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Russland: Von der Zwei-Kind zur Ein-Kind Familie

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Während in Russland lange Zeit die Zwei-Kind Familie verbreitet war, setzt sich seit Anfang der 1990er Jahre immer mehr das Ein-Kind-Modell durch. Unklar ist, ob es sich dabei um eine vorübergehende oder eine dauerhafte Entwicklung handelt. Alexandre Avdeev vom MPIDF analysierte in einer Studie die Entwicklungen der letzten Jahrzehnte.

Abbildung 1

Die Bestanderhaltungsrate in Russland wurde bereits in den 1960er Jahren dauerhaft unterschritten. Die zusammengefasste Geburtenziffer sank in diesem Zeitraum von 2,59 auf 1,99. Ursache war eine enorme Verringerung der Geburtenrate auf dem Land, verbunden mit einem gleichzeitigen Schwund der ländlichen Bevölkerung. Die Geburtenrate war niedrig, dafür aber in der gesamten Bevölkerung sehr homogen. Große Familien mit drei und mehr Kindern wurden genauso zur Ausnahme wie kinderlose. Gleichzeitig erhöhte sich das durchschnittliche Alter der Mütter.

In den 1980er Jahren stieg die Geburtenziffer als Folge einer neuen Familienpolitik wieder auf 2,3 an. Die staatliche Unterstützung half vor allem jungen Familien, ihre Kinderwünsche früher umzusetzen. Der Anstieg der Geburtenrate dauerte aber nur kurze Zeit an und wurde durch einen anhaltenden Rückgang seit Ende der 1980er Jahren ersetzt, als die russische Ökonomie eine große Krise erlebte.

Wissenschaftler diskutieren verschiedene Ursachen für diesen Rückgang, der auch in sämtlichen europäischen Ländern beobachtet wird. So könnte die ökonomische und soziale Krise diese Entwicklung in Russland beschleunigt haben. Der Rückgang könnte aber auch, zumindest in der ersten Hälfte der 1990er Jahre, ein Ausgleich des kurzfristigen Anstiegs in den 1980er Jahren darstellen. Alternativ wäre auch möglich, dass der beobachtete Trend tatsächlich eine Annäherung an die Entwicklung in westlichen Ländern darstellt, mit einer Verschiebung der Familiengründung auf ein höheres Alter.

 

ks


Autor: Alexandre Avdeev

Quelle: „On the way to one-child-family: are we beyond the point of no return? Some considerations concerning the fertility decrease in Russia“, In: Population of Central and Eastern Europe. Challenges and Opportunities; Kotowska, I.; Józwiak, J.; Statistical Publishing Establishment; Warsaw, 2003. 


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