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Bessere Ausbildung verzögert die Familiengründung

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Seit der Wende verschieben besser ausgebildete Frauen die Geburt ihres ersten Kindes in Ostdeutschland auf einen späteren Zeitpunkt. Diese Schlussfolgerung ziehen Johannes Huinink vom Institut für empirische und angewandte Soziologie an der Universität Bremen und Michaela Kreyenfeld vom MPIDF aus einer Studie, in der die Forscher den Einfluss der beruflichen Situation von ostdeutschen Frauen des Geburtenjahrgangs 1971 und ihrer Partner auf die Familiengründung analysierten.

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Die politischen Rahmenbedingungen in der ehemaligen DDR förderten eine frühe Familiengründung. Frauen waren folglich bei der Geburt ihres ersten Kindes mit 22 Jahren rund sechs Jahre jünger als ihre Geschlechtsgenossinnen in Westdeutschland. Kinderlosigkeit betraf mit fünf bis zehn Prozent nur wenige Frauen. Die Wiedervereinigung 1990 brachte quasi über Nacht große ökonomische und politische Veränderungen, die sich auch auf die Familiengründung auswirkten.

 

Frauen des Geburtenjahrgangs 1971 erlebten den Übergang zum Erwachsenleben in der Phase des großen Umbruchs. Ihr Geburtenverhalten ist entsprechend durch die Wende beeinflusst. Tatsächlich brachten sie im Vergleich zu älteren Geschlechtsgenossinnen ihre ersten Kinder erheblich später zur Welt. Mit 26 Jahren hatten nur 40 Prozent von ihnen ein Kind, vor der Wiedervereinigung waren bereits 85 Prozent der Frauen in diesem Alter Mutter.

 

Neben sozialen, politischen und ökonomischen Veränderungen scheint auch die berufliche Situation von Frauen und ihren Partnern eine zentrale Rolle bei der Verzögerung der Familiengründung zu spielen. So zeigen die Ergebnisse der Studie, dass sowohl bei Frauen als auch bei ihren Partnern Phasen der Ausbildung die Geburt des ersten Kindes verzögern. Weil im wiedervereinigten Deutschland viele Menschen mehr Zeit in eine Ausbildung investieren, könnte dies einer der Gründe für eine Verzögerung der Familiengründung darstellen, argumentieren die Wissenschaftler.

Überrascht waren die Forscher darüber, dass Arbeitslosigkeit die Familiengründung nicht grundsätzlich verzögert. Im Gegenteil wurden arbeitslose Frauen deutlich früher Mutter als Frauen mit einer Anstellung. Als Ursache für diesen Trend vermuten die Wissenschaftler, dass arbeitslose Frauen die Anreize der westdeutschen Familienpolitik nutzen und eine traditionelle Familienstruktur mit einem Mann als Ernährer wählen. Es könnte aber auch sein, dass die Arbeitslosigkeit eine Abstimmung mit der beruflichen Laufbahn erübrigt und so die Familiengründung beschleunigt.

ks


Autoren: Johannes Huinink, Michaela Kreyenfeld

Quelle: „Family formation in times of social and economic change: an analysis of the 1971 East German cohort“, MPIDR Working Paper WP-2004-013, April 2004.

http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2004-013.pdf



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