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Familienpolitik: Was machen die Schweden anders?

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Schweden hat sich den Ruf eines familienpolitischen Vorzeigelandes erworben. Tatsächlich liegt die zusammengefasste Geburtenziffer in Schweden 2004 bei knapp 1,8 Kindern pro Frau. Das reicht zwar nicht an die Schwelle der Generationenerneuerung heran, die bei 2,1 liegt, aber der Wert ist im europäischen Vergleich hoch. Inwieweit ist die vergleichsweise hohe Geburtenrate ein Resultat der schwedischen Familienpolitik?

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Das Beispiel Schwedens macht zumindest deutlich, dass Familienpolitik einen Einfluss auf das Geburtenniveau nehmen kann. So weisen Untersuchungen zu dem Geburtenverhalten von Einwanderern in Schweden darauf hin, dass die institutionellen und politischen Rahmenbedingungen in einer Gesellschaft die Geburtenrate wesentlich stärker beeinflussen als der kulturelle und gesellschaftliche Hintergrund der Menschen. Ein wichtiges Merkmal der schwedischen Familienpolitik ist jedoch, dass sie nie explizit darauf ausgerichtet war, die Geburtenrate zu steigern. Stattdessen geht es der Politik vielmehr darum, dass Frauen durch Geburt und Kindererziehung nicht vom Erwerbsleben abgeschnitten werden und darum, die Geschlechtergleichheit zu fördern.

 

Sowohl Frauen als auch Männern soll es ermöglicht werden, Familien- und Berufsleben zu vereinbaren. Für jeden Einwohner Schwedens sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, um die gewünschte Zahl an Kindern großziehen zu können. Die vergleichsweise hohe Geburtenrate kann gewissermaßen als ein „positiver Nebeneffekt“ dieser Politik gewertet werden.

Drei Aspekte der schwedischen Familienpolitik sind hervorzuheben: Erstens wird individuell besteuert – es gibt kein Ehegatten-Splitting. Das begünstigt nicht die Konstellation, in der ein Partner (typischerweise der Mann) das Geld verdient, während der andere Partner (typischerweise die Frau) die Kinder erzieht. Zweitens ermöglicht das gut ausgebaute öffentliche Kinderbetreuungssystem beiden Eltern, einem Beruf nachzugehen. Und schließlich gibt es drittens ein Elterngeld, dessen Höhe davon abhängt, was das Elternteil, welches im ersten Lebensjahr das Kind betreut, vor der Geburt ihres Kindes verdient hat. Das ist üblicherweise die Mutter des Kindes. Durch das Elterngeld wird die Frau somit ermuntert, sich beruflich zu entwickeln und eine Position auf dem Arbeitsmarkt anzustreben, bevor sie Mutter wird.

 

Das schwedische System will jedem, Frauen wie Männern, ermöglichen, ihre beziehungsweise seine individuellen, persönlichen Lebensentwürfe zu verwirklichen. Es bevorzugt keine bestimmte Lebensform. Resultat dieses Systems sind deutlich höhere Geburtenraten als etwa in vielen in west- und südeuropäischen Ländern. Das könnte Familienpolitikern hierzulande als Denkanstoß dienen.

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Autoren: Gunnar Andersson

Quelle: A study on policies and practices in selected countries that encourage childbirth: The case of Sweden, MPIDR WORKING PAPER WP 2005-005, March 2005.

http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2005-005.pdf



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