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Eine Informationsseite des Rostocker Zentrums zur Erforschung des Demografischen Wandels
 

Langes Leben: Es ist nie zu spät

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Der medizinische Fortschritt hat Todesfälle heute weitgehend ins hohe Alter verschoben. Lässt sich die Zahl der verbleibenden Jahre durch verbesserte Lebensbedingungen auch für 80- oder 90-Jährige noch steigern? Die positive Bilanz der deutschen Wiedervereinigung spricht dafür, meinen Rembrandt Scholz und Heiner Maier vom MPIDF.

Nähert sich unsere Lebenserwartung einer biologischen, unüberwindlichen Obergrenze oder haben wir es möglicherweise selbst in der Hand, den Tod immer weiter hinaus zu schieben? Einen wichtigen Beitrag zu dieser hochaktuellen wissenschaftlichen Debatte leistet eine Studie des MPIDF. Die Wissenschaftler haben darin untersucht, wie sich die Lebenserwartung in beiden Teilen Deutschlands vor und nach der Wiedervereinigung entwickelt hat. Das Ende der deutschen Teilung liefert aus demografischer Sicht einzigartiges Datenmaterial zur Erforschung der Auswirkungen unterschiedlicher politischer und ökonomischer Systeme auf Gesundheit und Sterblichkeit – quasi ein Experiment mit der gesamten Bevölkerung. Es zeigt sich, dass die Lebenserwartung in beiden Teilen Deutschlands ab Mitte der 1970er Jahre immer stärker auseinander klaffte. Der Osten hinkte dem schnelleren Anstieg im Westen hinterher. Seit der Wiedervereinigung schließt sich diese Lücke wieder, bei Frauen ist schon heute eine fast vollständige Angleichung erreicht.

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Abb 1 Lebenserwartung in Ost- und Westdeutschland.

Entscheidend dazu beigetragen hat vor allem eine deutlich verringerte Sterbewahrscheinlichkeit der ostdeutschen Bevölkerung im hohen Alter. Für die untersuchten Geburtsjahrgänge 1910, 1905, 1900 und 1895 lag das altersspezifische Sterberisiko vor der Wiedervereinigung deutlich über West-Niveau. 1990 zur Zeit der Wende waren diese Menschen bereits mindestens 80 Jahre alt. Trotzdem zeigt sich nach der Wiedervereinigung für alle Jahrgänge eine deutliche Angleichung der Kohortensterblichkeit, bei Frauen wesentlich ausgeprägter als bei Männern.

Die Ergebnisse lassen den Schluss zu, dass auch sehr alte Menschen von veränderten, gesundheitsförderlichen Rahmenbedingungen nach der Wende profitieren konnten. Dazu zählen beispielsweise ein gut funktionierendes gesamtdeutsches Gesundheitswesen, das wesentliche Verbesserungen bei der Diagnostik und Therapie von chronischen Altersleiden mit sich brachte, oder die deutliche Anhebung des ostdeutschen Rentenniveaus durch die Eingliederung in das westdeutsche Rentensystem.

 

Die Studie stützt damit die These, dass die Sterblichkeit auch im hohen Alter noch formbar ist und durch Neuerungen und menschliche Intervention zu Gunsten des Menschen beeinflusst werden kann. Auch wer bereits überdurchschnittlich lange gelebt hat, kann von lebensverlängernden Veränderungen noch profitieren.

KvE


Autoren: Rembrandt Scholz, Heiner Maier

Quelle: Scholz, R.D., Maier, H., 2003: German unification and the plasticity of mortality at older ages/MPIDR Working Paper WP 2003-031, Sep 2003

http://www.demogr.mpg.de/Papers/Working/wp-2003-031.pdf

 

darauf basierend:

Maier, H, Scholz R.D., 2004: Wiedervereinigung zeigt: Für ein langes Leben ist es nie zu spät, Demografische Forschung aus Erster Hand 2004, Jahrgang 1, Nr. 3

http://www.demografische-forschung.org/archiv/defo0403.pdf



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