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Die deutsche Gesellschaft wird dramatisch altern. Maßnahmen der Familien- und Zuwanderungspolitik können den Demografischen Wandel kaum aufhalten. Stattdessen sind kreative Ansätze gefragt, um Arbeits-, Wohn- und Lebensbedingungen an die veränderten Erfordernisse einer gealterten Bevölkerung anzupassen. Langfristige Strategien statt kurzfristiger Legislaturpolitik sind dringend erforderlich, mahnt Politikwissenschaftler Harald Wilkoszewski vom MPIDF.
Als Antwort auf die sich abzeichnenden Verschiebungen im Altersaufbau der deutschen Bevölkerung werden derzeit familien- und zuwanderungspolitische Maßnahmen diskutiert (Stichworte: Elterngeld, Ganztagsbetreuung, Greencard, Zuwanderungsgesetz). Auch wenn die hohe gesellschaftliche Bedeutung der Familienförderung unumstritten ist, lässt sich ein nachhaltig geburtenfördernder Effekt nicht eindeutig nachweisen. Selbst wenn die Geburtenrate von derzeit 1,3 auf das Bestandserhaltungsniveau von 2,1 stiege, würde dies die Alterung der Gesellschaft bis 2050 nur geringfügig abmildern. Da Zuwanderer selbst altern und ihre Kinderzahl den deutschen Verhältnissen tendenziell anpassen, wäre für eine Stabilisierung der bestehenden Altersstruktur in den nächsten 45 Jahren ein Zustrom von knapp 200 Mio. Menschen erforderlich – diese hohe Zahl ist weder politisch erwünscht noch gesellschaftlich realisierbar. Statt sich vordergründig auf eher wirkungslose Strategien gegen die Bevölkerungsalterung zu konzentrieren, wäre es für politische Akteure dringend geboten, ressortübergreifende, langfristige Programme für eine gealterte Bevölkerung zu entwickeln. Zentrale Ansatzpunkte sind die drei Bereiche Arbeit, Wohnen sowie Gesundheit und Pflege.
1. Arbeit: Wirtschaft und Staat nutzen ältere Beschäftigte heute überwiegend als Dispositionsmasse, um akute konjunkturelle oder strukturelle Probleme zu lösen. Arbeitsmarktpolitische Instrumente wie Altersteilzeit und Vorruhestand werden z.B. gerne genutzt, um die Belegschaft zu reduzieren oder die Arbeitslosenstatistik zu bereinigen. Sowohl im Hinblick auf ein sinnvolles, erfülltes Leben als auch unter volkswirtschaftlichen Aspekten sind stattdessen langfristige, flexible Konzepte für eine längere Erwerbsbeteiligung dringend erforderlich.
2. Wohnen: Die Qualität des Wohnumfelds entscheidet maßgeblich, inwieweit trotz altersbedingter Risiken (körperliche Einschränkungen, Einsamkeit) ein eigenständiges Leben möglich ist. Die bauliche Entwicklung hinkt der steigenden Nachfrage weit hinterher.
3. Gesundheit und Pflege: Es gilt, schon heute die politischen Rahmenbedingungen zu setzen, damit auch in einer alternden Gesellschaft Gesundheit und Lebensqualität einer großen Bevölkerungsgruppe bei vertretbaren Kosten für das Gemeinwesen erhalten bleiben können.
Fazit: Der Zwang zu kurzfristigen Erfolgen innerhalb einer Legislaturperiode dominiert heute politisches Handeln. Die dringend erforderliche Auseinandersetzung mit einem langfristigen, komplexen Themenfeld wie dem Demografischen Wandel droht zu kurz zu geraten. Politische Akteure sollten jedoch bedenken, dass auch die Wahlbevölkerung altert. Für einen Teil des erforderlichen Reformprogramms, beispielsweise eine Anhebung des Rentenalters, verbleibt möglicherweise nur noch ein kurzes Zeitfenster. KvE Autor: Harald Wilkoszewski Quelle: Wilkoszewski, H, 2004: Mehr Kinder helfen nicht. Warum Politik im Zeichen des Bevölkerungswandels demografieresistent gestaltet werden muss. Zeitschrift für Biopolitik, Nr. 3, 3. Jahrgang 2004, S. 159 – 167
Wilkoszewski, H, 2004: Einfluss auf die Bevölkerungsalterung im Mittelpunkt, Demografische Forschung aus Erster Hand, 1 (2004) 2, Seite 3. |
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