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Statistisch lässt sich ein Zusammenhang zwischen dem Geburtsmonat und der Chance auf ein langes Leben nachweisen. Doch nicht die Sterne beeinflussen unsere Lebensspanne, sondern die Lebensumstände in allerfrühester Kindheit. Gabriele Doblhammer, Demografin und Professorin an der Universität Rostock, beleuchtet mögliche Risiken. Bis heute wissen wir wenig darüber, warum manche Menschen 105 oder sogar 110 Jahre alt werden. Bessere Ernährung und Hygiene, höheres Einkommen und medizinischer Fortschritt haben zweifellos einen positiven Einfluss auf die Lebenserwartung. Neben äußeren und genetischen Faktoren scheinen jedoch auch die Lebensumstände wenige Monate vor und nach der Geburt mit über unsere Chancen auf einen 105ten Geburtstag zu entscheiden.
Eine Untersuchung der Geburtsdaten von über 1.300 Deutschen, die zwischen 1989 und 2002 das 105te Lebensjahr vollendet haben (Semi-Supercentenarians), legt diesen Zusammenhang nahe. Der Geburtsmonat dient dabei als Indikator für saisonal unterschiedliche Lebensbedingungen: Historisch schwanken insbesondere Nahrungsangebot und Infektionsrisiko im Jahresverlauf. So sind etwa frisches Obst und Gemüse im Winter Mangelware, Erreger lebensbedrohlicher Magen-Darm-Erkrankungen gedeihen vor allem im Sommer. Ein Vergleich der Semi-Supercentenarians mit sämtlichen von 1881 bis 1898 Geborenen zeigt tatsächlich saisonal schwankende Sterblichkeitsrisiken: Menschen, die im Dezember geboren wurden, erlebten überdurchschnittlich oft den 105ten Geburtstag (Wahrscheinlichkeit +16 Prozent), für Juni-Geborene lag die Wahrscheinlichkeit dagegen besonders niedrig (- 23 Prozent). Daten aus Dänemark, Österreich, den USA und Australien weisen ähnlich klare saisonale Muster auf. Nach der einflussreichen Fetal-Origins-Theorie begünstigen Ernährungsmängel im Mutterleib die spätere Anfälligkeit für chronische Krankheiten. Dies erklärt möglicherweise das erhöhte Sterblichkeitsrisiko von Menschen, die im späten Frühjahr nach einer langen Periode des Mangels geboren wurden. Allein kann der Einfluss der Ernährung im Mutterleib und in der frühsten Kindheit die Unterschiede in der Langlebigkeit jedoch nicht erklären. So wiesen z.B. Menschen die kurz vor, während oder nach einer schweren Hungerperiode geboren wurden, später keine signifikant unterschiedlichen Sterblichkeitsrisiken auf. In Verbindung mit der saisonabhängigen Infektionsgefahr erscheint ein Zusammenhang zwischen den Lebensumständen in frühester Kindheit und der Chance auf ein langes, gesundes Leben jedoch plausibel. Zahlreiche Studien belegen den negativen Einfluss von früheren Infektionen auf das spätere Risiko chronischer Erkrankungen von Magen-Darm-Trakt, Herz oder Atemwegen.
Fazit: Determinanten der Lebenserwartung scheinen zumindest teilweise schon im Mutterleib angelegt zu werden. Offen bleibt die Frage, wie groß der Anteil ist und ob die Effekte, die heute bei den Über-100-Jährigen erkannt werden, auf jüngere Generationen übertragbar sind. Vieles spricht dafür, dass es heute selbst im fortgeschrittenen Alter noch möglich ist, Sterblichkeitsraten erfolgreich zu senken. Autor: Gabriele Doblhammer Quelle: Doblhammer, Scholz, R., Maier, H. (2005), Month of birth and survival up to age 105+.Evidence from the German age-validation studies of semi-supercentenarians, Experimental Gerontology (40), p.829-835.
Doblhammer, G; Scholz, R; Maier, H, 2005: Month of birth influences survival up to the age 105+ (Doblhammer, Scholz, Maier), MPIRD Workingpaper WP 2005-004 http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2005-004.pdf
Doblhammer, G, 2003: The late life legacy of very early life, MPIRD Workingpaper WP 2003-030 http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2003-030.pdf
Doblhammer G. & Vaupel J.W. (2001), Life span depends on month of birth , Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, 98:5, 2934-2939. Weitere Artikel zur Lebenserwartung:
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