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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Wildnis statt Wirtschaftsförderung auf dem verlassenen Land?

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Die Angleichung der Lebensverhältnisse in städtischen und ländlichen Regionen galt bisher als unbestrittenes Ziel der Politik. Doch weil die Bemühungen der Wirtschaftsförderung häufig scheitern und die Landwirtschaft ihre integrierende Kraft für den ländlichen Raum verliert, fordern Eva Barlösius und Claudia Neu eine neue Diskussion über die künftige Entwicklung von peripheren ländlichen Räumen: Große Landschaftsparks oder naturbelassene Wildnis könnten die Strukturförderung als Konzept ablösen.

Im ersten Moment klingen solche Ideen ketzerisch: Das Land an die Natur zurückgeben, Weiden für Wildpferde statt Gewerbegebiete schaffen oder ganze Landstriche zu hübschen Freizeitgebieten umgestalten. Denn schlussendlich bedeutet dies die Abkehr vom grundgesetzlich verankerten Ziel der Angleichung der Lebensverhältnisse. Doch angesichts der vergeblichen Versuche der Wirtschaftsförderung und dem bevorstehenden Rückgang der EU-Agrarsubventionen stellt sich die Frage: Was soll mit den entleerten und landwirtschaftlich unattraktiven Gebieten in Zukunft geschehen?

 

Während in Deutschland die Diskussion um alternative Landnutzungskonzepte erst beginnt, ist man vor allem in Frankreich wegen des größeren Problemdrucks schon wesentlich weiter – in einigen Regionen sind die alternativen Pläne bereits Wirklichkeit geworden. In Anlehnung an die französische Diskussion lassen sich dabei im wesentlichen drei Varianten unterscheiden: Die Umgestaltung landwirtschaftlicher Flächen in Landschaftsparks, die Verwilderung der Natur oder ein Mittelweg aus Wildnis und konventioneller Landwirtschaft.

 

1. Der Landschaftspark soll keine verwahrloste Natur sein, sondern durch gezielte Eingriffe und Gestaltung zu einem Gebiet werden, das Erholung und Genuss ermöglicht. Diese Umnutzung könnte Erholungsurlauber, Freizeitsportler oder Golfer anlocken und so einen auf Tourismus basierenden ökonomischen Neuanfang bringen. Allerdings ist zu befürchten, dass sich hinter dem Label Landschaftspark die Idee eines übergroßen Disneylands verbirgt.

 

2. Wildnis wagen bedeutet, das Terrain der Natur zu überlassen, so dass die Flächen zunächst brach liegen und dann zu einem Urwald verwildern würden. Die Wildnis liegt beim modernen Menschen zwar im Trend, weil sie als wohltuend für die Seele gilt – doch diese Sehnsucht will man gewöhnlich im Urlaub stillen, und nicht vor der eigenen Haustür. Die Bewohner werden den Prozess deshalb meistens als Preisgabe der Kulturlandschaft und als Verlust erleben.

 

3. Der so genannte Prozessschutz zielt auf die Erhaltung einer möglichst naturbelassenen Landschaft, wobei in manchen Fällen auch die Bewirtschaftung einen Platz findet. Die naturnahe Forstbewirtschaftung variiert mit traditionellen Weidelandschaften und anderen Flächen, die mit Gras fressenden Tieren wie Heckrind oder Wildpferd besiedelt werden.

mh


Autoren: Eva Barlösius, Claudia Neu

Quelle: Eva Barlösius, Claudia Neu: „Die Wildnis wagen?“, Berliner Debatte Initial 12 (2001) 6, Seite 65ff



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