|
||||||||||||||||||||||
|
Mit zunehmendem Alter sinkt unsere körperliche und geistige Leistungsfähigkeit - im Berufsleben ein klarer Nachteil. Dafür gewinnen wir im Laufe der Jahre an Berufserfahrung. Leisten wir mit 50 tatsächlich weniger als unsere 30-jährigen Kollegen? Vegard Skirbekk, vom International Institute for Applied Systems Analysis, Laxenburg (Österreich) fasst zentrale Forschungsergebnisse zusammen.
Wie gut wir unsere Arbeit erledigen, hängt maßgeblich von unseren mentalen Kapazitäten und der persönlichen Berufserfahrung ab. Dass wichtige kognitive Fähigkeiten wie Gedächtnisleistung und Lernvermögen bereits im frühen Erwachsenenalter ihren Höhepunkt erreichen und danach progressiv abfallen, ist wissenschaftlich unumstritten. Umgekehrt hat zunehmende Berufserfahrung zunächst einen positiven Einfluss auf die Produktivität, allerdings nur bis zu einem gewissen Punkt. Wie verschiedene Studien zeigen, führt eine längere Betriebszugehörigkeit je nach Branche und Beruf früher oder später nicht mehr zu Produktivitätssteigerungen. Erschwerend kommt hinzu, dass der technische Fortschritt persönliche Erfahrungen heute schnell entwertet. In vielen Branchen benötigen Arbeitnehmer deshalb vor allem ein hohes Lern- und Anpassungsvermögen – Eigenschaften, die tendenziell eher Jüngere aufweisen. Ein negativer Zusammenhang zwischen Alter und Arbeitsleistung liegt deshalb nahe. Wissenschaftliche Untersuchungen aus verschiedenen Bereichen, z.B. der Arbeitsökonomie oder Sozialpsychologie, kommen bei unterschiedlicher Methodik zu entsprechenden Ergebnissen:
1. Die Bewertung durch Vorgesetzte ergibt zwar oft keinen eindeutigen Zusammenhang zwischen Alter und Produktivität. Es ist jedoch zu vermuten, dass Führungskräfte langjährige, loyale Mitarbeiter oft zu positiv bewerten. Kollegen bewerten die Leistungsfähigkeit älterer Betriebsangehöriger dagegen deutlich kritischer.
Kritisch anzumerken bleibt, dass alle Untersuchungsmethoden spezifische Schwächen aufweisen und sich nicht pauschal auf alle Berufe übertragen lassen. So erweisen sich bestimmte Kopfleistungen als relativ altersstabil. Dazu zählen z.B. verbale Fähigkeiten oder prozessorientiertes Wissen zur Bewältigung von Routineaufgaben. Dort, wo diese Fähigkeiten entscheidend für den beruflichen Erfolg sind, fällt das Leistungsniveau im Alter nicht ab. Das gilt z.B. auch für viele Führungskräfte. Schwer messbare Qualitäten wie Führungskompetenz, soziale Netzwerke oder hohe Arbeitsmoral werden zudem tendenziell eher Älteren zugeschrieben. Umgekehrt besteht die Gefahr, dass ältere Arbeitnehmer durch methodische Probleme bei der Auswahl systematisch überschätzt werden. Unterstellt man, dass leistungsschwache Mitarbeiter früher aus dem Erwerbsleben ausscheiden, handelt es sich bei den älteren Arbeitnehmern in einem Betrieb um eine vorselektierte Gruppe, deren Leistungsniveau über dem Altersdurchschnitt liegt.
Fazit: Der Zusammenhang zwischen Alter und persönlicher Produktivität ist vielschichtig. Trotz methodischer Probleme spricht jedoch vieles dafür, dass die persönliche, berufliche Leistung ab den mittleren Jahren abnimmt. Bei Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung einer alternden Gesellschaft oder zukünftigen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen sind altersbedingte Produktivitätsverluste deshalb einzukalkulieren. KvE Autor: Vegard Skirbekk Quelle: Skirbekk, V., 2004: Age and Individual Productivity: A Literature Survey, in: Feichtinger, G: Vienna Yearbook of Population Research 2004, Wien. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, S. 133-153 Weitere Artikel zu Alterung und Arbeitsmarkt:
|
|
||||||||||||||||||||