Artikel | Zahlen und Fakten | Studium und Schule | Veranstaltungen | Publikationen | Glossar |
 
Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Regionale Unterschiede in der Geburtenrate

Druckansicht

Zwischen westdeutschen Stadt- und Landkreisen bestehen bis heute deutliche Unterschiede in den Geburtenraten. Diese sind durch regionale Differenzen von Eheschließungen bedingt. Das ist das Ergebnis einer Studie von Karsten Hank vom MPIDF. Der Wissenschaftler untersuchte die Bedeutung regionaler Einflussfaktoren auf die Familiengründung westdeutscher Frauen in den 1980er und 1990er Jahren.

Bild

Die regionalen Unterschiede in der Geburtenrate sind in Westdeutschland wesentlich deutlicher ausgeprägt als in Ostdeutschland. Die in Ostdeutschland schon zu DDR-Zeiten nur geringen regionalen Unterschiede in der Geburtenrate nahmen nach der Wiedervereinigung noch weiter ab. Dagegen bestehen in Westdeutschland die Unterschiede zwischen städtischen und ländlichen Regionen weiter fort. Die Differenzen zwischen den höchsten Geburtenraten in einigen Teilen Nordwest- und Süddeutschlands und den niedrigsten Werten in einer Reihe von Universitätsstädten sind größer als die derzeit beobachteten Unterschiede zwischen West und Ost. Mitte der 1990er Jahre wurde etwa in Heidelberg eine allgemeine Geburtenziffer von 0,9 beobachtet, während der Landkreis Cloppenburg im selben Zeitraum mit einem Wert von 1,9 fast das zur Bestandserhaltung notwendige Niveau erreichte.

Der in der westdeutschen Gesellschaft dominierende Lebenslauf sieht vor, dass junge Männer und Frauen zuerst ihre Ausbildung abschließen sollten, bevor sie heiraten und ihr erstes Kind bekommen. Längere Ausbildungszeiten führen hierzulande dabei allgemein zu einem Aufschub der Familiengründung, können aber nicht die regionalen Unterschiede der Geburtenraten erklären.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass regionale Unterschiede in der Geburtenrate vor allem durch den Familienstand der Frau bedingt sind. Diese Differenzen lassen sich wiederum durch regionale Einstellungen erklären, die etwa die Akzeptanz nichtehelicher Lebensgemeinschaften oder Erwartungen bezüglich des Heiratsalters betreffen. Die regionalen Unterschiede auf dem Arbeitsmarkt und in der Betreuung von Kindern sind in Westdeutschland dagegen grundsätzlich so homogen, dass sie die Entscheidung der Eltern für oder gegen Kinder kaum beeinflussen, folgert der Wissenschaftler.

ks


Autor: Karsten Hank

Quellen: „Eine Mehrebenenanalyse regionaler Einflüsse auf die Familiengründung westdeutscher Frauen in den Jahren 1984 bis 1999“, Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie, 55:1, 79-98

„The differential influence of women´s residential district on the risk of entering first marriage and motherhood in Western Germany“, Population and Environment, 25:1, 3-21.

"The differential influence of women's residential district on the risk of entering first marriage and motherhood in Western Germany", MPIDR working paper WP-2002-027

http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2002-027.pdf

„Die Familiengründung westdeutscher Frauen im regionalen Kontext“, In: Allmendinger, J. (Editor): Entstaatlichung und soziale Sicherheit: Verhandlungen des 31. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Leipzig 2002; Kongressband II. Opladen: Leske und Budrich.


Sie sind hier: ZDWA > Artikel > Kinder und Familie > Geburtenrate
DemoData
 
  Zum Dateninformationssystem gelangen Sie hier

Geburtenmonitor
 

Die TFR für Gesamtdeutschland im Oktober 2010: 1,37

 
Weitere saisonale Daten und Ergebnisse des Geburtenmonitors zu Fertilitätstrends finden Sie hier