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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Tschechische Republik – Annäherung an den Westen

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Die Veränderungen von Geburtenraten und Familienformen in der Tschechischen Republik seit den 1990er Jahren sind mit Entwicklungen in westlichen Ländern vergleichbar. Das ist das Ergebnis einer Analyse, die in einer Kooperation des Population Research Centre der niederländischen Universität Groningen und des Department of Demography and Geodemography der tschechischen Karls-Universität in Prag entstand.

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Der Zusammenbruch des Sozialismus in den 1990er Jahren ging mit einem dramatischen gesellschaftlichen Wandel einher. So sank die Geburtenrate (Zusammengefasste Geburtenziffer) rapide auf eines der niedrigsten Niveaus weltweit, während das Alter von Frauen bei der Geburt des ersten Kindes stieg. Gleichzeitig gingen immer weniger Paare immer später vor den Traualtar. Als Folge nahm der Anteil alternativer Familienformen und nichtehelicher Kinder zu.

 

Unklar ist, welche Faktoren die enormen Veränderungen verursachten. Einige Experten vermuten, dass dieser Trend eine Folge ungünstiger ökonomischer Entwicklungen wie hohe Arbeitslosigkeit und Inflation darstellt und als ein Verhalten in Krisenzeiten interpretiert werden kann. Andere Wissenschaftler sehen in den Veränderungen eine kurzfristige Reaktion auf die politischen Entwicklungen ohne bleibenden Effekt.

 

Der Vergleich mit den Niederlanden unterstützt eine weitere Sichtweise, so das Ergebnis der Analyse. Demnach handelt es sich um eine Entwicklung, die in allen westlichen Gesellschaften seit den 1960er Jahren auftritt und als „Zweiter Demografischer Übergang“ bezeichnet wird. In diesem Sinne steckt hinter der Verhaltensänderung in der Bevölkerung ein allgemeiner Wandel von Idealen. Alle wesentlichen Elemente dieses Übergangs, wie etwa eine Verzögerung von Heirat und erster Geburt (Tempoeffekt), wurden in den 1990er Jahren – zwei Jahrzehnte nach den Niederlanden – auch in der Tschechischen Republik beobachtet. Diese Entwicklung ist dauerhaft und bleibt auch dann bestehen, wenn sich die ökonomischen Bedingungen wieder verbessern, folgern die Forscher.

ks


Autoren: Sobotka, T.; Zeman, K.; Kantorová, V.

Quelle:  „Demographic shifts in the Czech Republic after 1989: a second demographic transition view“, European Journal of Population, 19:3, 249-277


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