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Ostdeutsche Frauen bekommen ihr erstes Kind immer noch früher als ihre westdeutschen Geschlechtsgenossinnen. Das zeigt eine Studie, in der Wissenschaftler des MPIDF Daten von Müttern unterschiedlicher Geburtenjahrgänge miteinander verglichen. Das Ergebnis ist überraschend, denn nach populären Vorstellungen entscheiden sich Frauen in Ostdeutschland seit der Wende seltener und später für ein Kind als in den alten Bundesländern. Michaela Kreyenfeld und Dirk Konietzka verglichen Frauen aus drei verschiedenen Geburtenjahrgängen. Wer 1964 in Ostdeutschland geboren wurde, bekam sein erstes Kind im Durchschnitt bereits mit 22 Jahren und damit fünf Jahre früher als Frauen aus dem Westen. Bei Frauen des Jahrgangs 1968 macht sich bereits ein erster Effekt der Wende bemerkbar: Die Verschiebung der Familiengründung auf ein höheres Alter. Dieser Trend wird bei den 1972 geborenen noch deutlicher: Im Vergleich zu ihren älteren Geschlechtsgenossinnen ist das durchschnittliche Alter bei der ersten Geburt um fünf Jahre gestiegen. Trotzdem waren sie immer noch jünger als westdeutsche Frauen. Von den Frauen des Jahrgangs 1972 waren im Alter von 27 Jahren 62 Prozent im Westen, aber nur 50 Prozent im Osten kinderlos. Eine Angleichung des Alters an das Westniveau ist bei der Familiengründung entsprechend bisher noch nicht eingetreten.
Demografische Forschung Aus Erster Hand 1/2004 S.1 Abb.1
Bisherige Studien verwenden für die Untersuchung der Geburtenentwicklung die so genannte zusammengefasste Geburtenziffer, ein theoretisches Maß, das die gegenwärtigen Verhältnisse der Geburtenentwicklung ausdrückt und nur im Idealfall die endgültige Kinderzahl pro Frau angibt. Für Ostdeutschland führt die Auswertung dieser Maßzahl aber zu verzerrten Schlussfolgerungen, kritisieren die Autoren. Denn ein Aufschub der Familiengründung sorgt für einen Einbruch der Geburtenziffer, obwohl sich darin letztlich nur eine Verringerung der Unterschiede im Alter bei der Erstgeburt zwischen Ost und West widerspiegelt (siehe Tempoeffekt). ks
Autoren: Michaela Kreyenfeld und Dirk Konietzka Quelle: „Ostdeutsche Mütter sind seltener verheiratet und jünger : Differenzen bei der Familienbildung in Deutschland halten an“, European Journal of Population, 19:3, 303-329 Weitere Artikel zu Ost- und Westdeutschland im Vergleich: |
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