Welche Regionen gemeint sind, wenn von Verödung gesprochen wird, lässt sich am Beispiel Frankreichs zeigen. Dort werden vier räumlich-geographische Zonen unterschieden, vom „urbanen Zentrum“ bis zu den „ländlich dominierten Gebieten“. Letztere werden als „französische Wüste“ bezeichnet. Diese Regionen sind weitgehend isoliert, größere Städte sind nur schwer zu erreichen. Obwohl die Bewirtschaftung des Bodens schwierig ist, dominiert die landwirtschaftliche Produktion. Die Bevölkerung ist überaltert, weil bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts massiv Abwanderung stattfindet. Eine öffentliche Infrastruktur und soziale Dienste können deshalb kaum noch aufrechterhalten werden. In Frankreich treffen diese Charakterisierungen auf rund 40 Prozent der Fläche zu.
Dass solche Regionen den Anschluss an die städtischen Lebensstandards doch noch schaffen, wird immer unwahrscheinlicher. Eine Wiederbelebung wäre nur möglich, wenn ausreichend Arbeitsplätze für die Bewohner entstehen. Doch alle Versuche, das machen die Autorinnen deutlich, sind dazu in Ostdeutschland trotz milliardenschwerer Investitionen weitgehend gescheitert. Die Idee, kleine und mittelständische Betriebe zu stärken, zeigte kaum Wirkung, davon zeugen die hohe Arbeitslosigkeit und zahllose verwaiste Gewerbeparks. Auch das Lieblingskind der Strukturförderung, die Neuen Medien, brachte nicht den gewünschten Erfolg. Unter den 15 führenden IuK-Regionen ist keine einzige ostdeutsche zu finden. Die im ländlichen Raum dominierende Landwirtschaft kann zu einer ökonomischen Entwicklung nicht mehr beitragen. Durch die Liberalisierung des Agrarmarkts und die EU-Osterweiterung wird der Druck auf die Landwirte noch weiter zunehmen.
Eine Wiederbesiedlung verlassener Dörfer, etwa mit sozial schwachen Stadtbewohnern, wurde zwar zum Beispiel in Irland relativ erfolgreich praktiziert, allerdings wäre auch bei solchen Maßnahmen eine Integration nur über den Arbeitsprozess möglich.
mh