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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Familienfreundliches Frankreich

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Abbildung 1

Frankreich gilt als familienpolitisches Musterland: Dort gibt es nicht nur eine besonders hohe Frauenerwerbsquote, sondern gleichzeitig auch eine deutlich höhere Geburtenrate als in anderen europäischen Staaten. Der Konflikt zwischen Familie auf der einen und Karriere auf der anderen Seite wird durch staatliche Maßnahmen zur Kinderbetreuung und finanzielle Beihilfen wesentlich besser entschärft als in Deutschland.

 

Die seit vielen Jahren sinkenden Geburtenraten in den europäischen Ländern wurden meist mit der veränderten gesellschaftlichen Rolle der Frau und deren zunehmender Integration in den Arbeitsprozess erklärt. Doch inzwischen zeigen Länder wie Frankreich, dass dieser Zusammenhang nicht zwangsläufig sein muss, wenn die Politik mit geeigneten Maßnahmen auf die Veränderungen reagiert.

Die Zahlen sprechen für sich: Frankreich hat nach Island und Irland mit 1,9 Kindern pro Frau die dritthöchste Fertilitätsrate in Westeuropa. Die deutsche Rate dagegen ist mit 1,4 eine der niedrigsten der Welt. Während hier rund ein Viertel der Frauen kinderlos bleiben, sind es in Frankreich lediglich zehn Prozent. Gleichzeitig sind in der Altersgruppe zwischen 25 und 54 Jahren aber 80 Prozent der Französinnen und nur 70 Prozent der deutschen Frauen erwerbstätig.

 

Eine Erklärung für diese Unterschiede sind die institutionellen Rahmenbedingungen. Das System der Kinderbetreuung ist in Frankreich sehr gut ausgebaut und erlaubt den Müttern, nach der Geburt problemlos in den Beruf zurückzukehren. Kinder zwischen drei und sechs Jahren werden zu 100 Prozent versorgt, von den Babys bis zu drei Jahren haben immerhin knapp ein Viertel einen Platz in privaten oder staatlichen Betreuungseinrichtungen. Der Schulunterricht ist im Unterschied zu Deutschland ganztägig. In Deutschland haben nur drei Prozent der Babys einen Platz in der Kinderkrippe, was wiederum der hierzulande gängigen Auffassung entspricht, dass Kinder im Babyalter bei der Mutter sein sollten.

 

Doch nicht nur die besseren und günstigeren Betreuungseinrichtungen machen es den französischen Frauen leichter, nach der Geburt wieder zu arbeiten. Auch die finanziellen Zuwendungen fördern eine baldige Rückkehr in den Beruf. Denn monetäre Anreize, nach dem ersten Kind Zuhause zu bleiben, sind in Frankreich geringer. Zuschüsse gab es – anders als in Deutschland – lange Zeit nur ab dem zweiten Kind. Erst 2004 wurde auch für das erste Kind eine stärkere monetäre Unterstützung eingeführt.

 

Darüber hinaus fördert das deutsche Steuersystem mit dem so genannten Ehegatten-Splitting verheiratete Paare, egal ob sie Kinder haben oder nicht. Besonders vorteilhaft ist das Modell, wenn nur einer der Partner arbeitet, was zu einer Stärkung der klassischen Rollenverteilung führt. Auch in Frankreich gibt es zwar das System des Ehegatten-Splittings – aber nur bei kinderlosen Paaren. Haushalte mit Kindern profitieren dagegen vom Familien-Splitting. Die Steuerlast wird im Verhältnis zur Anzahl der Kinder reduziert, unabhängig von den Beschäftigungsverhältnissen der Partner. Am höchsten ist die steuerliche Entlastung für Familien mit mindestens drei Kindern sowie für sehr einkommensstarke Haushalte.

mh


Autor: Katja Köppen

Quelle: Katja Köppen: "Second births in western Germany and France", Demographic Research 14:14, page 295-330, April 2006.

http://www.demographic-research.org/Volumes/Vol14/14/default.htm

 

Katja Köppen: „The compatibility between work and family life – an empirical study of second birth risks in West Germany and France“, MPIDR Working Paper WP 2004-015, Mai 2004.

http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2004-015.pdf


Katja Köppen: „Vereinbarkeit von Beruf und Familie – ein Vergleich zwischen Deutschland und Frankreich”, Diplomarbeit an der Uni Rostock, 2003


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