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Während die Sterblichkeit im hohen Alter insbesondere dank des medizinischen Fortschritts kontinuierlich sinkt, bleiben die Selbstmordraten konstant und liegen nach wie vor weit über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Für Männer ist das Selbstmordrisiko mit über 80 mehr als doppelt so hoch wie in mittleren Jahren. Dies zeigen Daten aus Dänemark, die Annette Erlangsen, heute Assistant Professor am National Center for Register-based Research in Aarhus (DK), ausgewertet hat. Die Befunde sind in groben Zügen auch auf Deutschland übertragbar.
Über 17.700 Menschen im Alter von 50 oder mehr Jahren begingen von 1972 bis 1998 in Dänemark Selbstmord. Die Daten stammen aus dem Selbstmordregister des Centers for Suicide Research in Odense, Dänemark. Setzt man (getrennt nach Geschlecht) für jedes Kalenderjahr die Zahl der Selbstmorde pro Altersgruppe ins Verhältnis zur jeweiligen Gesamtzahl aller Personen in diesem Alter, ergibt sich für jede Altersgruppe eine jährliche, alters- und geschlechtsspezifische Selbstmordrate. Es zeigt sich, dass Männer über 80 mit Abstand das höchste Selbstmordrisiko haben. In den letzten zwanzig Jahren lag es relativ konstant bei 65 Fällen pro 100.000 Personen in dieser Altersklasse. In den Altersgruppen 50 – 64 und 65 – 79 Jahre ging die Zahl der Selbstmorde im gleichen Zeitraum stark zurück und liegt heute bei jeweils 30 Fällen pro 100.000. Bei Frauen ist die Selbstmordgefahr deutlich geringer und liegt in den jüngeren Altersklassen als Folge eines langjährigen deutlichen Abwärtstrends heute jeweils bei etwa 15 pro 100.000. Die Selbstmordquote der über 80-Jährigen liegt etwas höher, ein Abwärtstrend ist hier erst seit wenigen Jahren zu erkennen.
Ausgeprägte Unterschiede ergibt die Auswertung nach Familienstand. Verwitwete und geschiedene Männer über 80 sind mit einer Rate von 120 pro 100.000 mit Abstand am stärksten selbstmordgefährdet. Verheiratete Männer und Frauen haben im allgemeinen die geringste Selbstmordquote. Bemerkenswerterweise steigt aber das Risiko bei beiden Geschlechtern mit zunehmendem Alter deutlich an und zwar sowohl bei Männern, als auch bei Frauen. Der vorbeugende Effekt einer Ehe schwächt sich offenbar im hohen Alter ab.
Fazit: Die Selbstmordrate Hochbetagter verharrt auf hohem Niveau. Obwohl ein höherer Lebensstandard, medizinischer Fortschritt und Pflegeangebote die Sterblichkeit in dieser Altersklasse in den letzten Jahrzehnten deutlich reduziert haben, empfinden offenbar gleichbleibend viele alte Menschen ihre Lebensumstände als unbefriedigend und ziehen es vor, freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Ein deutlicher Trend zu entschiedenen Selbstmord-Methoden mit äußerst geringen Überlebenschancen (Hängen, Springen, Erschießen), lässt vermuten, dass die tatsächliche Tötungsabsicht bei Hochbetagten deutlich ausgeprägter ist, als bei jüngeren, die möglicherweise unterschwellig auf Rettung hoffen. Alleinstehende Männer, insbesondere Witwer und Geschiedene sind besonders gefährdet, aber auch bei Ehepaaren steigt die Selbstmordquote im Alter dramatisch an. Denkbar ist, dass schwere körperliche Leiden in dieser Altersgruppe einen besonders starken Einfluss auf das Selbstmordrisiko haben. Einen empirischen Beleg könnten zukünftige Studien liefern. KvE Autor: Annette Erlangsen Quelle: Erlangsen, A; Bille-Brahe, U; Jeune, B, 2003: Differences in Suicide between the old and the oldest old. Journal of Gerontology: Social Sciences 2003, Vol. 58B, No. 5, S. 314 – 322. |
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