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Nach wie vor unterscheiden sich die Familienformen in Ost- und Westdeutschland. So werden im Osten mehr nichteheliche Kinder geboren als im Westen. Diese Diskrepanz, die schon vor der Wende bestand, hat sich in den 1990er Jahren verstärkt, so das Ergebnis einer Untersuchung von Michaela Kreyenfeld und Dirk Konietzka vom MPIDF. Die beiden Wissenschaftler verglichen Daten von Müttern in Ost- und Westdeutschland.
In den neuen Bundesländern wurde im Jahr 2003 mehr als die Hälfte aller Kinder nichtehelich geboren. Damit liegt Ostdeutschland zusammen mit Schweden, Island und Estland am oberen Ende der europäischen Skala. In Westdeutschland lag der Anteil von Neugeborenen, deren Eltern unverheiratet waren, im gleichen Zeitpunkt bei etwa 21 Prozent. Sowohl im Osten als auch im Westen Deutschlands hat sich die Häufigkeit nichtehelicher Kinder damit seit 1990 etwa verdoppelt.
Die Wahl der Familienform hängt eng mit dem Bildungsniveau der Mütter zusammen, fanden die Forscher heraus. Sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern haben unverheiratete Frauen mit Kindern häufiger einen niedrigeren Bildungsabschluss als ihre verheirateten Geschlechtsgenossinnen.
Aufschlussreich ist die Unterscheidung, ob die ledigen Mütter allein erziehend sind oder in nichtehelichen Lebensgemeinschaften leben. Alleinerziehende Frauen haben häufiger einen geringen Bildungsabschluss und sind stärker von sozialstaatlichen Transferzahlungen abhängig. In Westdeutschland sind es jedoch gerade gut ausgebildete Mütter, die unverheiratet sind und in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft leben.
Unterschiede gibt es auch in der ökonomischen Situation von Müttern in Ost und West. In Westdeutschland bleiben unverheiratete Mütter nach der Familiengründung häufiger berufstätig als verheiratete. In Ostdeutschland sind auch verheiratete Mütter meist ökonomisch eigenständig. Im Westen sind Familiengründung und Eheschließung seit Jahrzehnten eng miteinander verknüpft. In Ostdeutschland ist der Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen dagegen wesentlich schwächer ausgeprägt. Dass die Ehe hierzulande im Vergleich zu vielen europäischen Ländern aber noch immer die zentrale Familienform darstellt, dürfte eine Folge ihrer hervorgehobenen Stellung in der Sozial- und Familienpolitik sein, meinen die Forscher. Autoren: Dirk Konietzka und Michaela Kreyenfeld Quellen: "Nichteheliche Mutterschaft und soziale Ungleichheit. Zur sozioökonomischen Differenzierung der Familienformen in Ost- und Westdeutschland", MPIDR Working Paper WP-2005-001, Feb 2005.
"Nichteheliche Mutterschaft und soziale Ungleichheit im familialistischen Wohlfahrtsstaat. Zur sozioökonomischen Differenzierung der Familienformen in Ost- und Westdeutschland", in Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 57:1, 32-61, März 2005.
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