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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

105-Jährige auf dem Vormarsch

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Immer mehr Menschen erreichen ein außergewöhnlich hohes Alter. Die Zahl der über 105-Jährigen hat sich in Deutschland in den letzten zehn Jahren fast verdreifacht. Die wissenschaftliche Untersuchung des Phänomens der extremen Langlebigkeit gewinnt deshalb an Bedeutung. Heiner Maier und Rembrandt Scholz vom MPIDF in Rostock erläutern zentrale Forschungsfragen und -methoden.

Die Lebenserwartung der Deutschen ist im 20sten Jahrhundert um über 30 Jahre gestiegen. Weltweit hat sich die Rekordlebenserwartung – also die höchste in einem Land beobachtete Lebenserwartung – in den letzten 160 Jahren kontinuierlich erhöht. Im Jahr 1840 hielten Schwedinnen mit durchschnittlich 45 Jahren den Rekord, heute sind es Japanerinnen mit 85 Jahren. Der Zuwachs beträgt also 40 Jahre bzw. drei Monate pro Jahr.

Der stetige starke Aufwärtstrend wirft die Frage auf, ob und wenn ja wo es eine Obergrenze für die menschliche Lebenserwartung gibt. Prognosen dazu wurden bisher regelmäßig von der Realität übertroffen. Auch für die Annahme, dass sich der Zuwachs an Lebensjahren künftig verlangsamt, gibt es bisher keinen empirischen Beleg, eher scheint sich das Wachstum linear fortzusetzen. Ein kontinuierlicher Anstieg der Lebenserwartung hätte gravierende Folgen für die Politik und die persönliche Lebensplanung. Falsche Prognosen könnten z.B. Politiker dazu verleiten, dringend notwendige Reformen in der Arbeits-, Renten- und Gesundheitspolitik aufzuschieben, während der einzelne Bürger finanziell möglicherweise nicht ausreichend für ein unerwartet langes Leben vorsorgt.

Abbildung 2

Abb 2 Anzahl der Frauen und Männer, die im jeweiligen jahr 105 Jahre oder älter wurden, 1989 - 2002.

Treibende Kraft hinter der steigenden Lebenserwartung sind insbesondere verbesserte Überlebensraten im sehr hohen Alter. Die Gesetzmäßigkeiten der Sterblichkeit von höchstaltrigen Menschen sind für Alternsforscher deshalb von großem Interesse. Um zuverlässige Daten für ihre Studien zu gewinnen, arbeiten Wissenschaftler aus aller Welt derzeit am Aufbau einer internationalen Forschungsdatenbank. Die International Database on Longevity (IDL) enthält sorgfältig geprüfte Daten zu Personen im Alter von 105 Jahren oder mehr, darunter knapp 1.500 Deutsche in den letzten 15 Jahren. Das MPIDF führt dabei die Altersvalidierung für die deutschen Höchstaltrigen durch. Wichtigste Informationsquelle ist das Bundespräsidialamt, das als einzige Stelle zentral bundesweite Daten Hochbetagter sammelt. Zum 100sten Geburtstag gratuliert nämlich in Deutschland der Bundespräsident persönlich. Über eine Anfrage beim Standesamt am Geburtsort überprüfen die Rostocker Wissenschaftler für jeden beim Bundespräsidialamt erfassten Jubilar nochmals die Geburtsdaten. Die so validierten Daten werden in der IDL mit internationalen Informationen zusammengeführt und erlauben künftig neue, wissenschaftlich fundierte Aussagen zur Mortalität in den höchsten Altersstufen.

KvE


Autoren: Heiner Maier und Rembrandt Scholz

Quelle: Maier, H. und R.D. Scholz, 2003: Aktuelle Sterblichkeitsentwicklung und extreme Langlebigkeit. In CD-Rom „Max-Planck-Gesellschaft 2003: Tätigkeitsberichte, Zahlen, Fakten zum Jahrbuch 2003, Max-Planck-Gesellschaft (Hg.) Saur, München, S. 229-235
Darauf basierend:
Maier, H., Scholz, R., 2004: Immer mehr Menschen können 105. Geburtstag feiern. Studie zur Langlebigkeit der ältesten Deutschen, in Demografische Forschung aus erster Hand 1(2004)1, S. 4

http://www.demografische-forschung.org/archiv/defo0401.pdf



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