie es begann

Bevölkerungen ändern sich in ihrer Größe und Struktur, wenn Menschen zur Welt kommen, wenn sie sterben oder ihren Wohnort wechseln. Für die Untersuchung demografischer Entwicklungen in Deutschland sind daher insbesondere die Geburten- und Sterberaten sowie die Bilanz von Zu- und Abwanderung von Bedeutung. Beleuchten wir jeden dieser drei Faktoren:

1. Sinkende Kinderzahlen

Der Rückgang der Geburtenzahlen in Deutschland ist weder einzigartig in der industrialisierten Welt noch neu. 1880 brachten Frauen in Deutschland durchschnittlich mehr als 4,6 Kinder zur Welt. Um die Jahrhundertwende war ein erster dramatischer Geburtenrückgang zu beobachten, und bereits 1915 hatte sich das Geburtenniveau auf 2,9 Kinder pro Frau gesenkt. Wenige Kinder wurden zu Zeiten der beiden Weltkriege geboren; Geburtentiefs, die noch bis heute ihre Spuren durch geburtenschwache Jahrgänge in der Altersstruktur - bei den gegenwärtig 85- bis 90-Jährigen beziehungsweise 58- bis 60-Jährigen - hinterlassen haben. Nach dem zweiten Weltkrieg erlebte Deutschland sein letztes Geburtenhoch. So kamen Anfang der 60er Jahre im Durchschnitt wieder 2,5 Kinder pro Frau auf die Welt („Babyboom“). Um 1965 begannen die Geburtenraten in beiden Teilen Deutschlands erneut zu sinken.


In Westdeutschland ist das Geburtenniveau seit Mitte der 1970er Jahre mit knapp 1,4 Kindern pro Frau konstant niedrig, und liegt zudem weit unter dem Niveau von 2,1 Kindern pro Frau, welches notwendig wäre, um die Elterngenerationen zahlenmäßig zu ersetzen (Ersatzniveau). Das Absinken des Geburtenniveaus ging mit einer Reduzierung der Zahl der Mehrkindfamilien aber auch mit einem Anstieg des Ausmaßes der Kinderlosigkeit auf ein weltweit einmalig hohes Niveau einher. Ein Viertel der Frauen des Geburtsjahrgangs 1965, also die heute 41jährigen, ist kinderlos geblieben.


In Ostdeutschland unterlag das Geburtenverhalten stärkeren Schwankungen. Das Geburtenniveau sank auch hier in den 1970er Jahren. Familienpolitische Maßnahmen der DDR, die geburtenfördernde Wirkung entfalten sollten, führten jedoch wieder zu einem Anstieg der zusammengefassten Geburtenziffer auf über 1,9. Nach der Wende brach die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau stark auf unter 0,8 Kinder pro Frau ein und lag damit auf einem weltweit nie zuvor gemessenen Tiefststand. In den unsicheren Jahren des Umbruchs haben sich offensichtlich viele junge Menschen gegen Kinder entschieden und die Familiengründung aufgeschoben. Seit 1995 nähert sich die Geburtenrate der neuen Bundesländer derjenigen der alten Bundesländer wieder an, hat das westdeutsche Niveau aber noch nicht ganz erreicht (1,32 versus 1,37 für das Jahr 2004).

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Abb.2 - Zusammengefasste Geburtenziffer in Deutschland von 1871 bis 2003.

2. Steigende Lebenserwartung

In industrialisierten Ländern ist die Lebenserwartung bei Geburt in den vergangenen 160 Jahren stetig gestiegen, bei Frauen um fast zusätzliche drei Lebensmonate pro Jahr. Deutschland ist keine Ausnahme. Die Lebenserwartung hierzulande steigt seit 50 Jahren in etwa parallel zur Linie der rekordhaltenden Länder (in der Vergangenheit handelte es sich dabei häufig um die Länder Neuseeland, Norwegen und Island, seit 1986 halten die japanischen Frauen den Rekord). Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählten noch infektiöse und parasitäre Krankheiten zu den häufigsten Todesursachen, wurden aber durch Fortschritte in der Medizin und verbesserte hygienische Maßnahmen zurückgedrängt. Insbesondere Säuglinge und Kleinkinder überlebten häufiger, und mehr Menschen hatten die Möglichkeit, ein höheres Lebensalter zu erreichen. Die Lebenserwartung stieg, die Wahrscheinlichkeit zu sterben nahm in jedem Lebensalter über die Jahre ab. Die Ursachen dafür liegen neben verbesserter Hygiene und medizinischer Versorgung in einem komplexen Zusammenspiel von steigendem Wohlstand, Bildung, gesünderer Ernährung und humaneren Arbeitsbedingungen mit geringerem körperlichem Verschleiß.


Vor der Wende stieg die Lebenserwartung in beiden Teilen Deutschlands an, jedoch in Westdeutschland auf einem höheren Niveau. Seit der Wiedervereinigung nähern sich die ostdeutschen Werte - bei den Frauen stärker als bei den Männern – den westdeutschen an; ein gutes Beispiel dafür, dass Veränderungen in den aktuellen Lebensumständen die Sterblichkeitsraten des Menschen sogar noch im fortgeschrittenen Alter beeinflussen können. Der anhaltende Anstieg der Lebenserwartung ist vor allem der verringerten Sterblichkeit im hohen Alter zuzuschreiben.


Und dieser Anstieg hält aller Voraussicht nach an: Die zu erwartenden medizinischen Entwicklungen in der Prävention, der Diagnose und der Therapie von tödlichen Alterskrankheiten wie Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs oder degenerativen Erkrankungen stützen nicht die verbreitete Annahme, dass sich die Zuwächse in der Lebenserwartung verlangsamen werden. Nach neuen Prognosen am Max-Planck-Institut für demografische Forschung ist für Frauen in Deutschland im Jahr 2050 mit einer Lebenserwartung von deutlich über 90 Jahren zu rechnen.

3. Zuwanderung und Binnenwanderung

Bereits seit 1970 ist in Deutschland die Geburtenziffer niedriger als die Sterbeziffer. Somit sterben jedes Jahr mehr Menschen als geboren werden. Ein Bevölkerungsschwund war lange nicht wahrzunehmen, da Verluste durch Zuwanderung aus dem Ausland ausgeglichen wurden. In den Jahren 2004 und 2005 jedoch konnte das Geburtendefizit nicht mehr durch den Überschuss an Zuwandernden kompensiert werden: Die Bevölkerung in Deutschland schrumpfte geringfügig. Die Einwohnerzahl in Deutschland wird auch bei Zuwanderung langfristig weiter sinken.


Neben der Wanderung über die Landesgrenzen hinweg gibt es auch Wanderungen innerhalb Deutschlands. Von Abwanderungen sind seit der Wende vor allem die neuen Bundesländer betroffen. Dem Wirtschaftsgefälle folgend verlegten vor allem junge Menschen ihren Wohnsitz in andere Orte innerhalb Deutschlands. Die Zahl der Fortzüge aus den neuen Bundesländern lag seit der Wiedervereinigung häufig weit über der Zahl der Zuzüge: zwischen 1991 und 2004 hat Ostdeutschland etwa 900.000 Einwohner verloren, meist an das angrenzende, westdeutsche Bundesland. Dass vor allem junge und qualifizierte Menschen und mehr Frauen als Männer abgewandert sind und abwandern, wird die demografische Entwicklung in den strukturschwachen Regionen des Ostens weiter prägen. So hat beispielsweise die große Abwanderungswelle direkt nach der Wende die Eltergeneration stark ausgedünnt, was zusätzlich zum ohnehin geringeren Geburtenniveau in den Jahren des Umbruchs die Zahl der Geburten noch einmal nach unten drückte. Frauen bekamen durchschnittlich weniger Kinder, und gleichzeitig verschwanden potenzielle Mütter. Dieser durch die Abwanderung verstärkte Geburteneinbruch wird sich wiederum in etwa zehn Jahren als Echoeffekt bemerkbar machen: Die nach der Wende nicht geborenen Kinder fehlen dann als Eltern. Schon heute ist Ostdeutschland mit einem mittleren Alter von 43 Jahren älter als Westdeutschland mit 42 Jahren.

Wo steht Deutschland im internationalen Vergleich?

Das Altern der Bevölkerungen ist ein weltweit zu beobachtendes Phänomen. Doch ist der Demografische Wandel vor allem in den westlich orientierten Gesellschaften weit fortgeschritten. Insbesondere in Europa und Japan hat der Alterungsprozess selbst bereits tiefe Spuren in der Altersstruktur der Bevölkerung hinterlassen. Die weitere Alterung der Gesellschaft ist hier schon in dieser veränderten Altersstruktur - viele Mittelalte stehen wenigen Jungen gegenüber - angelegt und beschleunigt sich dadurch. So kommt in Deutschland dem starken Geburtenrückgang in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine besondere Rolle zu. Da die Geburtenrate im europäischen Vergleich sehr früh eingebrochen ist (bereits nach 1965), und seither auf konstant niedrigem Niveau verharrt, ist die heutige Elterngeneration bereits seit einigen Jahren kleiner. Das bedeutet, dass die Zahl der Kinder weiter sinkt, auch wenn die Geburtenrate konstant bleibt: 2005 sank die absolute Zahl der Lebendgeborenen in Deutschland erstmals unter 700.000; mit 8,6 Lebendgeburten pro 1000 Einwohnern steht Deutschland europaweit an letzter Stelle, obwohl seit 30 Jahren unverändert etwa 1,4 Kinder pro Frau zur Welt kommen (siehe Abbildung3).

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Abb. 3 - Zusammengefasste Geburtenziffer (TFR)

Mit diesem konstant niedrigen Geburtenniveau bildete Deutschland in den 1980er Jahren das europäische Schlusslicht, ist jedoch inzwischen von einigen südeuropäischen Ländern (z.B. Griechenland mit durchschnittlich 1,29 Kindern pro Frau) und osteuropäischen Ländern (z.B. Tschechien mit 1,23) in dieser Position abgelöst worden. Zu betonen bleibt für die Situation in Deutschland zweierlei: Erstens fehlen die vor 30 Jahren in Deutschland nicht geborenen Kinder heute als Eltern, anders als in manch anderem europäischen Land, das heute ebenfalls eine niedrige Geburtenrate zu verzeichnen hat. Das trägt zur niedrigen absoluten Zahl der Geburten bei. Zweitens hat man sich seit über einer Generation an ein niedriges Geburtenniveau gewöhnt. Das wirkt sich auch auf den Kinderwunsch aus. Die Zahl der gewünschten Kinder ist in Deutschland ebenfalls stark zurückgegangen und liegt deutlich unter zwei Kindern (siehe Abbildung 4).

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Abb. 4 - Kinderwunsch in Europa nach Geschlechtern

Demografischer Wandel: Was haben wir zu erwarten?

Seit die Ursachen und vor allem die möglichen Folgen des Demografischen Wandels in das Bewusstsein der Öffentlichkeit und der politischen Entscheidungsträger gerückt sind, ist der Ruf nach Prognosen lauter geworden. Sie sollen möglichst genau abbilden, wie sich die Größe und Altersstruktur der Bevölkerung zukünftig entwickeln wird. Demografische Prognosen beruhen auf Annahmen zur Entwicklung von Geburtenhäufigkeit, Sterbehäufigkeit und Wanderungsverhalten und sind hinsichtlich ihrer Aussagekraft immer mit Unsicherheiten behaftet. Die Qualität der Prognosen hängt davon ab, inwiefern diese Annahmen mit der kommenden Realität übereinstimmen. Kurzfristige Entwicklungen können aufgrund der Trägheit demografischer Prozesse mit relativ großer Sicherheit berechnet werden: die Ausgangsbevölkerung ist bekannt und aktuell getroffene Annahmen bieten eine gute Grundlage für Vorausberechnungen der nahen Zukunft. Je länger aber vorausberechnet wird, desto unsicherer werden die Ergebnisse. Dass Prognosen mit Unsicherheiten behaftet sind, macht sie nicht weniger bedeutend. Deutschland muss sich darauf einstellen, dass sich das Altern der Gesellschaft auf die sozialen Sicherungssysteme, auf das ökonomische Wachstum, aber auch auf die Lebensläufe einzelner und auf unser gesellschaftliches Miteinander auswirken wird. Auf der Grundlage des heute vorliegenden Wissens und bei der Annahme einer steigenden Lebenserwartung, eines mehr oder weniger konstanten Geburtenniveaus und einer moderaten Zuwanderung ist bis 2050 ein Rückgang in der Bevölkerungszahl zu erwarten, knapp 30% der Bevölkerung wird im Rentenalter sein, der Anteil der Über-80-Jährigen wird sich verdreifachen und selbst 100-Jährige werden in Zukunft alltäglicher. Und immer weniger Mütter bekommen immer weniger Kinder. Verwandtschaftsnetze dünnen aus.

Konsequenzen: Was wird der Demografische Wandel verändern und wie bereiten wir uns darauf vor?

Wir werden immer älter, wir bekommen immer weniger Kinder: So kommt es zu der zahlenmäßigen Verschiebung der Generationenverhältnisse. Noch befindet sich Deutschland – aus demografischer Sicht – in einer (besonders) günstigen Lage. Das liegt daran, dass die geburtenstarken Jahrgänge für das Erwerbsleben bereitstehen und die nachwachsende sowie ältere Generation versorgen und unterhalten können. Doch diese günstige Konstellation dauert nicht mehr lange an, denn die „Babyboomer“ kommen in die Jahre.


Die Konsequenzen des Demografischen Wandels werden vielfältig und weitreichend sein. Sie werden sich nicht nur darauf beschränken, dass die sozialen Sicherungssysteme belastet werden, wenn die geburtenstarken Jahrgänge über die Renteneintrittsgrenze rücken und von der zahlenmäßig schwächeren Folgegeneration versorgt werden müssen. Die umlagefinanzierten Systeme sind zu Zeiten konzipiert worden, als das Verhältnis der Beitragszahler zu den Empfängern günstiger ausfiel. Die Konsequenzen werden alle Lebens- und Politikbereiche umfassen, und die zu erwartenden Änderungen können viele Anpassungen anregen.


Ein Beispiel: Wir leben länger und leben auch länger gesund, wir haben immer weniger junge Menschen. Die klassische Dreiteilung der Erwerbsbiographie, die mit einer ausgedehnten Bildungsphase beginnt, auf die eine produktive Arbeitsphase folgt, in der parallel Familien gegründet werden, für das Alter gespart wird und die ältere Generation versorgt und gegebenenfalls gepflegt wird, und die mit einer dritten, recht früh einsetzenden, entberuflichten Phase endet, wird in Zeiten des Demografischen Wandels in dieser Form nicht aufrechtzuerhalten sein. Viele Anregungen für eine neue Gestaltung der verlängerten Lebensläufe wurden bereits in die Diskussion eingebracht: Der Ruf nach einer Verkürzung der ersten Ausbildungsstrecke wird lauter. Nichts spräche dagegen, Bildungsphasen während der gesamten Erwerbsbiographie zu ermöglichen und dem lebenslangen Lernen mehr Raum zu geben. Gerade vor dem Hintergrund der niedrigen Geburtenraten, insbesondere bei höher Qualifizierten, richten sich viele Anregungen auf eine Entzerrung des mittleren Lebensabschnittes, der sogenannten Rush Hour des Lebens, in der alles gleichzeitig bewältigt werden will. Junge Menschen brauchen Zeit, um eine Familie gründen zu können. Schließlich gibt es die Diskussion um das Anheben der Renteneintrittsgrenze und um die Nutzung des Potenzials der Über-60-Jährigen im Erwerbsleben und jenseits dessen.


Gesamtwirtschaftlich wird der Demografische Wandel in Deutschland nicht dann erst „etwas kosten“, wenn sich das Verhältnis der Erwerbstätigen zu Rentnern deutlich zugunsten der letzteren verschiebt. Nach Berechnungen des Rostocker Zentrums (Rostocker Indikator) wird das Altern der Bevölkerung bereits früher für erhebliche ökonomische Belastungen sorgen als allgemein erwartet. Schon bald nämlich erreichen die geburtenstarken Jahrgänge („Babyboomer“) eine auf dem Arbeitsmarkt kritische Altersschwelle. Sind die über 50-jährigen auch in Zukunft in so geringem Maß am Arbeitsleben beteiligt wie heute, würde in Deutschland 2025 etwa 9 % weniger gearbeitet. Wenn also die Beschäftigungsquote der älteren Erwerbstätigen, die dann zu den geburtenstarken Jahrgängen gehören werden, weiterhin auf so niedrigem Niveau verharrt, werden die vielen Älteren wenig und die wenigen Jungen nach wie vor viel arbeiten. Insgesamt würde das zu einem Verlust an Arbeitskraft führen, der mit der heute in Deutschland zu verzeichnenden Arbeitslosigkeit zu vergleichen ist. Arbeitspotenzial bliebe ungenutzt.


Der Demografische Wandel wird mit Ungleichheiten einhergehen. Herausstechend sind dabei Ungleichheiten zwischen den Regionen, von denen einige hinsichtlich ihrer Bevölkerung und ihrer Wirtschaft weiter wachsen, andere hingegen schrumpfen (und altern) werden.


Die durch den Demografischen Wandel hervorgerufenen Änderungen erfordern Anpassungen in der Gestaltung des Lebenslaufs, im gesellschaftlichen Miteinander, in den sozialen Sicherungssystemen, in der Beschäftigtenstruktur. Diese Anpassungen erfordern Einsicht und politische Durchsetzung. Notwendige Reformen werden bei ihrer Einführung nicht von jeder Gruppe begrüßt werden. Wenn die Bevölkerung altert, dann altert auch die Wählerschaft. Nach Angaben des DIW werden 50% der Wähler im Jahr 2050 älter als 56 Jahre alt sein.

 

ic / kgk


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Die TFR für Gesamtdeutschland im Oktober 2010: 1,37

 
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