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Die schwedische Politik fördert seit Jahrzehnten den gleichberechtigten Zugang von Männern und Frauen zum Arbeitsmarkt und weist im europäischen Vergleich eine der höchsten Frauenerwerbsquoten auf. Der männliche Alleinversorger zählt im Land zu den Auslaufmodellen. Gleichwohl findet sich ein besonders hohes Scheidungsrisiko bei Paaren mit nicht-traditionellen Einkommensverhältnissen.
Nahezu alle westeuropäischen Staaten verzeichnen seit den 1970er Jahren einen Anstieg sowohl der weiblichen Erwerbsbeteiligung als auch der Scheidungsrate. Ein Zusammenhang ist nicht ausgeschlossen, denn Frauen mit eigenem Einkommen sind finanziell weniger auf ihren Ehemann angewiesen und können sich leichter aus einer unglücklichen Beziehung lösen („Unabhängigkeitseffekt“).
Eine Trennung ist dabei umso wahrscheinlicher, je mehr die Frau im Verhältnis zum Mann verdient. Dieser destabilisierende Einfluss ist vor allem bei einem traditionellen Rollenverständnis, das den Ehemann als Alleinverdiener der Familie sieht, vorstellbar.
Laut einer Studie des Max-Planck-Institutes für demografische Forschung führt ein höheres Gehalt der Frau aber auch in der gleichberechtigten Gesellschaft Schwedens zu einem höheren Scheidungsrisiko. Die Wissenschaftler untersuchten bei allen Ehepaaren, die zwischen 1981 und 1998 geheiratet haben, ob und wie sich die berufliche Situation und das Einkommen der Partner auf den Fortbestand ihrer Beziehung auswirkt. Ausgenommen waren nur Bindungen, deren viel geringere Stabilität bekannt ist, wie beispielsweise Zweit- und Drittehen sowie Paare, die sich in sehr jungem Alter das Ja-Wort gaben. Trotz jahrzehntelanger Gleichstellungspolitik, die Zweiverdiener-Haushalte entschieden fördert, zerbrechen schwedische Ehen umso häufiger, je mehr die Frau zum gemeinsamen Einkommen beiträgt. So steigt das Scheidungsrisiko um das Doppelte, wenn nicht der Ehemann, sondern seine Gattin 80 Prozent des Familienunterhalts erarbeitet. Neben der finanziellen Absicherung im Falle einer Trennung könnten mit einem hohem Einkommen auch hohe Ansprüche seitens der Frau an die Qualitäten ihres Mannes verbunden sein, so die Autoren. Ehen geraten beispielsweise häufiger in Schwierigkeiten, wenn der Mann noch an traditionellem Rollenverhalten festhält, seine gut oder sogar besser verdienende Frau jedoch auf Arbeitsteilung im Haushalt drängt. Auch eine andere Sichtweise könnte nach Meinung der Wissenschaftler den positiven Zusammenhang zwischen Scheidungshäufigkeit und weiblichem Einkommen erklären: Verheiratete Frauen, die privat mit ihrer Beziehung unzufrieden sind, zeigen sich motivierter im Beruf und klettern dadurch die Karriere- und Einkommensleiter hinauf.
Partnerschaften, die insgesamt über weniger Geld verfügen, haben in Schweden einen schwereren Stand. So senkt sich das Scheidungsrisiko eines Paares um 21 Prozent von der niedrigsten zur höchsten Einkommensklasse. Weniger finanzielle Sorgen können zu einer besseren Lebensqualität und damit zu einer stabileren Beziehung führen, so die Autoren. ic Autoren: Guiping Liu und Andres Vikat Quelle: Liu G, Vikat A (2004). Does divorce risk depend on spouses' relative income? A register-based study of first marriages in Sweden in 1981-1998. MPIDR Working Paper WP 2004-010. Weitere Artikel zu Skandinavien:
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