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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Klassisches Rollenverhalten trotz hohen Bildungsniveaus

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In Westdeutschland dominiert selbst bei Frauen mit Universitätsabschluss das klassische Rollenmodell: Wenn es um die Entscheidung für ein zweites Kind geht, zählen die hochqualifizierten Mütter nicht auf ihre eigenen Einkünfte, entscheidend ist das Ausbildungsniveau und die Verdienstmöglichkeit des Mannes. In Frankreich dagegen bleiben die Frauen mit Uni-Abschluss auch beim zweiten Kind häufiger berufstätig und verlassen sich so auf ihre eigenen Ressourcen.

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Auf den ersten Blick wirkt sich der Bildungsgrad auf die Häufigkeit eines zweiten Kindes in Westdeutschland und Frankreich ähnlich aus: In beiden Ländern bekommen diese Mütter 20 Prozent öfter ein weiteres Baby als Frauen mit mittlerem oder geringem Ausbildungsniveau. Auffallend ist in Westdeutschland dabei allerdings die Polarisierung zwischen dem hohen Anteil von Frauen, die gar keine Kinder haben, und denen, die mindestens zwei zur Welt bringen. Diese Tendenz unterstützt die These, dass Frauen hierzulande wegen der mangelnden staatlichen Unterstützung, etwa bei der Kinderbetreuung, eine klare Entscheidung treffen müssen: Entweder sie arbeiten und verzichten auf eine Familie – oder sie bekommen Kinder und bleiben dann Zuhause. In Frankreich, wo die Vereinbarkeit von Kind und Karriere deutlich einfacher ist, lässt sich diese Polarisierung nicht feststellen.

Französische Frauen mit Universitätsabschluss werden viel besser in den Arbeitsprozess integriert und treffen daher die Entscheidung über die Zahl der gewünschten Kinder unabhängig von Bildungsabschluss und Einkommen ihres Mannes. Das nötige Geld für die Versorgung der Familie verdienen sie selbst. Diese materielle Sicherheit und die geringen Opportunitätskosten der Kindererziehung führen dazu, dass hochqualifizierte Französinnen 50 Prozent häufiger ein zweites Kind bekommen als Frauen mit mittlerem Bildungsabschluss. Ganz im Gegensatz zu Deutschland: Der weiter oben erwähnte scheinbare positive Effekt eines höheren Ausbildungsniveaus verschwindet, wenn man den Bildungsstand des Partners in die Auswertung einbezieht. Dann zeigt sich, dass tatsächlich nur dieser für die Häufigkeit eines zweiten Kindes relevant ist. Frauen, die selbst eine hervorragende Ausbildung haben, bekommen nur dann häufiger ein zweites Kind, wenn der Partner ebenfalls einen Universitätsabschluss und damit ein gutes Einkommen hat. Trotz der steigenden Erwerbstätigkeit von Frauen in Westdeutschland fungiert der Mann offenbar noch immer als Ernährer der Familie. Seine ökonomische Situation ist entscheidend.

mh


Autor: Katja Köppen

Quelle: Katja Köppen: „The compatibility between work and family life – an empirical study of second birth risks in West Germany and France“, MPIDR Working Paper WP 2004-015, Mai 2004

http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2004-015.pdf



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