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Die skandinavischen Länder fördern seit Jahrzehnten die Gleichstellung von Mann und Frau. Dennoch spielt das Geschlecht der Kinder eine wichtige Rolle. Während Eltern in Finnland Söhnen den Vorzug geben, stehen in Norwegen, Schweden und Dänemark Töchter höher im Kurs. Die Wahrscheinlichkeit, einen Sohn oder eine Tochter auf die Welt zu bringen, ist beim Menschen von Natur aus in etwa gleich. Deutliche Vorlieben für Kinder eines bestimmten Geschlechts sind aber nicht selten. Traditionell hängt das Familienglück in vielen Ländern von der Geburt eines männlichen Stammhalters ab.
Welche Rolle das Geschlecht des Nachwuchses in einer modernen, gleichberechtigten Gesellschaft spielt, zeigt eine gemeinsame Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung, der Universität Mannheim und des Statistischen Zentralamtes Norwegen. Vergleichend für vier skandinavische Länder (Finnland, Norwegen, Schweden und Dänemark) untersuchten die Wissenschaftler, ob das Geschlecht älterer Geschwister die Entscheidung der Eltern, ein weiteres Kind in die Welt zu setzen, beeinflusst.
Zweifache Eltern in Skandinavien wünschen sich mindestens einen Sohn und eine Tochter. So ist die Neigung, ein drittes Mal Nachwuchs zu bekommen, dann am größten, wenn die ersten beiden Kinder gleichen Geschlechts sind. Ob es sich dabei um zwei Jungen oder zwei Mädchen handelt, sei auch von Bedeutung für das weitere Geburtenverhalten, so die Autoren. Bei Schweden, Dänen und Norwegern stehen seit mehr als 20 Jahren Töchter ganz oben auf der Wunschliste. Kommen zunächst zwei Brüder auf die Welt, ist eine erneute Schwangerschaft um fast zehn Prozent wahrscheinlicher als bei Familien mit zwei Mädchen. Nur den Finnen sind Söhne willkommener; in diesem Land entscheiden sich Eltern am häufigsten für ein drittes Kind, wenn die Erstgeborenen Töchter sind.
Skandinavische Politik fördert seit Jahrzehnten die Gleichberechtigung von Mann und Frau in allen Lebensbereichen. Aber dieses hohe Maß an Chancengleichheit, folgern die Wissenschaftler in ihrer Studie, bedeutet nicht ohne weiteres, dass Eltern dem Geschlecht ihres Nachwuchses präferenzlos gegenüber stehen. Im Gegenteil, die hohe weibliche Beschäftigungsquote in Skandinavien könnte erklären, warum Dänen, Schweden und Norweger seit mehr als zwei Jahrzehnten weiblichen Nachwuchs bevorzugen. Mit Töchtern, die ein eigenes Einkommen haben, können Eltern im Alter auf jemanden hoffen, der sie besucht, umsorgt und auch finanziell unterstützt. Warum in Finnland der Wunsch nach einem Sohn besonders groß ist, wissen die Wissenschaftler bislang nicht. Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten entwickelte sich Finnland erst spät, aber sehr schnell zu einer Industrienation; die Vorliebe für männlichen Nachwuchs könnte ein Ausdruck noch bestehender traditioneller Werte im Land sein. ic Autoren: Gunnar Andersson, Karsten Hank, Marit Rønsen & Andres Vikat Weitere Artikel zu Skandinavien:
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