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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Kinderbetreuung und Sozialstruktur

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Das Geburtenverhalten in einem Land wird auch davon beeinflusst, wie dort das Kinderbetreuungssystem organisiert ist. In Deutschland – anders als etwa in den USA oder in Schweden - gibt es zwar im Kindergartenalter ein Teilzeit-betreuungsangebot, aber für andere Altersgruppen oder für eine Ganztagsbetreuung stehen nur wenige Plätze zur Verfügung. Aufschlussreich ist, wie unterschiedlich die Teilzeit- und Ganztagsbetreuung von unterschiedlichen sozialen Gruppen genutzt werden.

In Deutschland, wo es seit 1996 den Rechtsanspruch auf einen Halbtagsbetreuungsplatz im Kindergarten gibt, soll die öffentliche Kinderbetreuung nicht in erster Linie eine Berufstätigkeit der Mutter ermöglichen und die Geschlechtergleichheit auf dem Arbeitsmarkt fördern. Im Vordergrund steht die sozialisationsergänzende Funktion, vor allem des Kindergartens. Dieser wurde im Jahr 1998 von 80 bis 90 Prozent der Kinder besucht. In Westdeutschland werden weniger als zehn Prozent, in Ostdeutschland zwischen 30 und 50 Prozent der Kinder in einer Kinderkrippe oder in einem Schülerhort betreut.

 

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Das Kinderbetreuungssystem wird jedoch keineswegs gleichmäßig genutzt, sondern es bestehen soziale Unterschiede in der Nutzung. Wie schon vorhergehende Studien gezeigt haben, bestätigt sich erneut eine unterdurchschnittliche Nutzung des Kindergartens durch Kinder ausländischer Herkunft. Es kristallisiert sich ebenfalls heraus, dass Kinder gut ausgebildeter Frauen häufiger Kindertageseinrichtungen besuchen. Der Krippen- und Hortbereich, also Betreuungseinrichtungen für Klein- und Schulkinder, wird in Westdeutschland vor allem von unverheirateten Eltern genutzt.

 

In marktliberalen Ländern wie beispielsweise in den USA ist Kinderbetreuung fast ausschließlich privat-gewerblich organisiert und es erhält nur derjenige eine qualitativ hochwertige Betreuung für sein Kind, der sich dies leisten kann. In sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaaten wie Schweden hingegen gibt es ein umfassendes öffentliches Kinderbetreuungssystem. In beiden Ländern werden deutlich mehr Kinder geboren als in Deutschland.

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Quelle: Michaela Kreyenfeld: "Sozialstruktur und Kinderbetreuung", MPIDR Working Paper WP 2004-009.


Michaela Kreyenfeld: "Soziale Ungleichheit und Kinderbetreuung. Eine Analyse der sozialen und ökonomischen Determinanten der Nutzung von Kindertageseinrichtungen", in: Becker, R.; Lauterbach, W. (Eds.): "Bildung als Privileg? Erklärungen und Befunde zu den Ursachen von Bildungsungleichheit", Verlag für Sozialwissenschaften, 99-125.



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