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Tradierte Strukturen hemmen innovative Kinderbetreuungspolitik

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Kinderbetreuungspolitik und deren Finanzierung sind bei den Kommunen angesiedelt. Diese sind jedoch nicht frei in der Entscheidung, nach welchen Kriterien und an wen sie ihre Gelder vergeben, sondern müssen sich dabei weitgehend an gegebenen, inflexiblen Strukturen orientieren. Dadurch wird eine innovative Kinderbetreuungspolitik erschwert, kritisieren Michaela Kreyenfeld vom MPIDF sowie C. Katharina Spieß und Gert G. Wagner vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin.

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Im Gegensatz zum Kinder- oder Erziehungsgeld, das aus Bundesmitteln finanziert wird, hängen öffentliche Kinderbetreuungsplätze überwiegend von kommunalen Geldern ab. Dies hat historische Gründe: Die ersten Einrichtungen entstanden aus einem lokalen sozialpolitischen Engagement und wurden so den Kommunen zugeordnet. Die kommunalen Mittel finanzieren entweder Kindertageseinrichtungen oder unterstützen freie Träger bei der Unterhaltung solcher Angebote. Im Jahr 1998 wurden etwa 18 Milliarden DM (9 Mrd. €) für die Finanzierung von Kindertageseinrichtungen ausgegeben. Davon wurden etwa 40 Prozent für die Bezuschussung freier Träger verwandt.

 

Abgesehen von dem bundesweit festgelegten Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz können Kommunen frei über das Angebot etwa von Hort- und Krippenplätzen und Kindergartenplätze mit Ganztagsbetreuung entscheiden. Damit hängt die Kinderbetreuungspolitik – anders als andere Bereiche der Familienpolitik – erheblich von der finanziellen Situation der Kommunen ab und davon, wie diese ihre Prioritäten setzen.

 

Eltern haben kaum Möglichkeiten, auf das Angebot Einfluss zu nehmen. So sind zwar lokale Jugendämter verantwortlich dafür, den Bedarf zu ermitteln. Sie stützen sich dabei aber meist auf Erfahrungswerte. Elternbefragungen, die ein präziseres Bild der Bedürfnisse liefern könnten, bleiben die Ausnahme.

Als Ursache des hohen Anteils kinderloser Frauen in Westdeutschland wird häufig die Unvereinbarkeit von Familie und Beruf vermutet. Wenn Kinderbetreuung die Vereinbarkeit von Kind und Beruf ermöglichen soll, muss sie aber flexibel auf die Bedürfnisse von Eltern reagieren und etwa genügend Ganztagsbetreuungsplätze anbieten. Die Wissenschaftler empfehlen deshalb ein alternatives Finanzierungs- und Steuerungssystem, mit dem die Nachfrageseite – die Eltern – anstelle der Angebotsseite gefördert wird. Die Betreuungseinrichtungen hätten dann als Anbieter einen größeren Anreiz, sich an den Wünschen der Eltern zu orientieren. Damit würde letztlich ein Markt für Kinderbetreuung entstehen, der neben kommunalen und freien Trägern auch privat-gewerbliche Anbieter fördert.

ks


Autoren: Michaela Kreyenfeld, C. Katharina Spieß und Gert G. Wagner

Quelle: „Kinderbetreuungspolitik in Deutschland: Möglichkeiten nachfrageorientierter Steuerungs- und Finanzierungsinstrumente“, Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 5:2, 201-221, 2002.



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