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Das letzte Lebensjahr eines Menschen ist in punkto Gesundheit das teuerste. Für sehr alte Menschen wird in ihren letzten Lebensmonaten aber deutlich weniger ausgegeben als für junge. Dies zeigen Versichertendaten, die Hilke Brockmann, Juniorprofessorin für Sozialwissenschaften an der Universität Bremen, für das MPIDF ausgewertet hat.
Zunehmendes Alter wird allgemein mit steigenden Gesundheitskosten assoziiert. Betrachtet man jedoch die individuellen Gesundheitsausgaben im Laufe des Lebens, so zeigt sich, dass weniger das Lebensalter als vielmehr der nahende Tod der entscheidende Kostentreiber ist.
Die Behandlung todkranker Patienten in ihrem letzten Lebensjahr übersteigt die Ausgaben für solche, die mindestens ein weiteres Jahr überleben, um ein Vielfaches. Bemerkenswerterweise schließt sich mit zunehmendem Alter die Kostenschere zwischen Sterbenden und Überlebenden. Patienten, die ein sehr hohes Alter erreichen, erhalten wesentlich seltener teure Therapien als z.B. Menschen im Erwerbsalter. Dies belegen repräsentative Daten der größten deutschen Krankenversicherung AOK.
Ausgewertet wurden die Krankenhauskosten von insgesamt über 2,5 Mio. Mitgliedern der AOK-Ortsgruppen Thüringen (Ost) und Westfalen-Lippe (West) aus dem Jahr 1997. Danach betragen beispielsweise die Krankenhausrechnungen der im Berichtsjahr verstorbenen westdeutschen Frauen in der Altersklasse 20 bis 49 im Vergleich zu ihren überlebenden Altersgenossinnen nahezu das Vierfache. Für verstorbene jüngere Männer wurde rund dreimal so viel ausgegeben wie für überlebende. Ab ca. 60 Jahren fallen die Ausgaben für verstorbene Patienten nahezu linear und liegen mit 85 Jahren (Ost) bzw. 90 Jahren (West) gleichauf mit denen von überlebenden. Die Ausgaben für überlebende Patienten steigen dagegen zunächst an. Für Männer erreichen sie ihren Höhepunkt in den 60ern, für Frauen in ihren 70ern. Danach entwickeln sich jedoch, anders als oft vermutet, auch hier die Ausgaben rückläufig. Insgesamt wird für die Behandlung eines 90-Jährigen nicht einmal halb so viel ausgegeben, wie beispielsweise für einen Patienten zwischen 65 und 69 Jahren. Der Kostenunterschied lässt sich nur teilweise damit erklären, dass hochbetagte Menschen seltener an teuren Krankheiten wie z.B. Krebs leiden. Tatsächlich erhalten sie, wie die ausgewerteten Daten zeigen, bei gleicher Diagnose in der Regel weniger kostenintensive Therapien. Ob dies tatsächlich die Präferenzen hochbetagter Patienten widerspiegelt, die möglicherweise aggressive und damit kostspielige Behandlungsmethoden scheuen, ist empirisch nicht erforscht. Die Ergebnisse der Studie legen vielmehr nahe, dass an deutschen Krankenhäusern inoffiziell Altersrationierung praktiziert wird. KvE Autor: Hilke Brockmann Quelle: Brockmann, H. 2002: Why is less money spent on health care for elderly than for the rest of the population? Health care rationing in German hospitals. In: Social Science & Medicine 55 (2002), S. 593 – 608 siehe dazu auch die Debatte: Alters-Limits in der medizinischen Versorgung? |
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