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Mehr Kinder auf dem Lande – wie der Wohnort das Geburtenverhalten prägt

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Wer umzieht, passt sein Geburtenverhalten den vorherrschenden Mustern in seinem neuen Umfeld an. Hill Kulu vom MPIDF zeigt mit seiner Untersuchung der Migrationsbewegungen innerhalb Estlands, dass sich in allen Siedlungsformen die Geburtenraten von ansässigen und zugezogenen Bewohnern gleichen. Der Herkunftsort der Eltern spielt bei der Familienplanung keine Rolle.

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Allgemein gilt in Estland: Die Wahrscheinlichkeit des Kinderkriegens ist abhängig von der Größe des Wohnorts. Je kleiner die Siedlung, desto höher die Fertilität. Paare in der Großstadt bekommen 20 Prozent seltener ein erstes Kind als Landbewohner, die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Kinds ist sogar 41 Prozent geringer als in den ländlichen Gebieten. Diese Unterschiede gelten in Estland sowohl für Ansässige als auch für Zugezogene aus anderen Teilen Estlands, sofern der Umzug erst nach ihrem 14. Lebensjahr stattgefunden hat. Auch wer einen großen Teil seines Lebens in der Stadt verbracht hat, passt sich nach dem Umzug auf das Land dem dortigen Geburtenverhalten an, und umgekehrt. Unmittelbar nach dem Umzug auf das Land ist bei den Zugezogenen die Geburtenrate zwar noch höher als bei den angestammten Dorfbewohnern. Das liegt aber daran, dass viele Ortswechsel von der Stadt ins Dorf gerade wegen einer Familiengründung stattfinden. Langfristig gleichen sich die Fertilitätsmuster an, wie auch zusätzliche Studien in Österreich und Polen bestätigen.

Erklären lässt sich diese Anpassung sowohl durch materielle als auch durch kulturelle Faktoren. Die Lebenshaltungskosten und insbesondere die Wohnsituation begünstigt auf dem Land die Gründung einer Familie im Vergleich zur teureren Großstadt. Wer aus einer ländlichen Gegend in die Stadt zieht, wird oft ein Einfamilienhaus gegen eine kleinere Wohnung eintauschen müssen. Diesen neuen Bedingungen passt der neue Stadtbewohner seine Familienplanung an. Gleiches gilt im umgekehrten Sinn für den Stadtflüchtigen, der nun mit einem größeren Haus auch mehr Raum für Kinder hat. Der zweite Grund für die Anpassung des Fertilitätsverhaltens sind die unterschiedlichen Kulturen von Stadt und Land. Durch den Kontakt zu Freunden und Bekannten nehmen Städter nach dem Umzug die traditionelle, familienorientierte Kultur auf dem Land an, während andererseits Landbewohner in der Stadt ein moderneres Geburtenverhalten erlernen.

 

Trotz einiger Besonderheiten Estlands gelten die Ergebnisse dieser Studie auch für andere Länder.

mh


Autor: Hill Kulu

Quellen:

Hill Kulu: „Migration and Fertility: Competing Hypotheses Re-examined“, in: European Journal of Population (2005) 21, S. 51ff.

 

Kulu, H. 2006. "Fertility of internal migrants: comparison between Austria and Poland". Population, Space and Place (2006) 12, S. 147ff.


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