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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Eine Frage der Entscheidung

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Vor der Wende mussten sich Frauen in Westdeutschland zwischen Kindern und Arbeit entscheiden, ihre Geschlechtsgenossinnen in Ostdeutschland dagegen nur für den richtigen Zeitpunkt einer Familiengründung. Das ist das Ergebnis einer Studie, in der Michaela Kreyenfeld vom MPIDF die Familienpolitik und die Geburtenrate in der früheren Deutschen Demokratischen Republik und der Bundesrepublik Deutschland verglich.

Die Wissenschaftlerin fand große Unterschiede zwischen beiden deutschen Staaten. Frauen in Ostdeutschland waren vor 1989 bei der Geburt des ersten Kindes mit 22 rund sechs Jahre jünger als ihre westlichen Geschlechtsgenossinnen. Außerdem hatten sie im Durchschnitt mehr Kinder. Kinderlosigkeit war im Osten selten. Sie betraf nur etwa jede zehnte Frau unabhängig von ihrem Bildungsniveau. Im Westen blieben dagegen 25 bis 30 Prozent aller Frauen ohne Kinder, vor allem solche mit einem höheren Schulabschluss. Bei ostdeutschen Müttern verzögerte das Abitur die Geburt des ersten Kindes – aber nur bis zu ihrem Eintritt in das Berufsleben. Im Westen hielt dieser Aufschub auch mehrere Jahre nach dem Beginn des Arbeitslebens an. Im Alter von 35 Jahren waren dort immer noch 40 Prozent der Frauen mit Abitur kinderlos. Somit förderte eine Anstellung im Osten die Mutterschaft, während ein Job im Westen diese eher behinderte.

 

Die Familienpolitik in Westdeutschland begünstigte ein traditionelles Familienmodell, in dem sich Frauen der Kindererziehung widmen, folgert die Wissenschaftlerin. Kinderbetreuung diente nicht in erster Linie der Vereinbarkeit von Kind und Beruf, sondern vor allem der Bildung und Sozialisation der Sprösslinge. Öffentliche Kindergärten betreuten Kinder deshalb nur einige Stunden am Tag und verzichteten auf flexible Öffnungszeiten. Arbeit und Kindererziehung galten im Westen entsprechend als inkompatible Lebensbereiche. Frauen mussten sich für das eine oder andere entscheiden.

 

Die politischen Rahmenbedingungen in der früheren DDR förderten nicht nur die Berufstätigkeit von Müttern, die Vollzeitbeschäftigung von Frauen und Männern war vielmehr eine moralische Verpflichtung. Dazu gab es eine Reihe von staatlichen Unterstützungen wie etwa ein großes Angebot an Vollzeit-Betreuungsplätze mit flexiblen Öffnungszeiten. Frauen mussten sich nicht zwischen Beruf und Kind entscheiden, sondern nur für den richtigen Zeitpunkt einer Familiengründung.

ks


Quelle: „Fertility decisions in the FRG and GDR : an analysis with data from the German Fertility and Family Survey“, Demographic Research, S3(2004)11, 276-318

http://www.demographic-research.org/special/3/11/



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