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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Alternde Erwerbsbevölkerung: Brauchen wir neue Lohnstrukturen?

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Während die Produktivität von Arbeitnehmern in späteren Jahren tendenziell sinkt, steigt das durchschnittliche Gehalt weiter an. Alternative, flexiblere Entlohnungssysteme stehen im Widerspruch zum deutschen Arbeits- und Tarifrecht. Zwingt uns die demografische Entwicklung zum Umdenken? Ein Diskussionsbeitrag von Vegard Skirbekk, International Institute for Applied Systems Analysis, Laxenburg Österreich.

Das Durchschnittsalter der deutschen Erwerbsbevölkerung und damit der Anteil älterer Arbeitskräfte steigt. Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen deuten daraufhin, dass ein negativer Zusammenhang zwischen Alter und Produktivität besteht. Auch wenn sich die Ergebnisse nicht pauschal auf alle Aufgabenbereiche übertragen lassen, darf man annehmen, dass die individuelle Arbeitsleistung in vielen Berufen spätestens ab 50 zurückgeht.

 

Die nachlassende Produktivität steht im Widerspruch zu steigenden Löhnen im Alter. Zahlen der OECD sowie das deutsche Sozio-Oekonomische Panel (SOEP) belegen, dass in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, die Spitzenverdiener in den Altersgruppen über 50 und 60 zu finden sind. Aus Firmensicht mag es dafür bisher gute Gründe geben, beispielsweise den Wunsch, Arbeitnehmer langfristig zu binden. Insbesondere im Management sind zudem oft Kompetenzen gefragt, die mit dem Alter nicht abnehmen. In einer jungen Gesellschaft spricht auch der sogenannte Leverage-Effekt (Hebeleffekt) für eine späte Lohnspitze. Vielen jungen Kräften mit einem günstigen Lohn-Leistungs-Verhältnis stehen hier relativ wenige teure Ältere gegenüber. In einer alternden Gesellschaft geht die Rechnung jedoch nicht mehr auf. Die im Verhältnis zur Produktivität überbezahlten Seniorkräfte sind hier in der Überzahl, was sich negativ auf das Unternehmensergebnis auswirkt.

 

Nicht nur auf betriebswirtschaftlicher Ebene werfen etablierte Lohn- und Gehaltsstrukturen angesichts der demografischen Entwicklung künftig Probleme auf. Es besteht auch die Gefahr, dass volkswirtschaftlich sinnvolle Programme für eine längere Erwerbsbeteiligung (Kürzungen beim Vorruhestand, Anhebung des Rentenalters) scheitern, solange Verdienst und Leistung älterer Arbeitnehmer auseinander klaffen. Industrienationen müssen sich mit möglichen Lösungen auseinandersetzen, um nicht die gesamtwirtschaftliche Entwicklung zu gefährden.

KvE


Autor: Vegard Skirbekk

Quelle: Skirbekk, V., 2004: Age and Individual Productivity: A Literature Survey, in: Feichtinger, G: Vienna Yearbook of Population Research 2004, Wien. Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, S. 133-153

http://www.demogr.mpg.de/papers/working/wp-2003-028.pdf



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