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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Familienpolitik festigt traditionelle Frauenrolle

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Die familienpolitischen Rahmenbedingungen in Deutschland fördern einseitig traditionelle Familienmodelle. Gesellschaftliche Veränderungen der letzten Jahre wie der Wandel der Frauenrolle und die zunehmende Erwerbsorientierung von Frauen werden nicht berücksichtigt. Das ist das Ergebnis einer Analyse von Michaela Kreyenfeld und Dirk Konietzka vom MPIDF. Die beiden Wissenschaftler untersuchten den Einfluss institutioneller Rahmenbedingungen auf die Geburtenentwicklung in Deutschland.

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Die Bundesrepublik gehört zu den Ländern mit der höchsten Kinderlosigkeit in Europa. Während Frauen des Geburtenjahrgangs 1935 in fast allen europäischen Ländern im Durchschnitt mehr als 2,1 Kinder zur Welt brachten und damit über dem Bestandserhaltungsniveau lagen, trifft dies für spätere Jahrgänge immer weniger zu. In Westdeutschland liegt die Geburtenrate bei Frauen des Geburtenjahrgangs 1960 bei 1,6, in Ostdeutschland bei 1,8.

Dass eine fehlende finanzielle Unterstützung von Familien für die niedrigen Geburtenraten in Westdeutschland verantwortlich ist, wird von vielen Experten bezweifelt. Denn im internationalen Vergleich liegt Deutschland dabei im oberen Mittelfeld. Zu den Fördermaßnahmen gehören das „Einkommensplitting“, die Mitversicherung nicht erwerbstätiger Haushaltsmitglieder in der gesetzliche Krankenversicherung, die Hinterbliebenenrente und das Erziehungsgeld. Allerdings fördert diese Art der Unterstützung das traditionelle Familienmodell der „Versorgerehe“, in der nur der Mann arbeitet und sich die Frau um die Kinder kümmert. Sie ist nicht darauf ausgerichtet, Beruf und Familie zu vereinen. Dies wird aber von immer mehr Frauen als wichtige Voraussetzung angesehen, um sich für Kinder zu entscheiden. Mit der Wiedervereinigung wurde die westdeutsche Familienpolitik auch auf den Osten ausgeweitet. Trotzdem sind Familien dort wesentlich häufiger als Doppelverdiener-Modell organisiert. Dies wird unter anderem durch ein größeres Angebot von Ganztagsbetreuungsplätzen ermöglicht. Ein Sinken des Betreuungsangebots könnte aber auch im Osten zu einem weiteren Rückgang der Geburtenrate führen, befürchten die Wissenschaftler.

 

Familienpolitische Rahmenbedingungen können die Geburtenentwicklung zwar nicht zielgenau bestimmen, resümieren die Forscher, sie haben aber einen hemmenden oder fördernden Einfluss.

ks


Autoren: Michaela Kreyenfeld und Dirk Konietzka

Quelle: „Familienpolitik und Geburtenentwicklung in Deutschland“, in Milbradt, G; Meier, J (Eds.): Die demographische Herausforderung – Sachsens Zukunft gestalten. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung, 64-87.


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