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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Obergrenze der Lebenserwartung nicht in Sicht

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Ist eine Obergrenze der Lebenserwartung bald erreicht? Die Vorstellung von einer unüberwindlichen, festen Obergrenze der Lebenserwartung scheint fest in den Köpfen der Menschen verankert. Demografische Analysen von Jim Oeppen und James Vaupel aus dem MPIDF zeigen jedoch, dass eine solche Obergrenze weder erreicht noch in Sichtweite ist. Wir werden immer älter und der Alterungsprozess erweist sich als plastisch. Die Lebenserwartung wird weiter steigen – mehr als offizielle Prognosen erwarten lassen. Das hat Konsequenzen für private Planungen in Hinblick auf die Gestaltung des Ruhestands und für die Planungen der sozialen Sicherungssysteme.

Jim Oeppen und James Vaupel untersuchten die jeweils höchsten Lebenserwartungen, die in den vergangenen 160 Jahren weltweit erreicht wurden. Sie konnten zeigen, dass die Lebenserwartung von Frauen in dem jeweils Rekord haltenden Land in diesem Zeitraum stetig um fast drei zusätzliche Lebensmonate pro Jahr gestiegen ist. Waren es 1840 noch die Schwedinnen, die die Rekordlebenserwartung von 45 Jahren erreichten, so stehen heute die Japanerinnen mit 85 Lebensjahren an der Spitze. Der Anstieg der maximalen Lebenserwartung über die Zeit erweist sich als erstaunlich regelmäßig und linear. Ausschlaggebend für den Anstieg der Lebenserwartung war und ist ein komplexes Zusammenspiel von wirtschaftlichen Entwicklungen, sozialen Errungenschaften und medizinischen Fortschritten.

 

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Abb 1: Lebenserwartung der Frauen in dem jeweils rekordhaltenden Land seit 1840 bis heute (grau) und die Lebenserwartung von Frauen in Deutschland im Vergleich (blau)

Je höher die beobachtete Lebenserwartung stieg, desto unvorstellbarer wurde es, dass sich dieser Anstieg immer weiter fortsetzen würde. Die verbreitete Annahme des unausweichlichen Ablaufens einer Sanduhr, die zwar vorzeitig abgebrochen, jedoch nicht während des Ablaufens nachgefüllt werden kann, durchdringt bis heute auch wissenschaftliche Erklärungen der Langlebigkeit. Einige Experten führen biologische Hürden und praktische Hindernisse ins Feld, um diese Vorstellung einer unüberwindlichen, natürlichen Obergrenze zu untermauern, die jedem weiteren Anstieg ein Ende setzen wird. Die von Experten festgelegten Obergrenzen der Lebenserwartung konnten in der Vergangenheit jedoch wiederholt widerlegt werden – durch die Wirklichkeit.

 

Die Wissenschaftler machen deutlich, dass ein Abflachen des Anstiegs der Lebenserwartung nicht auszumachen ist. Setzt sich der beobachtete Trend fort, wird die Rekordmarke von 100 Jahren bereits innerhalb der kommenden 60 Jahre überschritten sein.

 

Dies berücksichtigt so gut wie keine der offiziellen Prognosen. Diese gehen stattdessen von vorsichtigen und konservativen Annahmen zum weiteren Anstieg der Lebenserwartung aus. Die offiziellen Prognosen aber werden Berechnungen des Renten- und Gesundheitssystems sowie anderen Planungen unseres Sozialwesens zugrunde gelegt. Zudem ist bei einer steigenden Lebenserwartung mit einer Zunahme an Hochbetagten zu rechnen, deren Versorgung, Betreuung und Pflege die Gesellschaft vor große Herausforderung stellen wird. Vorsichtige Prognosen erlauben daher Politikern, zwingend notwendige, schmerzhafte Reformen der Sozialsysteme aufzuschieben.

kgk


Autoren: Jim Oeppen, James W. Vaupel

Quelle: Oeppen J, Vaupel JW, 2002: Broken limits to life expectancy. Science 296, 1029-1031.



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