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Seit Jahrzehnten hat die schwedische Politik zum Ziel, die Chancengleichheit von Frauen und Männern im Berufs- und Familienleben zu erhöhen. Neue Auswertungen schwedischer Bevölkerungsdaten zum Geburtenverhalten verdeutlichen nun, dass in Schweden die berufliche Situation beider Elternteile von großer Bedeutung für die weitere Nachwuchsplanung ist und insbesondere ein hohes Einkommen der Mutter die Geburt weiterer Geschwister erleichtert. In ihrer gemeinsamen Studie untersuchten die Wissenschaftler des MPIDF, der schwedischen Sozialversicherungsanstalt und der Universität in Mannheim, welchen Einfluss die elterliche Berufstätigkeit auf die Neigung eines Paares hat, ein zweites oder drittes Kind in die Welt zu setzen.
Erwerbstätigkeit und mehrfache Mutterschaft schließen sich in Schweden nicht aus. Dass ein Kind ein oder zwei Geschwister bekommt, wird sogar umso wahrscheinlicher, je mehr die Mutter verdient. Mitverantwortlich für den positiven Zusammenhang zwischen mütterlichem Einkommen und Geburtenverhalten ist nach Meinung der Autoren das schwedische Elterngeld, das an das vorherige Gehalt gebunden ist und Einkommensverluste nach der Geburt auffängt, wenn die Mutter das Neugeborene zu Hause betreut.
Auch für erwerbstätige Männer steigt die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Vaterschaft, je weiter sie die Gehaltsstufen nach oben klettern. Für einen dritten Sprössling allerdings entscheiden sich neben Spitzenverdienern besonders häufig auch Väter mit einem niedrigen Einkommen, während ein mittleres Gehalt die Geburt eines weiteren Kindes eher erschwert.
Die schwedische Sozialpolitik fördert seit Jahrzehnten die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern und will allen Männern und Frauen, unabhängig von ihrem Familienstand, Erwerbstätigkeit und Elternschaft ermöglichen. Und tatsächlich zeigt die vorliegende Studie, dass die berufliche Situation von Mutter und Vater weitgehend unabhängig voneinander auf die Familienplanung des Paares wirken: die Ergebnisse zum Geburtenverhalten ändern sich nicht, wenn die Untersuchungen für jedes Elternteil getrennt oder für beide Partner gemeinsam durchgeführt werden. Auch eine andere Beobachtung, so die Forscher, spricht dafür, dass sich die Beziehung zwischen den Geschlechtern in schwedischen Familien gewandelt hat. Denn Paare entscheiden sich häufiger für ein drittes Kind, wenn die Mütter über ein hohes und die Väter über ein niedriges Einkommen verfügen, während gerade das traditionelle Modell des gutverdienenden Mannes und der dazuverdienenden Hausfrau die Wahrscheinlichkeit weiterer Geburten senkt.
ic Autoren: Gunnar Andersson, Ann-Zofie Duvander & Karsten Hank Quelle: Andersson, G., A.-Z. Duvander, K. Hank. (2005). Erwerbstatus und Familienentwicklung in Schweden aus paarbezogener Perspektive. 220-234. Weitere Artikel zu Skandinavien:
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